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Kolumnen: Corona mortis

Mors coronata
Caveat (siehe Fußnote 1)

Dieser Text entstand am Totensonntag, einem trüben Novembertag. Als erst Nebel fielen, und dann schwerer Regen, als die letzten Blätter, halb faulig schon, von den Bäumen taumelten. An einem jener Tage, an denen es ist, als ob der Gott des ersten Kapitels der Genesis nie das Licht von der Finsternis geschieden hätte, nie den Himmel von der Erde, nie das Wasser vom Land. Eine fahle Finsternis, ein halb dunkles Hell, eine nasse Welt ohne Horizonte, die Luft zu wattigen Nebeln verfestigt und die Erde verflüssigt zu modrigem Blätterbrei. An einem jener Tage also, an denen der Tod, der wahre König der Welt, seine Sommerjoppe auszieht, die Larve des bunten Herbstharlekins absetzt und sich in den nackten Baumgerippen, die wie schwarze Scherenschnitte vor diesiger Trübe stehen, in seinem Königtum zeigt.

Und wenn Sie derlei Bilder und Mors Regina, den morbiden Monarchen, nicht leiden mögen, dann sollten Sie den folgenden Text nicht lesen. Denn dort wird er gekrönt.

Mors coronata | Mors coronata / Corona mortis
Der gekrönte Tod / die Todeskrone

Imagines mortis et artes terminologicae (2)

Natürlich ist der Tod in der Anatomie gegenwärtiger als anderswo. Er nistet im Halbdunkel des Kellers, wo die Leichen liegen. In Wannen, die an Sarkophage erinnern. Auswendig gekachelt, innen aus Steingut, darin, in tausenden Litern Formalin, die toten Körper, eng gedrängt, zwei, drei, vier pro Trog, gestapelt, Bauch auf Bauch, Bein auf Brust, kopfüber, kopfunter, in der Tiefe ein grotesk gedunsenes Gesicht, gerahmt von den Fersen des Körpers darüber. Knochenarbeit: Mit Hubwagen und Gurten schaffen die Präparatoren sie in die Tröge und wieder hinaus, denn nichts ist unhandlicher als ein toter Körper.

Die Anatomen reden sich und ihren Studenten Mut zu, indem sie sagen: "Nun, natürlich sind das keine 'Menschen'. 'Mensch' ist – wenn man es dualistisch sagen wollte – die vorübergehende Einheit von Leib und Seele. Hier aber ist die Seele gewichen, zusammen mit dem Leben. Die hier sind tot. Dennoch sind es aber auch keine 'Toten'. Denn die 'Toten' sind doch eigentlich unsere Erinnerungen an die Personen aus Fleisch und Blut und Seelen, denen dieses tote Fleisch hier mal gehörte. Wenn wir im November auf den Friedhof gehen, dann feiern wir ja nicht den 'Leichensonntag', nicht das Fest der leblosen Körper, sondern erinnern uns der Toten, der Personen, die mal waren, und nicht der Leichname, die sie hinterließen. Aber die hier, in den Becken, die sind ja noch nicht einmal 'Leichen'. Zum Wesen einer 'Leiche' gehört es, zu verwesen, die hier aber werden durch das Wirken der Chemie – Formalin, man riecht es ja – davon abgehalten. Es sind also – salopp gesprochen – 'Mumien', in den Worten der Anatomie: 'Präparate'."

Diese terminologische Turnübung eröffnet alle Jahre wieder, Mitte Oktober, wenn draußen noch der Herbst in flammenden Farben den Sommer abfackelt, den Präparierkurs. Da steigt er dann aus dem Keller, der Tod, wird zweidutzendfach aus den trüben Trögen ins gleißende Licht des Präpariersaales geschafft, auf Tische, edelstahlunterlegt und mit grünen Tüchern bedeckt, denn grün ist die Hoffnung – die noch jeden trog, denn in Tröge, seien es die in der Anatomie, seien es Aschenurnen oder hölzerne Kisten, führt uns alle unser Weg.

Morbid zu sein – das steht keinem medizinischen Fach gut an, was sollen denn die Kunden denken? Und so machen die Anatomen seit jeher Reklame für die positiven, lebensbejahenden Seiten ihres Faches, und wenn es auch Lügen wären. "Hic est locus ubi mors gaudet succurrere vitae" (3), schreiben sie in großen Lettern an die Wände des Kursaales, oder "mortui vivos docent" (4). Dem Tod sind die Sprüche herzlich egal, in zweimal zwölf Verkörperungen belegt er den Saal, derweil er draußen – es ist Ende Oktober geworden – dem Herbst den Garaus macht.

