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Macht Kaffee wach?

Manche mögen ihn mit viel Milch oder etwas Zucker, andere lieben ihn extra stark: Der Kaffee ist in Deutschland längst zum Volksgetränk aufgestiegen - und aus den Büros nicht mehr wegzudenken. Vor allem Kopfarbeiter schwören auf seine anregende Wirkung als legales Dopingmittel im Arbeitsalltag. Zu Recht?
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Der heiße Morgenkaffee ist in Deutschlands Küchen ein geliebtes Ritual: Die einen erwärmen sich am Frühstückstisch an seinem aromatischen Geschmack, die anderen trinken ihn rasch im Stehen – schon unter Spannung, weil die Arbeit ruft. Doch Zeit für eine Tasse Kaffee nehmen sich alle. Das Getränk ist ein Stück Lebensqualität – und zugleich ein letztes Krafttanken für die bevorstehenden Aufgaben des Tages.

Viele Menschen schwören vor allem auf den Wachmacher-Effekt des Kaffees: Er verleiht ihnen einen kräftigen Schub, der sie gut durch den Tag bringt und ihre Leistungsfähigkeit erhöht. Verzichten sie dagegen auf ihren allmorgendlichen Genuss, klagen sie oft über eine behäbige Schwerfälligkeit. Alles nur kalter Kaffee?

Die Liebhaber des warmen Bohnengetränks vertrauen vor allem der wundersamen Wirkung seines Koffeins, das im Gehirn besonders anregend wirken soll. Tatsächlich dockt dieses Alkaloid an die Rezeptoren von Nervenzellen im Gehirn an, wo es nur langsam abgebaut wird – und damit all jene Plätze blockiert, die eigentlich für das Molekül Adenosin reserviert sind. Adenosin hemmt die Neurone, indem es die Ausschüttung belebender Botenstoffe unterbindet. Sind seine Andockstellen aber bereits durch Koffein besetzt, kann es seine einschläfernde Wirkung nicht mehr entfalten.

Seine stimulierende Wirkung auf das Nerven- und Blutgefäßsystem entfaltet das Alkaloid bereits nach einer halben Stunde. Allerdings gewöhnt sich der Körper allmählich an Koffein. Die Neurone bilden zusätzliche Rezeptoren aus, an denen dann auch Adenosin seinen Platz findet. Den größten Effekt verleiht der Kaffee deshalb vor allem bei gelegentlichem Genuss. Doch auch regelmäßige Kaffeetrinker können noch vom Koffein profitieren – wenngleich die Stimulanz geringer ausfällt.

Trotzdem verdanken wir den allmorgendlichen Wachmacher-Effekt weniger dem anregenden Alkaloid als vielmehr der Linderung leichter Entzugserscheinungen, die sich über Nacht entwickelt haben. Denn lässt die Wirkung des Koffeins nach, bildet sich verstärkt Adenosin, durch das sich Kaffeetrinker noch viel matter fühlen als vor dem Genuss.

Ein Umstieg auf Tee ist für sie jedoch auch keine Alternative: Er enthält weniger Koffein als Kaffee, das zudem nicht so effizient vom Körper aufgenommen wird. Neue Studienergebnisse deuten sogar darauf hin, dass das im Tee enthaltene Theanin die Wirkung des Koffeins reduziert.

27.10.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27.10.2007

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