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Tagebuch: Was Großmutter noch wusste ...

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»Der gefüllte Ranzen sollte am Ende nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes wiegen«, empfiehlt das Deutsche Institut für Normung (DIN 58124), und zu Beginn jedes Schuljahres warnen Ärzte und Krankenkassen vor Haltungsschäden durch zu schwere Schulranzen. Und wer wollte daran schon zweifeln?

Worauf aber beruht dieses Wissen eigentlich? Das Kidcheck-Team der Universität des Saarlandes ging dem nach, konnte aber keine entsprechenden Studien in der wissenschaftlichen Literatur finden. Wohl aber eine Empfehlung aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg: Rekruten sollten bei Märschen ab 20 Kilometer keinen Tornister tragen, der mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichts wiegt.

Ist die goldene Regel also nur eine Mär, vergleichbar der »Eisen im Spinat«-Tortur, der Kinder jahrzehntelang unterzogen wurden? Die Forscher wollten es genau wissen und unternahmen erstmals eine Schulranzen-Studie. Sie schickten 60 Mädchen und Jungen im Grundschulalter mit überschweren Ranzen (jeweils etwa 17 Prozent des Gewichts) auf einen 15-minütigen Parcours, der die Anforderungen eines Schulwegs durch Hindernisse simulierte. Das Ergebnis: Die Haltung verschlechterte sich in der kurzen Zeit der Belastung keineswegs. Im Gegenteil – weil die Rumpfmuskulatur angespannt wurde, hat solch ein Ranzen vermutlich sogar einen Trainingseffekt.

Wer alte Gewissheiten gerne hoch schätzt, braucht ihnen aber dennoch nicht abzuschwören. Schließlich gelten sie – ab zwanzig Kilometer Strecke – vielleicht ja immer noch.

Klaus-Dieter Linsmeier

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