Putredo et praeparatio (5)

Und die Studenten verrichten an den Präparaten mit Skalpell und Pinzette das, was eigentlich die Verwesung, des Todes weiche Gefährtin, an den Körpern verrichten sollte, wären sie nicht chemisch konserviert. Aber wie grob sind die Schnitte der Studenten, ja selbst der besten, erfahrensten Anatomen im Vergleich zu deren Werken! Zerstücken tun wir die Präparate, kunstvoll zwar und mitunter sogar mit Liebe zum Handwerk und zu den Gebilden, die wir offenlegen – doch ist es eben Stückwerk, Zerstückelung. Die Verwesung aber ist Lysis, Lösung. Nicht mit groben Schnitten von außen nach innen trägt sie ihr Werk vor, wie der Anatom mit dem Messer, sondern aus dem Inneren des Organismus heraus, aus jeder Zelle, in der schon der Keim des Zerfalls lag (6), bemächtigt sie sich der Strukturen, löst sie alle, ein innerer Brand, zersetzt jede Form zu Gestaltlosigkeit, tut, was ihr Name sagt: erlöst das Wesen von seiner Wesenheit.

Die Anatomen und ihre Studenten aber produzieren Präparate, unverwest und unverweslich. Und überlassen die Lyse dem Feuer, denn am Ende wird man die Präparate verbrennen. Und wenn wir dann, viel später, an einem heißen Sommertag, an den Urnengräbern derer stehen, die uns ihre Körper gaben, wenn wir die Toten loben, deren Körper wir präparierten, wenn wir unsere zentrale Gedenkfeier abhalten – dann denkt kaum einer an die Sentenz des Hippokrates:

"Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat; quae ferrum non sanat, ignis sanat." (7)

Obwohl sie stimmt, denn am Ende aller Medikamentation, am Ende aller chirurgischen und anatomischen Kunst mit dem Messer steht die feurige Lyse, mag sie nun innerer Schwelbrand oder flammender Scheiterhaufen sein.

Doch es ist noch nicht wieder Sommer geworden, und nur, weil es immer wieder Sommer ward, heißt das nicht, dass es je wieder Sommer wird. Es ist November, um Totensonntag herum, und es fühlt sich an, als ob es nie wieder Sommer würde. Die Studenten haben die Haut gelöst, das Fett abgetragen und beginnen mit der Präparation der Muskeln der Rumpfwand und der Extremitäten, mit der Freilegung der großen Blutgefäße und Nerven, die jene durchziehen. Längst ist die Angst vor dem Tod, dem Toten, dem Leichnam, dem Präparat, vor der Angst vor den herannahenden Prüfungen gewichen. Der Tod ist Anathema, Thema ist die Anatomie. Und ihre Begriffswelt.

Aber unter den Begriffen, unter den Tausenden von Termini, mit denen die Anatomen die Präparate schmücken, ist keiner, der den feiern würde, der den Anatomen ihre Präparate erst gab: den Tod. Außer einem, und dessen Gegenstand präparieren wir in den Wochen um Totensonntag. Es ist die Krone des Herrn, der Kranz des Todes, auf Lateinisch: die "Corona mortis".

Portae mortis (8)

Wir tragen alle den Tod im Leibe, aber an einer Stelle, wo wir ihn nicht erwarten würden. In der Weiche, wie die Altvordern gesagt hätten, in der "Regio inguinalis", wie es die Anatomen nennen, in der Leiste, wie man gemeinhin sagt, dort also, wo der Unterleib in die Vorderseite des Oberschenkels übergeht. Dort gibt es große Nerven und Blutgefäße, die aus dem Inneren des Beckens heraus zum Bein ziehen, dort kann man ja auch – sofern man noch lebt – den Puls der Beinschlagader tasten.

