Heizungsgesetz: Grüngas ist kein Ersatz für Wärmepumpen

Die Bundesregierung will das Gebäudeenergiegesetz, umgangssprachlich auch Heizungsgesetz genannt, reformieren. Das neue Gesetz, das an seine Stelle treten soll, erhält den schönen Namen Gebäudemodernisierungsgesetz und setzt drei Begriffe ins Zentrum: Biogas, Bioöl und Biotreppe. Das klingt nach Klimaschutz. Treffender wären allerdings folgende Begriffe: Kostenfalle, Lock-in-Effekt und fossile Abhängigkeit.
Was ist geplant? Zunächst einmal entfällt das zentrale Element des alten Gebäudeenergiegesetzes: Neue Heizungen müssen nun nicht mehr 65 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen, was de facto einer Einbaupflicht für Wärmepumpen entsprach. Stattdessen dürfen weiterhin konventionelle Gasheizungen verbaut werden. Ab 2028 soll für bestehende Öl- und Gasheizungen allerdings eine Grüngasquote gelten: Ein Prozent des Öls oder des Gases, das in ihnen verbrannt wird, soll klimaneutral erzeugt werden. Dafür nimmt die Bundesregierung die Energieversorger in die Pflicht, denn sie müssen das Gas in dieser Mischung liefern. Der Anteil des Grüngases soll in den folgenden Jahren weiter ansteigen.
Andere Regeln gelten für neue Gas- und Ölheizungen. Bei ihnen soll die Grüngasquote ab 2029 zunächst bei zehn Prozent liegen. Anschließend greift die Biotreppe: In drei Schritten steigt die Grüngasquote, sodass das verbrannte Gasgemisch bis spätestens 2045 überhaupt kein Erdgas mehr enthält. Jens Spahn (CDU), Matthias Miersch (SPD) und Alexander Hoffmann (CSU) ließen bei der Verkündung des Vorhabens am 24. Februar 2026 viele Fragen offen, beispielsweise wie stark die Grüngasquote in den kommenden Jahren genau angehoben wird. Sicher ist aber schon jetzt: Dem Klimaschutz erweisen sie einen Bärendienst. Und nicht nur dem.
Allein im Jahr 2030 hätte die bisherige 65-Prozent-Vorgabe für neue Heizungen im Gebäudesektor 10 Millionen Tonnen CO2 eingespart, zeigt sich Sibylle Braungardt vom Freiburger Öko-Institut gegenüber dem Science Media Center überzeugt. Das entspricht etwa dem jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß von 1,5 Millionen Menschen. Mit den nun geplanten Maßnahmen schrumpft die Minderung auf nur noch 2 Millionen Tonnen CO2 zusammen.
Man könnte zynisch anmerken, dass Klimaschutz neben allen geo- und innenpolitischen Umwälzungen derzeit ohnehin nicht mehr unsere höchste Priorität sein müsse. Doch auch der Blick auf die Kosten der geplanten Änderungen sollte Unbehagen bereiten – insbesondere jenen, die zur Miete wohnen.
Grüngas ist knapp und teuer
Dafür lohnt ein Blick auf die klimafreundlichen Brennstoffe – das Grüngas –, die jetzt groß auftrumpfen sollen. Dazu zählen Biogas, synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff. Biogas wird aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Mais, Stroh oder Gülle erzeugt, zumeist in kleinen Anlagen, und dann in einem zweiten Schritt in Strom und Wärme für den Eigenbedarf umgewandelt. Damit Biogas ins Erdgasnetz eingespeist und in bestehenden Heizungen verbrannt werden kann, muss es von einigen seiner Bestandteile getrennt und so in Biomethan umgewandelt werden. Das lohnt sich aber nur für große Biogasanlagen, die es in Deutschland derzeit kaum gibt. Der Biomethananteil im deutschen Erdgasnetz liegt heute bei einem Prozent. Wer mehr will, muss massiv in neue Infrastruktur investieren und sich zudem fragen, wo die nötigen Energiepflanzen dafür wachsen sollen.
