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Wie können Wasserläufer übers Wasser laufen?

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als bildeten sie eine harmonische Einheit: Wenn Wasserläufer mit ihren spindeldürren Beinen über das Wasser flitzen, sind sie ganz und gar in ihrem Element. Doch oberflächlich betrachtet findet das kühle Nass seine mit den Wanzen verwandten Bewohner wohl ziemlich abstoßend.

Unter den Wasserläufern gelten X-Beine nicht als Makel, sondern als überlebensnotwendige Anatomie des Körpers. Die Hinterbeine liegen in maximalem Abstand zueinander auf der Wasseroberfläche und sorgen so dafür, dass das Gewicht des räuberischen Insekts von der Oberflächenspannung getragen werden kann. Doch warum ist die Oberfläche des Wassers eigentlich so angespannt? Während im Inneren einer Flüssigkeit jedes Molekül ein Nachbarmolekül hat und sich so die Kohäsionskräfte zwischen den einzelnen Teilchen gegenseitig aufheben, sind die Nachbarschaftsbeziehungen an der Grenze zwischen Wasser und Luft einseitig. An einem Wassertropfen wird dieser Effekt besonders deutlich: Seine runde Form entsteht durch die nach innen gerichteten Kräfte.

Ein Phänomen, das Wasserläufer für sich zu nutzen wissen. Dabei achten die Insekten peinlich genau darauf, dass ihr Körper nicht nass wird – nur Fußgelenke, Knie und Schienbein kommen mit dem Wasser in Kontakt. Beine und Körper sind mit einer silbrigen, Wasser abweisenden Behaarung überzogen und werden häufig geputzt, um sie zusätzlich mit imprägnierendem Fett zu versehen. Zusammen mit der Luft zwischen den Härchen sind die Tiere so optimal gegen das Wasser – und damit vor dem Untergehen – geschützt. Bei der Fortbewegung dienen die Mittelbeine als Ruder, die Hinterbeine werden als Steuer benutzt. Und dabei rudern sie mehr, als dass sie laufen: Die Beine der Insekten erzeugen unterhalb der Wasseroberfläche kleine, hufeisenförmige Wirbel, ein Antrieb, der es ihnen ermöglicht, mit beachtlicher Geschwindigkeit über das Wasser zu schnellen und ihren Opfern nachzustellen.

Als Insekten mit räuberischer Lebensweise dürfen den Wasserläufern natürlich auch Krallen nicht fehlen – ein Risiko, wären diese nicht in einer vor dem eigentlichen Fußende liegenden Bucht verborgen, wo sie nicht Gefahr laufen, die Wasseroberfläche zu durchstoßen. Die Beine dominieren nicht nur das Erscheinungsbild dieser bizarren Tiere, sondern spielen auch beim Aufspüren der Beute eine wichtige Rolle, ist doch zumindest das erste Beinpaar mit hochsensiblen Vibrationsorganen ausgestattet, die von zappelnden Insekten ausgehende Oberflächenwellen registrieren.

Übrigens sind Wasserläufer eigentlich wasserscheu: Bereits bei den ersten Regentropfen suchen sie Schutz am Uferrand.

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