Dort, in der Leiste, ist ein Loch, eine Öffnung, eine Durchtrittsstelle für die Passage jener Gefäße. Der Name dieser Öffnung (Lacuna vasorum) erinnert nun allerdings eher an sonnige Badeurlaube an blauen Lagunen als an die Vergänglichkeit des Seins. Doch sind solche Passagen, solche Pforten in der Wand des Rumpfes eine tödliche Gefahr. Durch sie hindurch kann es Brüche geben, Nabelbrüche, Zwerchfellbrüche, Leistenbrüche und – in unserem Fall der Lacuna vasorum – Schenkelbrüche. Freilich bricht kein Knochen – vielmehr bricht der Inhalt des Bauchraumes aus diesen Pforten ("Bruchpforten") hervor. Flüssigkeit, im harmloseren Fall, ganze Organe, Darmschlingen im übelsten, und sehr schmerzhaft in jedem Fall. "Hernia" nennen die Mediziner einen solchen Eingeweidebruch. Die inneren Organe stülpen sich freilich nicht ins Freie, nicht aus dem Körper heraus, nicht für jedermann sichtbar nach außen vor. Nein. Sie bilden unter der Haut gelegene Bruchsäcke, die im Fall der Schenkelhernie dem Verlauf der Gefäße, parallel zu denen sie durch die Leibeswand brachen, folgen. Am Oberschenkel, unterhalb der Leiste, entsteht eine Beule.

An so einer Hernie kann man flugs sterben, denn wenn wirklich eine Darmschlinge mit hervorgebrochen sein sollte, so verklemmt sich diese Schlinge gern in der relativ engen Bruchpforte. Dabei wird die Blutzufuhr abgeklemmt, die Zellen im hervorgebrochenen Darmstück sterben, das Gewebe wird nekrotisch, und die Verwesung beginnt ihr inneres Werk. Die Wand des Darmes wird löchrig, Bazillen aus seinem Inneren dringen in den Organismus vor – Sepsis – Exitus.

Anatomia coronae (9)

Und wenn es Sie tödlich langweilen sollte – wir brauchen jetzt ein Stück trockene Anatomie der Regio inguinalis und der Lacuna vasorum, damit wir dem Tod fachgerecht seine Krone aufsetzen können. Bezeugen Sie ihm Ihren Respekt, betrachten Sie das Bild, lesen Sie den folgenden Text, der allerdings auf jede morbide Ästhetik verzichtet. Nackte Anatomie.

Anatomia coronae
Sie blicken von vorne auf die Beckengegend. Die Haut ist transparent, man sieht die Beckenknochen, die Wirbelsäule und die Oberschenkelknochen durchscheinen. Mit groben Strichen – die Götter der Anatomie mögen mir vergeben – habe ich einige der Blutgefäße einskizziert, die vom Inneren des Beckens zum Oberschenkel ziehen. Sehen Sie sich bitte erst die rechte Hälfte der Abbildung an.

Über den Knochen (oberer Schambeinast) hinweg ziehen eine große Arterie (rot, Arteria femoralis) und eine Vene (blau, Vena femoralis) zur Vorderseite des Oberschenkels. Den Puls der Arteria femoralis kann man an sich selbst in der Leistenbeuge tasten. Unter dem oberen Schambeinast, in einem eigenen Kanal, zieht eine weitere, etwas kleinere Arterie zur Innenseite des Oberschenkels. Das ist die Arteria obturatoria. Die Arteria obturatoria und die Arteria femoralis sind durch eine u-förmige Anastomose miteinander verbunden. Das ist die Todeskrone, die Corona mortis. Sie ist wechselnd stark entwickelt. Manchmal ist sie nur ein dünnes Röhrchen, kaum mit dem bloßen Auge wahrzunehmen. Dann nennen die Anatomen sie den "Ramus pubicus arteriae obturatoriae". In etwa 30 Prozent der Fälle aber ist sie knapp bleistiftdick, ja, mitunter geht die Arteria obturatoria zur Gänze aus ihr hervor. Dann nennt man diese Gefäßschlaufe die Todeskrone.

In der linken Hälfte der Abbildung ist zusätzlich in Grün das Leistenband, das Ligamentum inguinale, eingezeichnet. Es spannt sich über den Femoralgefäßen, so dass jene in einem knöchern-bindegewebigen Kanal zu liegen kommen, dessen Dach eben vom Leistenband und dessen Boden vom oberen Schambeinast gebildet wird. Dieser Kanal ist die Lacuna vasorum. Die Lacuna ist aber zugleich die Bruchpforte für die Schenkelhernien, deren Weg durch die Leistengegend durch den weißen Pfeil symbolisiert wird.

Mit anderen Worten: Eine Darmschlinge, die bei einer Hernia femoralis mit hervorbrechen kann, wird in der Bruchpforte, der Lacuna vasorum, allseits von Blutgefäßen gerahmt. Zur Seite hin von der Vena femoralis, oben, unten und innen aber von der Corona mortis (10).