Die flüssigen synthetischen Kraftstoffe wären eine klimaneutrale Alternative für Besitzer von Ölheizungen. Auf diesen Kraftstoffen ruht allerdings auch die Hoffnung, dass sie eines Tages den Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr klimaneutral machen. Hergestellt werden sie beispielsweise aus Wasserstoff und dem CO2 aus Industrieabgasen – unter sehr hohem Energieeinsatz. Schon jetzt gelingt es kaum, auch nur einen Bruchteil des fossilen Kerosins durch synthetische Kraftstoffe zu ersetzen. Auch hier bräuchte es massive Investitionen, um die Mengen zu steigern und einigermaßen wirtschaftlich zu produzieren. Es ist nicht zu erwarten, dass dieser knappe und sehr teure Stoff zeitnah in unsere Heizungskeller wandert, statt in Flugzeugtanks.
Bleibt der reine Wasserstoff – der Erdgas zu maximal 20 Prozent beigemischt werden darf, ohne dass man das Leitungssystem auf das flüchtige und aggressive Gas anpassen muss. Doch den grünen Wasserstoff, der mit viel Strom per Elektrolyse aus Wasser gewonnen wird, fordern auch Stahl-, Chemie- und andere energiehungrige Industrien ein, die ihre Prozesse prinzipbedingt nicht elektrifizieren können. Grüner Wasserstoff ist teuer: Heute kostet er pro Energieeinheit mehr als doppelt so viel wie Erdgas – es bleibt absehbar ein Stoff für jene, die ihn sich unbedingt leisten wollen oder nicht darauf verzichten können.
Daneben gibt es noch einen anderen Weg, Wasserstoff etwas günstiger und ebenfalls klimaneutral zu erzeugen: Man nimmt fossiles Erdgas, spaltet daraus das CO2 ab und verpresst es im Untergrund. Der entstehende »blaue« Wasserstoff ist vergleichsweise sauber, doch der Prozess aufwendig. Dieser blaue Wasserstoff ist – logischerweise – teurer als das Erdgas, aus dem er hergestellt wird, nämlich rund 40 Prozent.
Wer also auf Gasheizungen mit Grüngas setzt, wird sicher draufzahlen. Schon heute gibt es Gastarife, die mindestens 10 Prozent Biomethan enthalten – aktuell 164 an der Zahl. Das Gas kostet im Schnitt ein Viertel mehr als herkömmliches Erdgas. Für ein Einfamilienhaus bedeutet das jährliche Mehrkosten von fast 500 Euro, wie das Vergleichsportal Verivox angibt. Wärmepumpen heizen dagegen bereits jetzt günstiger als Gasheizungen, sie sind allerdings in der Anschaffung teurer.
Finanziell gut gestellte Eigenheimbesitzer dürften sich deswegen auch künftig trotz der neuen »Technologieoffenheit« für die Wärmepumpe entscheiden. Für Menschen mit schmalerem Geldbeutel ist allerdings die Verlockung groß, heute lieber eine günstigere Gasheizung zu kaufen – auch wenn sie dafür morgen deutlich mehr für deren Betrieb bezahlen. Besonders betroffen sind Menschen, die zur Miete wohnen. Viele Vermieter werden sicherlich gern in günstige Gasheizungen investieren und dafür Mieterinnen und Mieter die hohe Gasrechnung bezahlen lassen.
Die Regierung erzeugt auf diese Weise einen Lock-in-Effekt: Mit dem Einbau von neuen Gasheizungen werden wir bis mindestens 2040 fossiles Gas brauchen, um Wohnräume zu heizen. Heizungsbesitzer werden aber Brennstoffe bezahlen müssen, die deutlich teurer sind als das Heizen mit Wärmepumpe. Die viel versprochene Technologieoffenheit – sie wird teuer.
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