Direkt zum Inhalt

Lesermeinungen - Spektrum.de - Seite 1

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Stromversorgung – ein Blick auf die Fakten: Windkraft völlig überschätzt

    25.01.2016, Dr. Armin Quentmeier
    Ein kurzer Blick auf die Fakten zeigt, dass Herr Oberdörffer in allen Punkten zu fast 100 % recht hat und Herr Kamm in grüner Ideologie und Wunschdenken gefangen ist. Da es heute schnell gehen muß, zitiere ich aus einem meiner Leserbriefe zu diesem Thema vom Januar 2015. Auch wenn die Zahlen sich ein wenig geändert haben und die sogenannten erneuerbaren Energien noch etwas zugelegt haben (und damit auch die Kosten, in 2015 immerhin 25 Milliarden Euro), bleibt meine Argumentation richtig. Aktuelle Zahlen sowie einen absoluten Leckerbissen für Windkraft-Kritiker liefere ich in den nächsten Tagen nach!

    An manchen Tagen mit viel Sonnenschein oder starkem Wind (beides zusammen kommt so gut wie nie vor!) liefern die erneuerbaren zwar Energien 50-60 % des deutschen Strombedarfs, also Wind, Sonne und Biomasse, dazu noch die Wasserkraftwerke, die es aber schon seit vielen Jahrzehnten gibt. Diese Leistungsabgabe ist aber im Fall von Wind- und Solarstrom völlig unzuverlässig, kann sich innerhalb von wenigen Stunden auf einen Bruchteil reduzieren und für jedes Gigawatt (GW) an installierter Wind- und Solarstromleistung muß daher ein GW konventionelle Kraftwerksleistung vorgehalten werden (Kohle, Gas oder für einige Jahre noch Kernkraft).
    Die erneuerbaren Energien können niemals eine sichere Stromversorgung gewährleisten, weil die Sonne bekanntermaßen nachts nicht scheint und der Wind nur sehr unregelmäßig weht. Ein Beispiel für das völlige Versagen von Wind- und Sonnenenergie liefern trübe Novembertage wie z. B. der 19.11.2014: Stromverbrauch um 12 Uhr mittags: 73,2 Gigawatt (GW), davon erzeugt durch Windmühlen: 0,62 GW (trotz einer installierten Leistung von 33 GW aus 24.000 Anlagen in Deutschland!) und Sonnenenergie: 2,1 GW (installierte Leistung: ca. 36 GW; Stand 2013)! Ohne konventionelle Kohlekraftwerke, Gaskraftwerke und (gegenwärtig auch noch Kernkraftwerke) sähe es zappenduster aus in Deutschland. Dann hätten über 90% der Haushalte keinen Strom, um Fernseher, Computer, Herd, Backöfen, Waschmaschinen etc. nutzen zu können. Und gleichzeitig müßten über 90% aller Industrie-, Handwerks- und Handelsbetriebe aller Größenordnungen den Betrieb einstellen, was gerade im Industriebereich mit Milliardenverlusten verbunden wäre. Viele Industriebetriebe laufen 24 Stunden am Tag, daher wurden um Mitternacht des 19.11.2014 noch 55,8 GW Strom benötigt; davon kamen exakt 0% aus der Sonnenenergie und sogar nur 0,2 GW aus der vielgepriesenen Windkraft. Strom muß dann erzeugt werden, wenn er gebraucht wird und kann nicht in großen Mengen gespeichert werden! Ein kurzer Blick auf Internet-Seiten wie „agora-energiewende.de“ gibt einen wundervollen und zugleich erschreckenden Einblick über die komplette Unzuverlässigkeit von Wind- und Sonnenstrom, samt den daraus folgenden Konsequenzen wie „negative Strompreise“: große Kraftwerke mit einigen 100 bis über 1000 MW elektrischer Leistung können nicht innerhalb von Minuten ab- und später wieder angeschaltet werden, sondern müssen mit reduzierter Leistung weiterlaufen. Wenn z. B. um Mitternacht ein Sturmtief über Deutschland zieht und die besagten 24000 Windmühlen auf fast vollen Touren arbeiten – oder z. B. am Pfingstsonntag strahlender Sonnenschein herrscht, muß dieser Strom auf jeden Fall bevorzugt abgenommen werden. Ein Teil des Stroms aus den konventionellen Kraftwerken wird daher nicht gebraucht und muß regelrecht verschleudert werden, z. T. zu Preisen von 5 Cent pro MWh (ja, MWh, nicht kWh), manchmal zahlen unsere Energieversorgungsunternehmen sogar 10 Euro und mehr pro MWh, um den Strom ins Ausland zu verkaufen (vorläufige „Krönung“ am 3.1.2015 um 4°° Uhr morgens: Strompreis minus 46,97 Euro, also fast 47 Euro pro MWh mußten gezahlt werden, um den Strom loszuwerden). So können österreichische und Schweizer Energieversorger ihre Talsperren als Speicherbecken füllen und den Strom zu Spitzenzeiten, wenn an Werktagen mal wieder kein Wind weht oder dicke Wolken die Solarkraftwerke fast vollständig lahmgelegt haben, nach Deutschland zurückverkaufen, zu Spitzenpreisen von 50-60 Euro je MWh. Ein tolles Geschäftsmodell, aber leider nicht für uns! (Hier können Sie meckern!!)
