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: Wenn das Wasser steigt

Meeresspiegel steigen schneller, Stürme werden heftigerLaden...
Zwölf SzenarienLaden...
Was bringt die Zukunft? Diese Serie (hier geht es zur Übersicht) stellt Ihnen täglich eines von zwölf Szenarien vor, die die Welt verändern könnten.
In Spanien könnten die Strände bis 2050 um 15 Meter geschrumpft sein, und an der US-amerikanischen Ostküste gingen schon im 20. Jahrhundert fast 20 Meter Strand verloren. Denn weil die Wassertemperaturen infolge der Klimaerwärmung steigen, nimmt das Wasser mehr Platz ein; außerdem schmilzt das Polareis. Seit dem Jahr 1900 sind die Wasserspiegel der Ozeane darum um rund 17 Zentimeter gestiegen. Die Zukunftsaussichten sind noch düsterer: "Bis Ende des Jahrhunderts sollten Sie einen Meter einplanen", sagt der Gletscherkundler und emeritierte NASA-Forscher Robert Bindschadler. Und die Arktis könnte bis dahin eisfrei sein.

Zwar werden einige der berüchtigteren Prognosen erst in einigen Jahrhunderten eintreffen. Dann könnte ein großer Teil von Florida überflutet sein, weil der Meeresspiegel um fünf Meter gestiegen ist. Und dort, wo sich heute Bangladesch befindet, hätte das Wasser eine riesige Meeresbucht geschaffen. Die Niederlande wiederum können sich schon heute nur durch Deiche schützen, ohne solche Schutzmaßnahmen stünde das Land bereits zu einem Viertel unter Wasser.

Doch schon um 2100 könnten sich vielerorts die Küstenlinien verändert haben. Nach Berechnungen von Nicholas Stern von der London School of Economics leben 200 Millionen Menschen in Regionen, die sich nur einen Meter über den heutigen Meeresspiegel erheben; dazu zählen auch acht der zehn weltgrößten Städte und sämtliche Mega-Citys der Entwicklungsländer. "Die Menschen werden umziehen müssen", konstatiert Bindschadler.

"Verhindern können wir die Eisschmelze nicht mehr"

Werden die Treibhausgasemissionen nicht unter Kontrolle gebracht, schmelzen die Eisschichten auf Gebirgszügen ab (sie entsprechen rund einem Prozent des globalen Eises), ebenso jene auf Grönland (neun Prozent) und der Antarktis (neunzig Prozent). Alles in allem enthalten die Eismassen genügend Wasser, um den Meeresspiegel um 65 Meter steigen zu lassen (Rutschgefährdete Eisschilde, SdW 5/2008).

Bis eine riesige Eisplatte abgeschmolzen ist, verstreichen zwar Jahrhunderte. Doch das Eis geht schneller zurück, als Forscher noch vor wenigen Jahren vermuteten. Und schon während einer allmählichen Erhöhung der Meeresspiegel steigen beispielsweise die Risiken, dass es zu katastrophalen Sturmfluten kommt.

Kürzlich stießen die Forscher auf ein weiteres Problem. Es hängt mit der Schwerkraft zusammen, mit der Eis das umgebende Oberflächenwasser anzieht. Schmilzt das Grönlandeis ab, "kommt es deshalb vor allem auf der Südhalbkugel zu einer Meeresspiegelerhöhung", erklärt W. Richard Peltier, Physiker an der kanadischen University of Toronto. Antarktis-Eis lässt dasselbe auf der Nordhalbkugel geschehen. "Diejenige Region, die im Zuge der andauernden globalen Erwärmung am ehesten destabilisiert wird, ist vermutlich die Westantarktis."

Doch selbst wenn Klimaschutzbemühungen greifen, wird die Eisschmelze an den Polen schwer zu vermeiden sein. Denn die großen Eisplatten reagieren auf Klimaveränderungen mit deutlicher Verzögerung. Entsprechend lange würden sie auch benötigen, um sich wieder neu zu bilden. Noch ist völlig unklar, wie sich die Menschen an eine Welt mit mehr Wasser anpassen werden. Aber sie werden es tun müssen. Denn diesen Trend, sagt Bindschadler, "können wir nicht mehr umkehren".

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Eintrittsprognose: wahrscheinlich

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