Anfänge des Rundfunks: Die Sprache lernt fliegen

Ohne diese Erfindung hätte es das »Weihnachtskonzert für Schwarzhörer« gar nicht gegeben. Wir schreiben das Jahr 1920: In Königs Wusterhausen nahe Berlin sitzen Postbeamte an Geige, Cello und Klavier und spielen »Stille Nacht«. Und einige mutige Menschen mit Radiogerät werden Zeugen des ersten live übertragenen Konzerts der Rundfunkgeschichte. »Schwarzhörer« waren sie, denn damals verbot der Versailler Vertrag das Abhören von Funksignalen – auch wenn es sich dabei um klassische Musik handelte.
Den Startschuss für das Rundfunkzeitalter lieferte der österreichische Physiker Alexander Meißner im Jahr 1913. Zwar konnte man schon zuvor Signale in Form von elektromagnetischen Wellen drahtlos über weite Entfernungen senden, allerdings nur in Form von Morsezeichen. Der Wunsch, nun auch gesprochene Sprache zu übertragen, war groß, insbesondere beim Militär.
Über das Gitter lässt sich der Stromfluss durch die Elektronenröhre steuern. Im Betrieb ionisieren sich die Atome des Quecksilberdampfs, wodurch die Röhre leuchtet.
Als nach 1906 eine Elektronenröhre auf den Markt kam, über die man Strom in einer elektrischen Schaltung präzise steuern konnte, wusste Meißner, was zu tun war. Er koppelte die Röhre an einen Schwingkreis – eine einfache Schaltung, in der sich nach einmaliger Anregung eine Spannung mit konstanter Frequenz, aber abklingender Amplitude einstellt. Durch die Rückkopplung gelang es nun aber erstmals, eine elektrische Schwingung zu erzeugen, die nicht von selbst wieder abklang und als Träger für Radiosignale taugte. An diesen Oszillator koppelte Meißner einen Telefonhörer, über den er das sinusförmige Signal im Schaltkreis – mittels Sprache – modulierte, bevor es über eine Antenne in die Welt getragen wurde. Siemens, AEG und Telefunken machten die Entwicklung bald einer breiten Bevölkerung zugänglich – auch wenn zunächst noch gar nicht klar war, wer diese faszinierende Technik eigentlich wie und wofür genau nutzen sollte.
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