Chirurgia herniarum (11)

Gesetzt den Fall, es wäre passiert, gesetzt den Fall, man hätte eine Hernie, bei der sich eine Darmschlinge in der Lacuna vasorum verklemmt hat, muss rasch etwas passieren. "Über einem eingeklemmten Bruch darf die Sonne nicht aufgehen!", dozieren die Chirurgen.

Es ist aber November, die Tage sind dunkel – ist die Sonne je aufgegangen? In der Lacuna vasorum ist es auch dunkel. Und eng. Und der Chirurg muss oft, um die Darmschlinge zurückschieben zu können, die Bruchpforte noch mit Schnitten erweitern, um die Eingeweide zerstörungsfrei wieder nach innen befördern zu können. Aber wohin schneiden? Nach unten ist Kochen, nach oben das Leistenband (in dem doch etliche andere delikate Dinge sind, die man nicht zerstören möchte), zur Seite hin die dicke Vena femoralis. Also nach innen ... nur ist da in etwa einem Drittel der Fälle die Corona mortis. Und der Chirurg sieht sie nicht, denn sie liegt innen auf der Leibeswand, und er präpariert sich klassischerweise (12) von außen her, entlang der Schenkelgefäße, entlang des Bruchsackes, an die Bruchpforte heran.

Normalerweise, in zwei Dritteln der Fälle, wenn die Corona schwach entwickelt ist, passiert nichts. Wenn sie aber da ist, wenn sie angeschnitten wird, blutet es arg. Und zwar nach innen, in die Leibeshöhle, und der Chirurg merkt es erst gar nicht. Operation gelungen, Patient eine halbe Stunde später tot: innerlich verblutet. Mors Regina.

Mors et magister (13)

Es ist November, um Totensonntag herum, und durch die Fenster des Präpariersaales sickert das abendliche Novemberdunkel, sammelt sich unter den Edelstahltischen, wo die schwarzen Eimer mit den Präparationsresten stehen, staut sich in den dunklen Winkeln der offenen Leiber, in die das Kunstlicht der Deckenlampen nicht hineinreicht. Der Anatom hat mit seinen Studenten an zwei Präparaten die Leistengegend durchpräpariert, von innen und von außen. Und bei einem, dem eines kräftigen Mannes, haben sie eine ansehnliche Corona mortis gefunden. Samtig, noch ein wenig von Feuchtigkeit glänzend, wie alle frisch präparierten Organe, liegt sie im hellen Licht der Neonröhren. Und natürlich erzählte der Anatom den Studenten mit strahlenden Augen die ganze Geschichte, die oben steht, und wäre darüber beinahe heiter geworden.

Im Präpariersaal werden die letzten Lichter gelöscht, die Novemberschwärze flutet den Saal. Nur über seinem Tisch, wo er die Corona mortis fand, brennt die Deckenlampe noch. Die Studenten sind fort, die Kollegen sind fort. Er deckt das Präparat ab, erst mit dem grünen Tuch und dann mit einer Plastikfolie, damit es nicht austrockne. Aber bevor er den verwaisten Saal verlässt, bevor er endgültig das Licht löscht und die Tür verschließt, geht er noch einmal zurück an den Tisch, hebt noch einmal Folie und Tuch über der Leiste, schaut auf die Todeskrone im Halbdunkel, schließt dann die Augen und neigt kurz den Kopf. Etwa so, wie wir es am Totensonntag an den Gräbern machen.

Und dann geht er hinaus ins Novemberdunkel der Stadt.

Rex nudus (14)

Und dort, schwarz vor der lichtglitzernden Stadtkulisse, stehen die nackten Gerippe der Bäume, steht die kleine Allee, die seinen Heimweg säumt. Und in manche der Bäume wird man bald Lichterkronen hängen, denn es geht auf Weihnachten zu. Während er schweigend die Parade der Alleebäume abschreitet, fällt ihm ein, dass er kürzlich irgendwo (15) las, dass die absolutistischen Könige der Barockzeit es als einen besonderen Gunsterweis ansahen, wenn sie sich einem ihrer Untergebenen nackt zeigten – morgens, beim Ankleideritual etwa, oder bei der Abendtoilette.

"Was für ein seltsames Ritual", denkt er, "welches eigenartigen Herren Knecht bin ich geworden, und was nützt mir die Gunst, die er mir erweist?"

