Phubbing: Macht das Smartphone Beziehungen kaputt?

Als der US-amerikanische Ingenieur Martin Cooper 1973 in New York das erste Handytelefonat führte, ahnte niemand, wie stark Mobiltelefone unser Leben verändern würden. Rund zehn Jahre später kamen die ersten Handys nach Deutschland, damals noch mehrere Tausend D-Mark teuer. Heute besitzt fast jeder Deutsche ein Smartphone. Damit können wir mit nahezu jedem und fast überall kommunizieren – und uns spontan zu einem Date oder zum Kaffee verabreden.
Handys verbinden Menschen im Alltag miteinander. Zu diesem Schluss kam der US-amerikanische Kommunikationswissenschaftler Richard Ling nach Jahrzehnten der Mobiltelefon-Forschung. Familienmitglieder können in Kontakt bleiben, auch wenn sie weit voneinander entfernt leben. Nach einer Party schickt man einer Freundin ein »Bin gut zu Hause angekommen« – oder fragt »Alles klar bei dir?«, wenn man länger nichts voneinander gehört hat. In Fernbeziehungen lassen sich Schnappschüsse aus dem Leben teilen, etwa mit einer Nachricht wie: »Schau mal, was ich gerade zum Abendessen koche!«
Doch Smartphones können Beziehungen auch belasten. Eine Studie eines Teams um die Psychologin Sara Thomée von der Universität Göteborg mit mehr als 4000 jungen Erwachsenen zeigte: Wer sich ständig erreichbar fühlte, berichtete häufiger von depressiven Stimmungen und Schlafproblemen. Entscheidend war dabei weniger die tatsächliche Zahl der Nachrichten als das Gefühl, jederzeit für Freunde oder Familie verfügbar sein zu müssen.
Dem Kommunikationsforscher Thomas Döbler von der Hochschule Macromedia in Stuttgart zufolge ist Kommunikation durch Mobiltelefone unverbindlicher geworden. Treffen lassen sich kurzfristig absagen, und aus Gesprächen kann man sich leicht ausklinken. Und bei der Partnersuche über Dating-Apps ist »Ghosting« verbreitet: Eine Person bricht den Kontakt plötzlich ab, indem sie auf Nachrichten nicht mehr reagiert.
Phubbing: Wenn das Smartphone wichtiger ist
Bekommt das Smartphone während eines Gesprächs mehr Aufmerksamkeit als das Gegenüber, spricht man von »Phubbing«, ein Begriff aus den englischen Wörtern »phone« (Telefon) und »snubbing« (jemanden vor den Kopf stoßen). Doch nicht jedes Handy in der Hand ist gleich Phubbing. Nimmt man während einer Unterhaltung kurz einen Anruf an oder bezieht Dritte per Videocall in die Konversation ein, fällt das nicht darunter. Gemeint sind Situationen, in denen sich jemand lieber mit dem Smartphone beschäftigt als mit der Person, mit der er oder sie gerade zusammen ist – was diese dann als Zurückweisung erlebt.
Phubbing ist inzwischen gut erforscht. In einem Experiment versetzten die Psychologen Varoth Chotpitayasunondh und Karen Douglas 128 Personen mit einer 3D-Animation in eine Gesprächssituation, in der ihr Gegenüber sich entweder gar nicht, moderat oder intensiv mit seinem Handy beschäftigte. Ergebnis: Je stärker sich die Teilnehmenden ignoriert fühlten, desto schlechter bewerteten sie anschließend die Qualität der Kommunikation und desto unzufriedener waren sie mit der Beziehung.
Schon ein Smartphone, das nur auf dem Tisch liegt, kann Gespräche negativ beeinflussen, wie ein Team um die Kommunikationsforscherin Shalini Misra von der Virginia Tech University feststellte. Die Forschenden beobachteten 100 Gespräche zwischen zwei Personen in Cafés und achteten darauf, ob ein Handy sichtbar war. War das nicht der Fall, bewerteten die Beteiligten den Austausch anschließend im Schnitt als positiver. Sie fühlten sich besser verstanden und hatten eher den Eindruck, dass Interesse an ihren Gedanken und Gefühlen bestand.
Wie sich Phubbing langfristig auswirkt, ist noch nicht gut untersucht. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 deutet jedoch darauf hin, dass häufiges Phubbing romantischen Beziehungen schadet. Partnerinnen oder Partner empfanden Phubbing als Zurückweisung, die nach und nach das Vertrauen untergrub. Die emotionale Verbindung litt darunter, Konflikte und Eifersucht nahmen zu. Im schlimmsten Fall können Smartphones Beziehungen also tatsächlich zerstören.
Unterm Strich haben Mobiltelefone aber sowohl positive als auch negative Effekte. Entscheidend ist die Art und Weise, wie wir sie in unseren Beziehungen nutzen.
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