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Riecht Metall?

Kennen Sie ihn auch, diesen eigenartigen "metallischen" Geruch, wenn Sie ein Stück Eisen anfassen? Aber können Metalle einen Duft verströmen? Was riecht denn da?
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"Pecunia non olet!" – "Geld stinkt nicht!" An diesem überlieferten Ausspruch des römischen Kaisers Vespasian (9-79), der nicht davor zurückschreckte, die Latrinen des Reichs als ergiebige Steuerquelle zu nutzen, könnte etwas dran sein. Denn was soll an einer Geldmünze auch stinken? Sie besteht schließlich aus einem nicht flüchtigen Feststoff, der nur schwer seinen Weg in die Nase finden kann.

Und dennoch! Irgendetwas an einem Stück Eisen riecht "metallisch", manche empfinden es eher als "muffig". Und Gusseisen oder Stahl scheint sogar einen knoblauchartigen Duft zu verströmen. Riecht Metall?

Nein, lautet die schlichte Antwort. "Dass wir Metall an sich riechen, ist eine Illusion", betont Dietmar Glindemann. Zusammen mit Kollegen vom Virginia Polytechnic Institute und der Universität Leipzig spürte der Chemiker das Geheimnis des Metallgeruchs auf. Wie die Forscher herausfanden, besteht die metallische Duftnote aus nichts anderem als – zersetztem Schweiß.

Ein leicht saurer Fettfilm überzieht unsere Haut, wobei manche dieser Fette durch UV-Licht zu Lipidperoxiden oxidiert werden. Zweifach positiv geladene Eisenionen (Fe2+) aus Metallgegenständen können nun diese Lipidperoxide in ein ganzes Bukett von leicht flüchtigen Duftstoffen verwandeln, die unter dem Namen Karbonylverbindungen firmieren. Eine davon, das Kohlenwasserstoffmolekül 1-Octen-3-on, riecht selbst in geringsten Konzentrationen typisch metallisch.

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Geld stinkt nicht | "Geld stinkt nicht", wusste schon der römische Kaiser Vespasian. Und er hatte Recht: Nicht das Metall der Münze riecht, sondern der eigene Körperschweiß.

Bei der Zersetzung der Lipidperoxide korrodiert wiederum Fe2+ zu Fe3+. Deshalb bewirkt nur das zweiwertige Eisenion den typischen Geruch – sein dreiwertiger Bruder Fe3+ auf der Haut riecht nach nichts.

Und der Knoblauchduft von Stahl? Organophosphine heißen hier die Schuldigen. Gusseisen und Stahl enthalten Kohlenstoff und Phosphor. Wenn das Metall durch die Säure des Schweißes aufgelöst wird, können daher Kohlenwasserstoffe und Phosphin (PH3) entstehen, die sich wiederum zu Organophosphinen verbinden. Zwei davon, Methylphosphin und Dimethylphosphin, erzeugen dann die liebliche Knoblauchfahne.

Dass der Mensch Eisen riechen kann, dürfte übrigens kein Zufall sein. Schließlich enthält auch Hämoglobin, das Sauerstofftransportmolekül des Bluts, das Schwermetall. Deshalb laufen die gleichen chemischen Prozesse ab, wenn der Lebenssaft mit der Haut in Kontakt kommt. Und ein feiner Spürsinn für frisches Blut könnte für unsere Vorfahren überlebenswichtig gewesen sein.

27.01.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27.01.2007

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