Gute Frage: Helfen Hintergrundgeräusche beim Schlafen?

Erholsamer Schlaf ist wesentlich für unsere Gesundheit. Damit wir lange genug und ungestört schlafen können, sollte es im Schlafzimmer dunkel, kühl und ruhig sein. Besonders störend wirken vereinzelt auftretende Geräusche von Flugzeugen oder vorbeifahrenden Autos, Motorrädern oder Zügen. Seit mehr als 25 Jahren erforsche ich, wie Verkehrslärm Schlafstörungen verursacht.
Umso mehr überraschte mich, dass viele Menschen sich absichtlich beschallen lassen, um besser ein- und durchzuschlafen. Besonders beliebt: Breitbandgeräusche wie »weißes«, »pinkes« oder »braunes« Rauschen, das alle hörbaren Frequenzen in unterschiedlicher Gewichtung enthält. Manche YouTube-Videos mit weißem Rauschen, das so ähnlich klingt wie ein Radio ohne Empfang, wurden mehr als 600 Millionen Mal abgespielt. Sollte es etwa möglich sein, Lärm mit Lärm zu bekämpfen?
Einiges spricht dafür: Das monotone Rauschen kann dröhnende Lastwagen oder quietschende Straßenbahnen überdecken. Fachleute sprechen von Maskierung. Auf manche Menschen könnte das Rauschen beruhigend wirken, ähnlich wie ein Wiegenlied. Mit der Zeit wird es womöglich Teil eines Einschlafrituals. Sobald es rauscht, weiß der Körper: Jetzt ist Schlafenszeit!
Wir wissen nicht, wie gut wir geschlafen haben
Andererseits könnten die Geräusche selbst den Schlaf stören oder wichtige Signale überdecken – etwa einen Rauchmelder oder das Weinen eines Babys. Zudem besteht die Gefahr, dass die nächtliche Beschallung über Kopfhörer oder Lautsprecher langfristig das Gehör oder die Verarbeitung von Klängen beeinträchtigt.
Weil sowohl Vorteile als auch Risiken möglich schienen, sichteten wir 2021 alle bisherigen Studien zu dem Thema. Mein Team und ich fanden 38 Arbeiten zum Einfluss von weißem Rauschen und ähnlichen Breitbandgeräuschen auf den Schlaf. Die meisten Studien hatten jedoch kleine Teilnehmerzahlen und stützten sich nur auf Fragebögen. Das ist problematisch, denn wir können unseren eigenen Schlaf kaum zuverlässig beurteilen – wir verschlafen ihn schließlich buchstäblich.
Unser Fazit lautete daher: Die Datenlage reicht bislang nicht aus, um sicher sagen zu können, ob Rauschen den Schlaf nun fördert oder stört. Eine eigene Studie musste also her!
Gesagt, getan. Unsere 25 gesunden Freiwilligen verbrachten sieben aufeinanderfolgende Nächte im Schlaflabor, wo wir ihre Schlafphasen aufzeichneten. Eine Nacht verlief ruhig, in den anderen waren sie entweder Verkehrslärm, rosa Rauschen oder einer Kombination von beidem ausgesetzt.
Rauschen stört den Traumschlaf
Die Ergebnisse: Verkehrslärm allein verkürzte den Tiefschlaf, das Rauschen den Traumschlaf. Traten beide Geräusche zusammen auf, war der Tiefschlaf zwar etwas länger als bei reinem Verkehrslärm und die Teilnehmenden wachten seltener durch Verkehrsgeräusche auf. Doch unterm Strich schliefen sie schlechter als in allen anderen Nächten: Sie lagen länger wach und dösten häufiger nur, statt in Tief- oder Traumschlaf zu fallen. Was passiert, wenn man über lange Zeit mit Rauschen schläft, ist noch unklar.
Dass rosa Rauschen den Traumschlaf verkürzt, gibt jedoch zu denken. Die Schlafphase gilt als wichtig, um Erinnerungen zu festigen und Emotionen zu regulieren. Neugeborene verbringen deutlich mehr Zeit im Traumschlaf als ältere Kinder oder Erwachsene – ein Hinweis darauf, dass er bedeutsam für die frühe Entwicklung ist. Der in Elternforen verbreitete Rat, Babys mit Rauschen einschlafen zu lassen, ist daher zumindest kritisch zu betrachten.
Was also tun, bis es mehr Studien gibt? Mein Rat: Wer auf Rauschen oder andere Beschallung nicht verzichten will, sollte die Lautstärke so gering wie möglich halten. Sollen es nur beim Einschlafen helfen, ist eine Zeitschaltuhr praktisch, die sie nach einiger Zeit abschaltet. In einer Verkehrslärmnacht trugen unsere Versuchspersonen übrigens Ohrstöpsel. Diese schützten den Schlaf so gut, dass dieser sich nicht von der ruhigen Kontrollnacht unterschied. Ohrstöpsel stellen somit eine lärmfreie Alternative zum Rauschen dar.
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