Die fabelhafte Welt der Mathematik: Ihr Sternzeichen ist falsch – hier finden Sie das richtige

Als Teenager habe ich gerne in Klatschzeitschriften mein Horoskop nachgelesen. Generell zog mich das Mystische damals an: Mit meinen Freundinnen feierten wir Walpurgisnacht und veranstalteten Gläserrücken (und natürlich bewegte sich das Glas wie von selbst). Aber schon damals war mir – und meinen Freundinnen im Übrigen auch – klar, dass all das Humbug ist. Es war ein lustiger Zeitvertreib für gelangweilte Jugendliche. Umso überraschter war ich, als meine Friseurin neulich nach meinem Sternzeichen fragte. Als ich meine Meinung zu Astrologie und Horoskopen kundgab, antwortete sie knapp mit: »typisch Stier«.
Tatsächlich erlebt die Astrologie gerade eine bemerkenswerte Renaissance – besonders in sozialen Medien, wo Beiträge über »Geminis«, »Cancers« oder »Aries season« omnipräsent sind. Interessant ist, dass sich darunter auch viele Menschen befinden, die sich selbst als wissenschaftsaffin betrachten.
Aber wie kann das sein? Heute stehen moderne Wissenschaft und Astrologie in krassem Gegensatz zueinander. Dabei ist der Ursprung der Horoskope gar nicht so unwissenschaftlich – im Gegenteil.
Was sind Sternzeichen überhaupt?
Die Tierkreiszeichen, die als Fundament der Astrologie gelten, gehen auf 12 Sternbilder zurück: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Das sind bei Weitem nicht die einzigen Sternbilder, die sich am Nachthimmel zeigen. Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat im Jahr 1922 offiziell 88 Stück klassifiziert, darunter bekanntere Vertreter wie der Große Bär, dessen besonders helle Sterne wir als Großen Wagen kennen, aber auch weniger prominente Exemplare wie das »Achterdeck des Schiffs«.
Schon mehr als 3000 Jahre vor der Gründung der IAU haben sich die Menschen im alten Mesopotamien Gedanken über die Sternbilder gemacht. Interessant erschienen ihnen damals vor allem jene, die im scheinbaren Lauf der Sonne liegen – also solche in der »Ekliptik«.
Nun muss man wissen, dass sich Mesopotamien wegen seiner geografischen Lage durch besonders berechenbare Wetterlagen auszeichnet: Es gibt eine Regenzeit und eine Trockenzeit, und auch die Windrichtung lässt sich abhängig von der Jahreszeit vorhersagen. Und da je nach Jahreszeit bestimmte Sternbilder am Nachthimmel sichtbar sind, glaubten die Menschen womöglich an einen Zusammenhang. Das ist nicht allzu verwunderlich: Schließlich haben Sonne und Mond durchaus Einfluss auf die irdischen Geschehnisse wie das Wetter oder Ebbe und Flut.
Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. teilten babylonische Astronomen schließlich die Ekliptik in 12 gleiche Abschnitte zu je 30 Grad ein – analog zu den 12 Monaten ihres Kalenders mit jeweils 30 Tagen. Damit entwickelten sie das erste bekannte astronomische Koordinatensystem, was ich ziemlich beeindruckend finde. Jedem Abschnitt ordneten sie das Sternbild zu, das zu dieser Zeit am Nachthimmel in der Ekliptik lag.
Das war der Beginn der Astrologie. Von Mesopotamien aus verbreiteten sich die Tierkreiszeichen und der dazugehörige Aberglaube nach Griechenland und Rom, wo sie schließlich in die europäische Tradition eingingen.
Die Zeiten ändern sich – und Sternzeichen auch
Im Nachhinein scheint es gar nicht mehr so abwegig, dass die Menschen in der Antike oder im Mittelalter glaubten, Sternbilder würden uns beeinflussen. Was sich mir aber nicht erschließt: Wie konnte sich diese Auffassung bis heute halten?