Mitten auf dem Pflaster des Weges findet der Anatom im grellen Licht einer Laterne eine tote Maus. Er fasst sie sorglos, fast zärtlich an und legt sie seitwärts in das dunkle Buschwerk, damit sie in Stille und von Erde und Blättern umgeben verwesen möge.


Helmut Wicht ist promovierter Biologe und Privatdozent für Anatomie an der Dr. Senckenbergischen Anatomie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.


Fußnoten:

(1) Man möge sich hüten!
"Der Tod ist ein Meister aus Deutschland ..." (Paul Celan) – ja. Aber zur Tarnung spricht er in der Anatomie lateinisch. Daher die Zwischenüberschriften.

(2) Bilder des Todes und Künste der Terminologie

(3) "Hier freut sich der Tod, dem Leben zu Hilfe zu eilen."

(4) "Die Toten lehren die Lebenden."

(5) Verwesung und Präparation

(6) Es ist ein populärer, weil plakativer Irrtum, zu glauben, dass der Zerfall, die Verwesung unserer Körper etwas sei, was zuerst von außen an uns herangetragen würde. Lange bevor die sprichwörtlichen Würmer, ja selbst die flinken Fliegen sich über unsere Leichname hermachen, beginnt der Prozess des inneren Zerfalls, der Autolyse der Zellen und Organe. Jede unserer Zellen trägt in ihrem Inneren – in membranumhüllten Kompartimenten wohl verwahrt – Enzyme mit sich, die dem Abbau und dem "Verdau" von organischem Material dienen. Jene membranumhüllten Vesikel ("Lysosomen" – "Auflösekörperchen") setzen bald nach dem Erlöschen des Energiestoffwechsels der Zelle, der primär durch den Sauerstoffmangel hervorgerufen wird, ihren Inhalt ins Zellinnere frei. Die Zelle verdaut sich sozusagen selbst. Sie alle kennen diesen Vorgang, sie genießen ihn recht oft. Wenn Sie zum Metzger gehen und ein Stück Rindfleisch kaufen, erwarten Sie ja, dass jenes "gut abgehangen" sei. Brieten oder kochten Sie das Fleisch, wenn es noch körperwarm vom Ochsen käme: Es würde zäh wie eine Schuhsohle. Das "Abhängen" dient genau diesem Zweck: abwarten, bis der Selbstverdau der Muskelzellen so weit vorangeschritten ist, dass die langen Eiweißketten in ihrem Inneren schon so weit verdaut sind, dass beim Braten eben kein Leder, sondern ein zartsaftiges Steak entsteht. Mahlzeit übrigens!

(7) "Was Medikamente nicht heilen, heilt das Messer. Was das Messer nicht heilt, heilt das Feuer." (Hippokrates)

(8) Todespforten

(9) Bau der Krone

(10) Apologie an die Standesgenossen: Ja, ich habe die Arteria epigastrica inferior weggelassen, einfach deshalb, weil sie den grafischen Rahmen gesprengt hätte, die Abbildung wäre völlig unübersichtlich geworden. Dito die Venae comitantes, dito Rosenmüllers Lymphknoten. Ligamentum lacunare, Arcus iliopectineus, und, und, und ... den Tod will ich krönen, nicht die Detailwut der Anatomie.

(11) Operative Versorgung der Brüche

(12) Klassischerweise ging (und geht) man diese Hernien chirurgisch tatsächlich "von außen", vom Schenkel her, an. Man kann sie aber auch "von innen", durch die Leibeshöhle hindurch operieren, was den Vorteil hat, dass man die Corona, sollte sie vorhanden sein, sehen kann. Außerdem kann man dann das Innere der Bruchpforte vernähen oder mit einem synthetischen Netz stabilisieren – also sozusagen den "Druckkessel" des Bauches von innen her flicken, was allemal stabiler ist als ein von außen aufgesetzter Reparaturflicken. Zu den Zeiten aber, da die "Corona mortis" ihren Namen erhielt (im 18. Jahrhundert, wenn nicht früher), waren Operationen, die die Bauchhöhle eröffneten, gänzlich tabu und ein fast sicheres Todesurteil, weil man damals noch nicht keimfrei operieren konnte. Es kam oft, wenn nicht meist, zu tödlich verlaufenden Infektionen, wenn der Bauchraum geöffnet wurde.

(13) Der Tod und der Lehrer

(14) Der nackte König

(15) Norbert Elias: Der Prozess der Zivilisation. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt.

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