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Wie spülen Weichspüler weich?

Angewidert wendet sich das Schäfchen von dem kratzigen Pullover ab, um sich am Ende des Werbefilms wohlig auf dem jetzt weich gespülten Textil zu räkeln. Warum Weichspüler weich spülen, erklärte uns Rainer Jeschke von der Henkel KGaA.

Zur Beantwortung dieser Frage machen wir uns auf in einen spannenden Bereich: die Übertragung von subjektiv sensorischen Wahrnehmungen in objektive physikalische Messergebnisse und deren Erklärung.

Wir werden uns zunächst damit beschäftigen, was es bedeutet, wenn wir im Zusammenhang mit Textilien von Weichheit sprechen. Wenn wir sagen, dass wir etwas weich finden, drücken wir damit ein subjektives Empfinden aus, das wir durch unseren Tastsinn erfahren. Zur Weichheitsbeurteilung von Textilien benutzen wir zumeist unsere Hände, gegebenenfalls auch unsere Wangen. Dabei vergleichen wir die wahrgenommene Weichheit mit einem gespeicherten Empfinden.

Bereits in den frühen 1970er Jahren hat es Arbeiten gegeben, die menschlichen Tastbewegungen mit Apparaturen nachzuahmen, um die subjektiven Tastempfindungen in exakte physikalische Messgrößen umzusetzen. Insbesondere eine vom bereits verstorbenen Sueo Kawabata von der University of Shiga Prefecture im japanischen Hikone City entwickelte Messapparatur erlaubt eine objektive Griffbeurteilung.

Hierbei zeigt sich, dass die Messung der Schersteifigkeit sehr gut mit der subjektiven Griffbeurteilung korreliert. Bei der Bestimmung der Schersteifigkeit wird die Kraft gemessen, die nötig ist, um einen waagerecht eingespannten Textilstreifen einer parallelen Verschiebung zu unterwerfen.

Wenn wir jetzt für ein bestimmtes Textil die Schersteifigkeiten eines nicht weich gespülten mit der eines weich gespülten Textils vergleichen, so liegen die Werte für ein weich gespültes Textil je nach Grundsteifigkeit des Textils deutlich niedriger als die eines nicht weich gespülten Textils. Je härter die Faserart, desto größer der Effekt.

Daher sind diese Unterschiede bei Baumwolle und Leinen deutlich größer als bei Seide, Polyester oder Wolle. Dies erklärt auch, weshalb man Weichspülmittel besonders für Textilien aus Baumwolle wie beispielsweise Unterwäsche, Handtücher und Bettwäsche verwendet.

Doch wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Bei der Scherbewegung gibt es zwischen den Quer- und Längsfäden, die aneinander vorbeigleiten, mehr oder weniger Reibungswiderstand. Das Weichspülmittel setzt den Reibungswiderstand zwischen den Quer- und Längsfäden herab, und es entsteht sensorisch ein weicheres Griffgefühl.

Und welche Substanzen verleihen nun den Weichspülern diese Eigenschaft? Die Mittel enthalten kationische Tenside. Das sind oberflächenaktive Substanzen, die einen Wasser liebenden – hydrophilen – und einen Wasser abweisenden – hydrophoben – Teil besitzen. Sie ordnen sich an der Grenzfläche von Wasser und Stoff derart an, dass sich ihr hydrophober Teil auf das Textil legt und der hydrophile Teil ins Wasser ragt.

Kationische Tenside besitzen eine positive Ladung. Dies begünstigt zum einen, dass sie eine hohe Neigung haben, sich auf die im Spülbad befindlichen Textilien niederzulassen, weil sie von ihnen angezogen werden; und zum anderen verteilen sie sich gleichmäßig auf der Textiloberfläche, weil sie sich gegenseitig abstoßen.

Der hydrophobe Teil der in Weichspülmitteln eingesetzten Tenside ist heute biologisch gut abbaubar. Zugleich minimieren sie den Reibungswiderstand zwischen den Textilfasern und bedingen somit die Weichheit des Textils. Die Reduktion des Reibungswiderstands zwischen den Fasern wirkt sich auch positiv auf die Knitterbildung der Textilien und auf das Gleitverhalten des Bügeleisens aus.

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