Inzwischen wissen wir viel mehr über Astronomie, Physik und Himmelsmechanik. Uns ist zum Beispiel schon lange bekannt, dass sich die Sternbilder aus teils weit voneinander entfernten Objekten zusammensetzen, die keinerlei Verbindung zueinander haben, außer dass sie aus unserer Perspektive nahe beieinander erscheinen.
Darüber hinaus ist auch ihre Distanz zur Erde so groß, dass sie uns – im Gegensatz zum Mond – absolut nicht beeinflussen können. Sterne sind gigantische, lichtjahreweit entfernte Fusionsreaktoren, die weder unsere Persönlichkeit noch Lebensereignisse prägen.
Falls Sie diesen Artikel lesen, gehe ich davon aus, dass Sie ohnehin nicht an Astrologie und Horoskope glauben. Doch falls Sie sich mal mit jemandem unterhalten, der sich über »Aries« und »Gemini« auslässt (die englischen Begriffe sind derzeit en vogue), gibt es drei einfache Argumente, die Sie der Person entgegenbringen können.
Es gibt 13 Sternzeichen
Wenn man die Sternbilder entlang der Ekliptik betrachtet, tauchen da über ein Jahr nicht 12, sondern 13 Stück auf. Neben den bekannten Tierkreiszeichen wurde der Schlangenträger, Ophiuchus, vergessen. Oder besser gesagt: Er hat wohl nicht ganz in das Schema der Babylonier mit den 12 Monaten gepasst.
Nicht jedes Sternzeichen entspricht einem Monat
Die Tierkreiszeichen sind nicht alle gleich lang entlang der Ekliptik zu sehen. Das Sternbild Skorpion ist dort beispielsweise nur 6 bis 7 Tage lang sichtbar, während Jungfrau es 44 bis 45 Tage lang ist.
Die Sternzeichen ändern sich
Oder besser gesagt: Die Drehachse der Erde vollführt eine Taumelbewegung wie ein Spielkreisel, was als Präzession bezeichnet wird. Dadurch verschiebt sich auch, welche Sternbilder zu welcher Zeit im Jahr in der Ekliptik auftauchen. War ab dem 21. März zu babylonischer Zeit noch das Sternbild Widder dort zu sehen, ist es nun das Sternbild Fische.Tatsächlich lässt sich ein wissenschaftlich korrektes Sternzeichensystem angeben – also ein Kalender dafür, wann sich welches Sternbild in der heutigen Zeit in der Ekliptik befindet.
| Widder | 20. Apr. – 14. Mai (25 Tage) |
| Stier | 15. Mai – 22. Jun. (39 Tage) |
| Zwillinge | 23. Jun. – 21. Jul. (29 Tage) |
| Krebs | 22. Jul. – 11. Aug. (21 Tage) |
| Löwe | 12. Aug. – 17. Sep. (37 Tage) |
| Jungfrau | 18. Sep. – 1. Nov. (45 Tage) |
| Waage | 2. Nov. – 24. Nov. (23 Tage) |
| Skorpion | 25. Nov. – 30. Nov. (6 Tage) |
| Schlangenträger | 1. Dez. – 18. Dez. (18 Tage) |
| Schütze | 19. Dez. – 20. Jan. (32 Tage) |
| Steinbock | 21. Jan. – 16. Feb. (27 Tage) |
| Wassermann | 17. Feb. – 12. Mrz. (25 Tage) |
| Fische | 13. Mrz. – 19. Apr. (38 Tage) |
Das unterscheidet sich durchaus von dem Kalender, der in der Astrologie genutzt wird. Aber keine Angst, ich werde jetzt nicht anfangen, auf Basis des korrekten Sternbildkatalogs Horoskope zu erstellen – wobei, vielleicht wäre das ja eine Idee für eine neue Spektrum-Kolumne?
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