Direkt zum Inhalt

Leser fragen – Experten antworten: Wie kann man einen Pulsarplaneten vermessen?

Wie ist es möglich, über einen Planeten, der einen Pulsar umrundet, Informationen über dessen Eigenschaften zu erhalten?
Drei Personen in Business-Kleidung stehen in einem Büro vor einem großen Fenster und unterhalten sich. Die Silhouetten sind vor einem klaren, blauen Himmel sichtbar. Im Hintergrund ist eine Stadtlandschaft zu erkennen. Die Szene vermittelt eine professionelle, geschäftliche Atmosphäre.

In SuW 4/2026, S. 15, wird die Entdeckung eines Planeten beschrieben, der grob die Masse und Größe unseres Jupiters besitzt und einen Pulsar, also einen Neutronenstern, umkreist. Der SuW-Kurzbericht sagt, dass dieses Paar eine große Überraschung für die beteiligten Wissenschaftler sei, und sie so etwas eigentlich für physikalisch unmöglich halten.

Für mich war der Artikel auf ganz andere Art eine Überraschung: Ich dachte immer, die Spektroskopie an Exoplanetenatmosphären funktioniert nur durch Vergleich der Spektren des ungestörten Zentralsterns mit Spektren, die zum Zeitpunkt des Transits des Exoplaneten erfasst werden.

Deshalb zwei Fragen: Wie sehen solche Transits in diesem Fall überhaupt aus? Und was ist im Sichtbereich von Hubble und James Webb, also im Ultravioletten, Visuellen und Infraroten, als Spektrum von einem Pulsar zu sehen?

Carl-Albrecht Schiller, Bad Staffelstein

Von dem Pulsar ist für die Weltraumteleskope Hubble und James Webb gar nichts zu sehen. Trotz seiner enormen Oberflächentemperatur ist aufgrund seiner Winzigkeit keinerlei Strahlung im UV- bis IR-Bereich von ihm nachweisbar. Das ist bei fast allen Pulsaren (Neutronensternen) so. Man kennt die meisten nur von ihrer gepulsten, magnetisch erzeugten Radiostrahlung, seltener von Röntgen- und Gammastrahlung. In unserem Fall rotiert der Pulsar fast 300-mal pro Sekunde und blitzt im Radiobereich in diesem Takt jeweils kurz auf.

Das Einzige, was man von diesem System sieht, ist der Planet selbst! Und den kann man deshalb prima und ungestört ganz direkt beobachten und vermessen. Er läuft in knapp acht Stunden auf einer perfekt kreisförmigen Bahn in weniger als zwei Millionen Kilometern Abstand um den Pulsar und zeigt diesem stets dieselbe Seite, rotiert also synchron mit seinem Umlauf. Er wird vom nahen Pulsar auf 700 Grad Celsius (1000 Kelvin, »Nachtseite«) bis 1900 Grad Celsius (2200 Kelvin, »Tagseite«) aufgeheizt und ist folglich – und weil er mit 2000 Lichtjahren nicht allzuweit von uns entfernt ist – im infraroten Wellenlängenbereich für James Webb angenehm hell. Man kann deshalb sowohl detaillierte Spektren als auch präzise Helligkeitsmessungen gewinnen (siehe Abbildung unten).

Es gibt übrigens in diesem Fall keine Transits, das heisßt keine gegenseitigen Vorübergänge und Bedeckungen der beiden Partner, weil die Neigung der Umlaufbahn gegenüber unserer Blickrichtung nicht nahe 90 Grad, sondern bei nur etwa 30 Grad liegt. Wir schauen also nicht genau von der Seite, sondern von schräg oben auf die Bahn. Und selbst wenn es Transits gäbe, hätten sie keinerlei optischen Effekt: Der Pulsar ist bloß ein paar Kilometer groß, der Planet dagegen über 100 000 Kilometer. Lediglich im Radiobereich würde der Pulsar bei jedem Umlauf für eine gewisse Zeit unsichtbar.

Helligkeitsverlauf des Pulsarplaneten | Mit dem James-Webb-Teleskop wurde der Begleiter des Neutronensterns in zwei infraroten Wellenlängenbereichen während eines Umlaufs um den Pulsar beobachtet. Durch tiefgehende Untersuchungen und Modellierungen dieser Verläufe und des Spektrums konnte das internationale Forscherteam um Michael Zhang sehr viel über den Planeten herausfinden: sowohl seine Masse, Größe und Umlaufbahn als auch die chemische Zusammensetzung und die Temperaturverteilung im Bereich der sichtbaren Oberfläche. Letztere sowie die Deformation des Planeten durch das Schwerefeld des Pulsars sind in den Zeichnungen im unteren Bereich illustriert. Die Temperaturskala darüber besagt, dass es sich hierbei nicht um künstlerische Darstellungen, sondern um quantitativ korrekte Repräsentationen der Auswerteergebnisse handelt. Die durch die Messpunkte gelegten Kurven zeigen, dass die theoretische Interpretation des Systems hervorragend zu den Messungen passt. Die erwähnte Bahnneigung führt dazu, dass ganz links und ganz rechts ein Teil der Tagseite und in der Mitte ein Teil der Nachtseite des Planeten von uns aus zu sehen sind. Die im Aprilheft 2026 genannten westlichen Winde zeigen sich in der leichten Verschiebung der Maxima in den Lichtkurven gegenüber den Symmetriepunkten des Bahnumlaufs (0,0 und 0,5 auf der Zeitachse).

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.