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Soziale Intelligenz: Wer ist sozial intelligent?

Mit anderen mitfühlen, sie verstehen und manipulieren: Diese Fähigkeiten gelten gemeinhin als Kennzeichen sozialer Intelligenz. Doch erst neuerdings gelang es Psychologen, diesen populären Begriff genauer zu bestimmen. Siehe da: Kluger sozialer Umgang hat mit der allgemeinen Intelligenz wenig zu tun. Und er lässt sich sogar lernen.
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Über zwischenmenschliche Normen und Umgangsformen theoretisch Bescheid zu wissen, hat mit deren praktischer Umsetzung wenig gemein. Oftmals kennen etwa soziopathisch veranlagte Menschen die entsprechenden Regeln sehr genau – halten sich aber trotzdem nicht daran. Soziale Intelligenz beweist sich vielmehr im konkreten Einsatz. Auf diese Erkenntnis legen Intelligenzforscher wie der Psychologe Heinz-Martin Süß großen Wert.

Seine Forschergruppe an der Universität Magdeburg hat eigens hierfür einen umfangreichen Test entwickelt. Wie das Magazin Gehirn&Geist (12/2007) berichtet, prüft dieses Verfahren anhand von Bild-, Ton- und Filmsequenzen das individuelle Vermögen, soziale Signale wahrzunehmen, zu verstehen und behalten zu können. Dabei stehen emotionale Gesichtsausdrücke, stimmliche Nuancen oder auch die Bedeutung von Gesten und Sprache im Vordergrund.

Testreihen an mehr als 300 Probanden ergaben, dass besonders gute Fähigkeiten auf diesem Gebiet von der allgemeinen Intelligenz relativ unabhängig sind. Auch haben die Wahrnehmung und das Verständnis sozialer Informationen offenbar eine gemeinsame Basis, wie die statischtische Datenanalyse zeigte.

Die Wurzeln der menschlichen Empathiefähigkeit werden seit einigen Jahren intensiv untersucht: Spiegelneurone im Gehirn ermöglichen es uns vermutlich, die Absichten anderer durch innere Simulation zu erschließen. Auch besonders schnell leitende Spindelzellen stehen in Verdacht, das soziale Handeln zu erleichtern – schließlich müssen dabei große Informationsmengen bewältigt werden: Was fühlt und will der Andere? Wie und warum sollte ich mich ihm gegenüber verhalten? – Solche Fragen binnen Sekunden zu beantworten und entsprechend zu handeln, macht Menschen sozial intelligent.

Dies alles lässt sich – innerhalb gewisser Grenzen – auch durchaus üben: Das »Gruppentraining sozialer Kompetenzen« (GSK) etwa wenden Psychotherapeuten sehr erfolgreich bei sozial ängstlichen oder gehemmten Menschen an. In Lektionen beispielsweise zum »Neinsagen« oder sich selbst kritischen Situationen wie einem öffentlichen Vortrag aussetzen, lernen Betroffene offensiver und selbstbewusster auf Fremde zuzugehen..

Die ersten Versuche von Psychologen, soziale Intelligenz wissenschaftlich dingfest zu machen, gehen bis in die 1920er Jahre zurück. Der US-Lernfoscher Edward Thorndike etwa verstand darunter das Vermögen, »andere zu verstehen und gut mir ihnen umzugehen.« Diese Definition erwies sich allerdings lange als zu »weich«, um die Ausprägung bei verschiedenen Menschen danach bemessen zu können. Vor einigen Jahren machte der Harvard-Psychologe Daniel Goleman das Konzept der sozialen Intelligenz erneut populär – und verwies auf neue Erkenntnisse über deren neurologische Basis im Gehirn.

Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe: Gehirn&Geist, 12/2007
Ein Beleg wird erbeten.

Dezember 2007

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Dezember 2007

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