    An dieser Stelle noch ein Wort zu den Kosten: Die erneuerbaren Energien Wind, Sonne und Biomasse wurden im Jahr 2013 mit 23 Milliarden Euro subventioniert und der damit erzeugte Strom für 2 Milliarden Euro verkauft. Wie lange hält ein Geschäftsmann durch, der Waren für 23 Euro kauft und für 2 Euro verkauft? Ein Autohändler, der einen Neuwagen ab Werk für 23000 Euro kauft und für 2000 Euro weiterverkauft? Nach kürzester Zeit wäre er pleite! Die Erzeuger der erneuerbaren Energien könne leider nicht in die Pleite gehen, weil sie allen Stromverbrauchern in die Taschen greifen!
    Wir brauchen eine Grundlast meist von 45 bis 50 Gigawatt. Nur an wenigen Tagen wird deutlich weniger verbraucht, unter 40 GW z. B. an den Weihnachtstagen. Das bedeutet, das mindestens 50 große Kohle- und Gaskraftwerke bereitstehen müssen. Aber wie oben erläutert, wird an Werktagen deutlich mehr Strom verbraucht; hier werden Werte von bis zu 75 GW erreicht und der bisher größte Verbrauch lag bei 83 GW. Was machen Sie an Tagen wie dem 19. November 2014?
    Wie oben geschildert, können die erneuerbaren Energien bisher nicht an einem einzigen Tag den Strombedarf unseres Landes decken. Selbst wenn 10 mal so viele Windmühlen und Solarkraftwerke gebaut werden würden, reicht es an zahlreichen Tagen, und das sind mehr als nur 10 Tage, nicht einmal annähernd für eine sichere Stromversorgung, s. 19.11.2014!
    Einen Ausweg aus der Misere gibt es nicht, weil Strom in großen Mengen nicht speicherbar ist. Die wenigen Pumpspeicherkraftwerke liefern gerade einmal 7-8 Gigawatt und sind nach wenigen Stunden leergelaufen.
    Dazu möchte ich Ihnen ein Beispiel liefern: von meinem Büro in der an der TU Dortmund habe ich einen schönen Ausblick nach Norden und sehe jeden Tag neben drei anderen Kohlekraftwerken das neue Trianel-Kohlekraftwerk in Lünen. Dieses leistet 750 MW. Wie viele Pumpspeicherkraftwerke brauchen wir, um einen Tag wie den 19.11.2014 zu überbrücken und - horribile dictu – die grünen Träume zur Abschaltung aller Kohlekraftwerke sind in Erfüllung gegangen? Das Koeppchenwerk auf dem Ardeygebirge bei Dortmund hat eine Leistung von 150 MW und hier ist das Speicherbecken nach vier Stunden leergelaufen, danach muß man fünf Stunden pumpen, um es wieder zu füllen. Um 750 MW mit Pumpspeicherkraftwerken abzusichern, bräuchte man also fünf solche Anlagen wie das Koeppchenwerk – und käme trotzdem nur für vier Stunden über die Runden. Um auch nur 24 Stunden zu überbrücken, bräuchte man also anstelle eines einzigen 750 MW – Kohlekraftwerkes 30 Speicherbecken von der Größe und Höhendifferenz des Koeppchenwerks. In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es aber nur zwei solcher Anlagen, eben das Koeppchenwerk und die Anlage in Finnentrop-Rönkhausen (Sauerland). Und wenn wir den gesamten Grundlast-Strom für Deutschland für 24 Stunden speichern wollen (50 GW, entsprechend 66 Kraftwerken wie das in Rede stehende in Lünen), wären 1980 Pumpspeicherkraftwerke wie das Koeppchenwerk erforderlich, eine vollkommen absurde Vorstellung! Und wehe, nach 24 Stunden herrscht immer noch Flaute und der Himmel ist tagsüber dicht bewölkt dann sieht es wirklich zappenduster aus!
    Im Weltmaßstab ist die CO2-Einsparung durch die deutsche Energiewende belanglos und hat kaum mehr Bedeutung, als wenn in China der berühmte Sack Reis umfällt: der weltweite CO2-Ausstoß lag im Jahr 2013 weltweit bei ca. 36 Milliarden t pro Jahr; das war ein Anstieg um 2,1 % = ca. 700 Millionen t gegenüber dem Vorjahr und um 61 % gegenüber 1990. Die deutsche Einsparung durch die vollkommen unsinnige, milliardenteure Energiewende beträgt gerade mal 100 Millionen t pro Jahr. Bei der gegenwärtigen Steigerung der weltweiten CO2-Emissionen entsprechen diese 100 Millionen t einer Menge, die alle sieben Wochen mehr ausgestoßen wird. Und kein Land der Welt macht uns diesen milliardenteuren Unsinn nach!
    Es ist schwer zu verstehen, daß angesichts dieser Fakten nicht schon längst ein Sturm der Entrüstung gegen die Energiewende losgebrochen ist, die unserem Land nur Nachteile und praktisch keinerlei Vorteile bringt und letztlich nur die vernunftwidrige Durchsetzung grüner Ideologie verkörpert. Stattdessen werden immer neue Windmühlen gebaut, Monstertürme von über 100 m Höhe, mit denen auch die letzten lieblichen Mittelgebirgslandschaften zugebaut werden, so dass unser ganzes Land von der Nordsee bis zum Alpenrand in ein einziges Industriegebiet verwandelt werden soll.