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Erstmals Preis für Wissenschaftsblogs verliehen

Am Wochenende tagten im pfälzischen Deidesheim auf Einladung des Verlags Spektrum der Wissenschaft 35 Blogger, Wissenschaftler und Journalisten beim bislang größten deutschen Treffen von Wissenschaftsbloggern. In Vorträgen und Workshops diskutierten die Teilnehmer die Möglichkeiten des neuen Mediums Weblog (engl. für Internettagebuch) für die Wissenschaftskommunikation. Zum Abschluss kürten sie den Frankfurter Privatdozent für Neuroanatomie Helmut Wicht für seinen Blog „Anatomisches Allerlei“ mit dem Scilogs-Preis für Wissenschaftsblogs, der erstmals verliehen wurde. Wicht ist einer der Pioniere unter den bloggenden Wissenschaftlern. Sein Blog berichtet „schonungslos offen über das Forscherleben des Autors“ – und dies in „sprachlich herausstechender Qualität“, so Björn Schwentker, Ressortleiter Wissen bei Zeit Online, in der Begründung für seinen Wahlvorschlag.

Im deutschsprachigen Internet gibt es derzeit etwa 180 Wissenschaftsblogger. Damit steckt das viel versprechende neue Medium noch in den Kinderschuhen. Vor diesem Hintergrund diskutierten die Teilnehmer in Deidesheim intensiv das Thema Qualitätssicherung – und ob das Bloggen einer wissenschaftlichen Karriere eher förderlich oder hinderlich sei.

„Blogs stellen eine ideale Ergänzung zur etablierten journalistischen Berichterstattung etwa in Zeitschriften oder Online-Diensten dar“, erläutert der Initiator des Treffens Carsten Könneker das Engagement des Heidelberger Spektrum-Verlags. „In gut gemachten Blogs erhalten die Leser Insiderwissen über den Wissenschaftsbetrieb, das sonst nirgendwo öffentlich zugänglich ist. Blogs sind authentisch, persönlich – und regen zum direkten Gedankenaustausch an.“ So gestatten es Blogs den Lesern nicht nur, spannende Themen und Hintergründe teils fernab der herkömmlichen Wissenschaftsberichterstattung zu entdecken. Mit den Möglichkeiten des Internets können die Nutzer die Inhalte selbst aktiv vernetzen und über Kommentare direkt mit den Autoren in Dialog zu treten. Davon wird auf dem größten europäischen Portal für Wissenschaftsblogs www.scilogs.de auch bereits reichlich Gebrauch gemacht. So erhalten manche Beiträge dort mehr als 100 qualifizierte Nutzerkommentare.

Blogger und Verlag wollen die Scilogs in enger Tuchfühlung gemeinsam weiterentwickeln – wobei die Autoren die strategische Richtung maßgeblich mitbestimmen. „Alles andere passt nicht zu dem Medium Blog, das sich ja gerade durch ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit für die Autoren auszeichnet“, so Könneker. Der Verlag hingegen sei verantwortlich für die Infrastruktur und die Vernetzung der Blogbeiträge mit redaktionellen Inhalten.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte der zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehörende Verlag Spektrum der Wissenschaft vier Wissenschaftsblog-Plattformen gestartet: die Brainlogs zu Themen der Psychologie, Philosophie und Hirnforschung, die Kosmologs (Astronomie, Kosmologie), die Chronologs (Geschichte, Archäologie) sowie die fächerübergreifenden Wissenslogs. Seit Dezember 2007 sind die vier Portale unter dem gemeinsamen Dach der Scilogs vereint. Blogger sind Forscher wie der Quantenphysiker Anton Zeilinger (Wien), der Klimaexperte Stefan Rahmsdorf (Potsdam) und der Neurophilosoph Stephan Schleim (Bonn) sowie freie Autoren und Journalisten. Die Scilogs vereinen derzeit 50 Blogs. Weitere werden in den kommenden Wochen hinzukommen, wie Spektrum-Verlagsleiter Richard Zinken sagt. Damit sind die Scilogs die größte europäische Plattform für Wissenschaftsblogs – mit fast 300.000 Seitenabrufen seit Projektstart. „Und das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft“, prognostiziert Zinken.

Eindrücke und Fotos von der Tagung und der Preisverleihung finden Sie unter www.spektrum.de/scilogspreis.

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