Leserbilder Astronomie: Das aktive Herz von Messier 106
Jede neue Generation an Teleskopen bedeutet einen Quantensprung, neue Entdeckungen, neue Antworten auf Fragen, die wir zu Beginn gar nicht stellen konnten. Unbekanntes Terrain. Hatte uns das Galileo Teleskop die Monde des Jupiters gezeigt, erkannten wir durch das 2,5 Meter Hooker Teleskop auf dem Mount Wilson das Galaxien eigene Welteninseln sind, losgelöst von unserer Milchstraße und unglaublich weit entfernt. Das 5 Meter Hale Teleskop auf dem Mount Palomar zeigte uns Mitte der 1960er-Jahre geheimnisvolle blaue Sterne, die auch im Radiolicht leuchteten. Es stellte sich heraus das es keine Sterne waren, sondern die Zentren von Milliarden Lichtjahren entfernten Galaxien. Extrem massereiche Schwarze Löcher die mit Gas gefüttert wurden – quasistellare Objekte, Quasare!
Und nun stellt das James Webb Weltraumteleskop die Forschergemeinde vor ein neues, großes Rätsel, denn mit ihm wurden geheimnisvolle rote Punkte vom Anbeginn der Zeit überall am Himmel entdeckt. Eine deutsche Forschergemeinde vom Max Plank Institut für Astronomie vermutet dahinter sogenannte Schwarz-Loch-Sterne. Der Beginn des Wachstums von massereichen Schwarzen Löchern mit Millionen von Sonnenmassen. Sie sollten die Saatkerne von Galaxien sein. Beinahe jede große Galaxie besitzt ein solches in ihrem Zentrum.
Nur strahlen die meisten Galaxienkerne in unserer Nachbarschaft nicht mehr, sie verschlingen keine Materie und strahlen vom Radio- bis zum Röntgenspektrum kein Licht mehr ab. Aber es gibt eine Ausnahme. Die Balkenspiralgalaxie Messier 106 (M 106 oder NGC 4258) im Sternbild Jagdhunde. Wenn man sie fotografiert erscheint innerhalb von Sekunden ein heller Kern im Zentrum. Ein Hinweis auf ein aktives extrem massereiches Schwarzes Loch. In M 106 hat es etwa 39 Millionen Sonnenmassen! Das Zentrum erstrahlt hell, weil einströmendes Gas auf Millionen Grad erhitzt wird und dabei hochenergetische Strahlung erzeugt wird. Diese wird dann stark gebündelt ausgestossen, ähnlich einem Laser, nur im Mikrowellenbereich. M 106 wird deshalb auch als Megamaser-Galaxie bezeichnet. Schon seit den 1950er-Jahren ist sie als Radiogalaxie bekannt, sie leuchtet also hell im Radiobereich. Die Galaxie hat einen geschätzten Durchmesser von rund 150 000 Lichtjahren und ist zwischen 22 und 25 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt.
Die Galaxie durchläuft eine sogenannte Starburst-Phase, eine Zeit extrem hoher Sternenentstehung, wie man an den blauen äußeren Spiralarmen sehen kann. Eine weitere Besonderheit besitzt diese Galaxie noch: Neben den beiden sichtbaren Spiralarmen besitzt sie noch zwei zusätzliche – gebildet durch heißes Gas, vermutlich auch durch die Aktivität des Schwarzen Lochs. Aufgrund des aktiven Zentrums und unserem Blickwinkel wird die Galaxie auch als Typ-2-Seyfert-Galaxie bezeichnet. Auch unsere Heimat, unsere Milchstraße, besitzt in seinem Zentrum ein extrem massereiches Schwarzes Loch, wenn auch wesentlich kleiner als in M 106.
Daten zum Bild
| Objekt | Messier 106 |
| Ort | Feldbach |
| Zeitpunkt | 19.03.2026 23:00 MEZ |
| Kamera | ASI2600MC |
| Teleskop/Objektiv | C11 |
| Montierung | Skywatcher EQ8 |
| Belichtungszeit | 193 x 2 Minuten |
| Nachbearbeitung | Pixinsight Lightroom |
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