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Gute Frage: Können wir bei Hitze schlechter denken?

Hohe Temperaturen fordern nicht nur Herz und Kreislauf. Auch das Gehirn reagiert sensibel. Unser Autor empfiehlt die gute alte Siesta.
Eine Person liegt entspannt auf einer Gartenliege im Freien. Sie trägt ein Hemd mit blauem Blattmuster und helle Shorts. Eine Zeitung bedeckt ihr Gesicht, während sie sich im Schatten eines Gartens mit üppigem Grün ausruht. Im Hintergrund ist ein Holzzaun zu sehen.
Der tradionelle spanische Mittagsschlaf sollte langsam auch in nördlicheren Breiten ankommen.

Unser Gehirn ist ein Wunderwerk der Natur. Milliarden von Nervenzellen und Billionen von Synapsen erlauben es uns Menschen, intellektuelle Höchstleistungen zu vollbringen, zu denen keine andere Spezies auf der Erde fähig ist. Doch damit unser Denkorgan sein volles Potenzial entfalten kann, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Bei Stress, Lärm und Schlafmangel denken wir schlechter. Vor allem im Hochsommer ein Thema: Hitze.

Bei über 27 Grad im Schatten bekommen Schülerinnen und Schüler der 1. bis 9. Klasse in vielen Bundesländern hitzefrei. Die Temperaturen würden ihr gesundheitliches Wohlbefinden und ihre Konzentrationsfähigkeit massiv beeinträchtigen, lautet die Begründung. Dass hohe Temperaturen dem Körper zusetzen können, steht außer Frage: Es drohen Sonnenstich, Dehydrierung und Hitzschlag. Aber schwindet an heißen Tagen wirklich auch der Fokus?

Seit mehr als 20 Jahren erforsche ich das menschliche Gehirn. Was mich immer wieder überrascht: wie stark es auf Umwelteinflüsse reagiert. Und dazu zählt auch Hitze. Wohl jeder hat schon einmal erlebt, wie schwer es fällt, bei Fieber einen klaren Gedanken zu fassen. Die durchschnittliche Körperkerntemperatur von Menschen liegt bei rund 36,6 bis 37,5 Grad Celsius. Die Betriebstemperatur des Gehirns ist im Schnitt etwas höher und schwankt je nach Hirnregion.

Interessant ist, dass schon deutlich geringere Umgebungstemperaturen dem Gehirn zusetzen. Am besten arbeitet es bei unter 23 Grad Celsius. Je wärmer es draußen wird, desto schwerer fällt das Denken. Bei 40 bis 50 Grad sind Aufmerksamkeit und Entscheidungsfähigkeit bereits deutlich beeinträchtigt, folgert ein Team um die Psychologin Catherine Thompson von der britischen Liverpool Hope University in einem Überblicksartikel von 2024. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis geben die Autoren zu bedenken, dass Feuerwehrleute extremen Temperaturen von über 200 Grad Celsius ausgesetzt sind und unter hohem Zeitdruck folgenschwere Entscheidungen treffen müssen.

Bei Hitze fällt das Lernen schwerer

Anhand einer Stichprobe von 14,5 Millionen Schülern und Studenten aus 61 Ländern kamen Konstantina Vasilakopoulou und Matthaios Santamouris 2025 zu dem Schluss, dass wir bei Hitze außerdem schlechter lernen können. Dabei waren allerdings nicht alle Funktionen des Gehirns gleich stark betroffen. Insbesondere komplexe mathematische Berechnungen fielen den Teilnehmenden schwerer als sonst. Beim Lesen hatten sie weniger Probleme.

Hitze kann dem Gehirn auch auf indirektem Weg Probleme bereiten. Unser Körper verliert jeden Tag rund zwei Liter Wasser, etwa über die Atemluft und wenn wir schwitzen. Während einer Hitzewelle steigt der Verlust deutlich. Wer dann nicht genug trinkt, dehydriert. In einer Längsschnittstudie mit Erwachsenen mittleren und höheren Alters zeigte ein Team der Pennsylvania State University, dass dehydrierte Personen ihre Aufmerksamkeit schlechter aufrechterhalten konnten als Versuchspersonen, die ausreichend getrunken hatten. Die Forschenden hatten die Teilnehmenden gebeten, sich 14 Minuten lang ununterbrochen auf einen Bildschirm zu konzentrieren und bei bestimmten Buchstabenkombinationen so schnell wie möglich zu reagieren.

Was also tun, wenn Sie merken, dass Ihnen die Hitze aufs Hirn schlägt? Ganz wichtig: die pralle Sonne meiden und genug trinken, am besten mehrere Liter pro Tag – aber nicht nur Leitungswasser, sondern auch mal Mineralwasser, Saftschorlen oder eine Gemüsebrühe. Bei akutem Flüssigkeitsmangel helfen solche Getränke am besten, den durch Schwitzen verlorenen Elektrolythaushalt wiederaufzufüllen. Hilfreich kann es außerdem sein, den Kopf zu kühlen, etwa mit einem feuchten Tuch.

Und wenn all das nicht reicht, ist der beste Weg vielleicht eine alte spanische Tradition: die Siesta! Einfach die besonders heiße Mittagszeit für ein Schläfchen nutzen und in den Abendstunden weiterarbeiten, wenn es etwas abgekühlt ist.

  • Quellen

Rosinger, A. Y. et al., American Journal of Human Biology 10.1002/ajhb.24051, 2024

Vasilakopoulou, K., Santamouris, M., PLOS Climate 10.1371/journal.pclm.0000618, 2025

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