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Können Wespen betrunken werden, wenn sie in ein Bierglas stürzen?

Es ist Sommer, und viele sitzen gerne bei Bier und Grillwürstchen im Garten - Leckerbissen, an denen auch manche Plagegeister teilhaben wollen: Wespen zum Beispiel. Nicht lange dauert es, da liegen schon die ersten Insekten im Glas und paddeln durch den Schaum. Dabei ist der Alkohol gar nicht ihr Ziel.

Wespen sind Fleischfresser, und die beiden Wespenarten, die uns am meisten stören, leben von Aas. "Wenn wir Bier trinken, essen wir meist auch etwas", betont Werner Mühlen, Referent für Bienenkunde an der Landwirtschaftskammer NRW. Das lernen Wespen und fliegen gezielt Wirtschaften an. "Bei der Suche nach Fleisch finden sie das Bier und fallen hinein, denn gärende Produkte ziehen sie an."

Beim Bier interessieren sich die Wespen jedenfalls mehr für die Hefen als für den Alkohol, und da der Magen eines solchen Insekts nur 50 Mikroliter Flüssigkeit aufnehmen kann, bezweifelt Mühlen, dass die Tiere davon betrunken werden können. Da bräuchte es schon Stärkeres als Bier – etwa reinen Alkohol.

So haben Wissenschaftler der Ohio State University in Columbus Bienen nur noch Ethanol als Nahrung gegeben, um die Auswirkungen von exzessivem Alkoholkonsum zu untersuchen. Irgendwann blieben die armen Tiere auf dem Rücken liegen und konnten sich gar nicht mehr bewegen. Über langfristige Alkoholgaben testen die Forscher, wie sich die Gene und Proteine der Bienen ändern. Da diese Insekten sehr soziale Tiere sind, sollen die betrunkenen Bienen sogar ein Modell für die sozialen Auswirkungen des Alkoholkonsums sein.

Mit nicht ganz reinen, aber dennoch hochprozentigen Mitteln schafft es eine Orchideenart (Gongora maculata), Bienen anzuheitern. Sie bietet ihnen im oberen Teil der Blüte einen alkoholhaltigen Nektar an, von dem die Insekten sofort betrunken werden. Berauscht fallen sie in den unteren Teil der Blüte, torkeln umher, wälzen sich auf dem Rücken und nehmen dabei ausgiebig Pollen auf, die sie dann zur nächsten Blüte bringen.

Über die Auswirkungen von Alkohol – speziell bei Bienen – forscht auch Jürgen Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg: "Das äußert sich ganz vielfältig, bis hin zu Orientierungsproblemen. Auch die Koordination der Bewegungen – Gehen und Fliegen – wird beeinträchtigt, ganz wie beim Menschen." Die körperlichen Voraussetzungen zu einem Leben als Schnapsnase hätten Bienen jedenfalls: "Bienen vertragen größere Alkoholmengen pro Körpergewicht als wir Menschen, bevor Effekte erkennbar werden."

Obwohl Bienen Alkohol also nicht unbedingt verschmähen, zieht Bier sie nicht an. Sie haben da ganz eingeschränkte Präferenzen und wollen ausschließlich Pollen und Nektar. "Dass wir Bienen im Bierglas sehen, ist ein Missverständnis", sagt Mühlen. Es gibt nur eine Ausnahme: "Sie müssen schon fast verhungert sein, dann geht ihre Reizschwelle zurück, und sie fliegen ganz selten auch so etwas wie Cola an."

Bei Taufliegen haben Forscher der Universität Würzburg sogar schon ein Alkoholtoleranz-Gen gefunden. Dieses gilt als Schlüsselfaktor für die Entstehung einer Suchtkrankheit. So genügt bereits ein einziger Kontakt mit Alkohol, und die Tiere verkraften einen zweiten Rausch besser als Kontrollinsekten, denen man dieses Gen nahm.

Insekten können also sehr wohl betrunken werden. Allerdings nicht von einem Schlückchen Bier.

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