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Ausstieg der USA: Impuls für die Klimapolitik

Der angekündigte Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen von Paris ist auch eine Chance. Er könnte dem Klimaschutz dringend nötige Impulse geben - und die Welt verändern, kommentiert Lars Fischer.
Banlieue vor Paris mit gewittrigem Himmel im Hintergrund

Das muss man Donald Trump erst einmal nachmachen: Selbst der Energiekonzern Exxon Mobil, nicht eben für seine ökologisch korrekte Grundhaltung berühmt, sah sich im März 2017 gezwungen, den US-Präsidenten zum Klimaschutz anzuhalten. Der ungewöhnliche Schritt des Unternehmens zeigt, wie sehr der Klimawandel die Welt jetzt schon verändert hat. Man sollte deswegen mit voreiligen Schlüssen vorsichtig sein. Es ist keineswegs klar, ob der radikale Bruch der US-Regierung mit dem Pariser Abkommen Schaden anrichtet – oder womöglich die globale Klimapolitik sogar voranbringt.

Auch ohne den Ausstieg, so viel ist klar, wäre die Lage alles andere als rosig. Der aktuelle Klimaschutz hinkt bei allen politischen und technischen Erfolgen weit hinter seinen Zielsetzungen her. Derzeit würden die in Paris zugesagten Treibhausgasreduktionen zu einer Erwärmung von etwa 2,7 Grad Celsius führen – sofern die Modelle zur Klimasensitivität stimmen. Was genau bei einer solchen Erwärmung passieren wird, weiß niemand, aber alle sind sich einig, dass man es besser nicht ausprobieren sollte. Allerdings ist die im Vertrag von Paris festgeschriebene Begrenzung auf 1,5 Grad Erwärmung noch ein gutes Stück entfernt – gleichzeitig gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass für Gegenmaßnahmen viel weniger Zeit bleibt als gedacht.

Obama war auch kein Klimaretter

Bisher blickte die Welt auf die jeweiligen US-Regierungen, die beim Schließen dieser Deckungslücke Vorreiter sein sollten. Doch bei Lichte betrachtet hatte sich diese Hoffnung schon vor Trumps Machtübernahme zerschlagen – selbst der klimabewegte Expräsident Obama hatte in dieser Hinsicht jenseits von Dekreten und Symbolpolitik nicht allzu viel zu bieten. Dass eine andere als die Trump-Regierung in der Lage gewesen wäre, die hohen Erwartungen zu erfüllen, leuchtet mir nicht ein. Und ein "Weiter so" auf dem Level von Obama wäre schlicht nicht gut genug gewesen.

Umgekehrt droht auch durch Trump nicht der sofortige Klima-GAU. Der Treibhausgasausstoß der USA wird jedenfalls bis auf Weiteres dem derzeitigen leichten Abwärtstrend folgen. Das liegt daran, dass große Teile der bisherigen Klima-Erfolge wirtschaftliche Gründe haben: Schiefergas ist dank Fracking in den USA als Energieträger inzwischen billiger als Kohle, egal was der Präsident seiner Wählerschaft verspricht. Und auch die erneuerbaren Energien werden auf absehbare Zeit weiter auf dem Vormarsch sein: Ihre Förderung ist, unabhängig von Paris, bis mindestens 2021 festgeschrieben. Dass die US-Regierung daran rütteln wird, ist nicht allzu wahrscheinlich. Allein die Zahl der Beschäftigten in der Solarindustrie sei seit 2015 um knapp ein Viertel gewachsen, so ein aktueller Bericht.

Klimaschutz mit Rückenwind

Der Schritt der Trump-Regierung birgt deswegen auch die Chance auf einen Perspektivwechsel: Dass die bisherigen Maßnahmen nicht reichen, wissen alle. Statt auf Führung durch eine Lichtgestalt im Weißen Haus zu warten, müssen sich die verbliebenen Parteien des Abkommens nun zusammenraufen und eine neue Klimaordnung schaffen. Womöglich brächte die globale Gemeinschaft so auch eine unwillige US-Regierung zur Räson. Ein solcher Erfolg – oder das Scheitern – hätte womöglich weit reichende Folgen: In den Klimaverhandlungen zeichnet sich in Umrissen die Politik der Zukunft ab, auch jenseits von Klima und Umwelt.

Der Brief von Exxon Mobil zeigt, dass das nicht so unrealistisch ist, wie es auf den ersten Blick klingen mag. Die globale Empörung über den Schritt der USA – nicht zuletzt im eigenen Land – zeigt, dass Paris mehr ist als ein Abkommen und dass durchaus noch Luft nach oben ist. Noch vor 20 Jahren wäre ein derartiger globaler Vertrag völlig unrealistisch gewesen. Heute ist er der politische Ausdruck eines globalen Trends, der neben der Politik auch Wirtschaft und Kultur umfasst. Es ist die US-Regierung, die nun außen vor ist, nicht die globale Gemeinschaft der Klimapolitik. Wenn die anderen Staaten des Pariser Abkommens nun erst recht im Geiste ihres Vertrags handeln, dann könnte es tatsächlich ausgerechnet Trump sein, der durch seine Radikalität dem Klimaschutz einen Weg aus der Sackgasse weist.

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