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Leserbilder Astronomie: Galaxie mit Herzproblem

Zusammen mit NGC 5005 (nicht in diesem Ausschnitt) bildet NGC 5033 das gravitative Herzstück der sogenannten LGG 334-Galaxiengruppe, auch als NGC 5005-Gruppe bekannt. Diese kosmische Nachbarschaft umfasst mindestens 16 physikalisch aneinander gebundene Galaxien.

NGC 5033 selbst präsentiert sich am Himmel mit einer Winkelausdehnung von knapp 10 × 5 Bogenminuten optisch eher bescheiden – das täuscht jedoch gewaltig: Ihre geschätzte maximale Ausdehnung von bis zu 180 000 Lichtjahren übertrifft die unserer Milchstraße deutlich. Trotz ihrer gemeinsamen Gruppenzugehörigkeit beeinflussen sich NGC 5033 und NGC 5005 aufgrund ihres Abstands von etwa einer Million Lichtjahren nur schwach gravitativ.

Die auffällige Morphologie von NGC 5033 lässt sich daher kaum auf dieses Wechselspiel zurückführen. Wahrscheinlicher ist eine turbulente Vergangenheit: Eine frühere Verschmelzung mit einer kleineren Galaxie – ein sogenannter Minor Merger – hinterließ sichtbare Spuren in Form der asymmetrischen Spiralstruktur. Doch das deutlichste Zeugnis dieser kosmischen Kollision findet sich nicht in der äußeren Form, sondern im Inneren der Galaxie – in ihrem buchstäblich verschobenen Herzen.

Das aktive Zentrum von NGC 5033, ein sogenannter Seyfert-Kern, liegt nämlich nicht im geometrischen Rotationszentrum der Galaxienscheibe, sondern ist gegenüber diesem merklich versetzt. Dieser Versatz erzeugt eine gravitative Unwucht, durch die das umliegende molekulare Gas kontinuierlich an Drehimpuls verliert und zunehmend ungebremst nach innen fällt – wo es in enormen Mengen auf das zentrale supermassive Schwarze Loch akkretiert. In der daraus resultierenden Akkretionsscheibe wird das Material durch Reibung und Scherkräfte auf Millionen von Kelvin erhitzt und strahlt über das gesamte elektromagnetische Spektrum. Der Seyfert-Kern ist dabei so leuchtstark, dass er selbst im sichtbaren Licht als punktförmige, extrem helle Quelle inmitten des Galaxienkerns erscheint.
Doch ein falsch platziertes Herz hat seinen Preis.

Langfristig können die energiereichen Ausflüsse und die intensive Strahlung eines solchen AGN die Sternentstehung in der Wirtsgalaxie regelrecht unterdrücken – ein Prozess, den Astronomen als Quenching bezeichnen. Am Ende dieses Weges steht eine Galaxie, die keine neuen Sterne mehr bildet, deren Licht nur noch von alten, roten Riesensternen dominiert wird: red and dead. Was die Galaxie antreibt, hemmt sie damit zugleich – ein kosmisches Herzproblem im wahrsten Sinne.

Ein weiteres, auf den ersten Blick unsichtbares Highlight von NGC 5033 offenbart sich erst in der Radioastronomie. Die Analyse der sogenannten Spin-Flip-Emission – der charakteristischen 21-cm-Linie des neutralen Wasserstoff – enthüllt eine gigantische Gasstruktur weit außerhalb der sichtbaren Galaxienscheibe. Besonders südlich von NGC 5033 (links im Bild) ragen ausgedehnte intergalaktische Gaswolken weit ins All hinaus, die sich in Richtung der benachbarten Zwerggalaxien UGC 8303 (Holmberg VIII) und UGC 8314 erstrecken – stille Zeugen einer bewegten Geschichte, die im optischen Licht vollständig verborgen bleibt.

Die Aufnahme entstand über mehrere Wochen im März. Ziel der Aufnahme ist ein fotografischer Nachweis extrem Lichtschwacher Objekte wie dem kaum ausgeprägten Arm südlich von NGC 5033, mögliche Spuren von IFN und Gezeitenkräften. Von den geplanten 100 Stunden Belichtungszeit wurden bereits 45 Stunden erfolgreich gesammelt, wobei in dieser Version nur die ersten 30 Stunden eingeflossen sind.

NGC 5033 und ihre Umgebung sind Teil eines Projekts, weniger bekannte Himmelsregionen mit mehr Tiefe und größerer Übersicht abzubilden, um feine, bislang kaum dokumentierte Strukturen sichtbar zu machen.

Daten zum Bild

ObjektNGC 5033
OrtWolfratshausen
Zeitpunkt 01.03.2026 00:00 MEZ
KameraZWO ASI 2600MC DUO
Teleskop/Objektiv Skywatcher 150/750 PDS
Montierung Skywatcher EQ5
Belichtungszeit369 x 300 Sekunden = 30 Stunden, 45 Minuten
NachbearbeitungSiril, GraXpert, Gimp 3
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