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Hirschhausens Hirnschmalz: Ist das Kunst oder kann das weg?

Eckart von HirschhausenLaden...

Max Liebermann soll angeblich mal gesagt haben: "Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, so würde sie Wulst heißen." Damals malte man noch gegenständlich. Bei zeitgenössischer Kunst erkennt man dagegen oft weder Können noch Funktion, und es beschleicht einen: Das hätte jedes Kind hinbekommen. Wenn nicht gar ein Affe. Höchste Zeit, dies ernsthaft zu untersuchen! Lässt sich an Bildern unterscheiden, welchen Geistes der Künstler ist? Die beruhigende Antwort: Ja. Noch beruhigender – man muss dafür nicht Kunst studieren. "Seeing the Mind behind the Art: People can Distinguish Abstract Expressionist Paintings from highly Similar Paintings by Children, Chimps, Monkeys, and Elephants" heißt die Studie, die das bewies.

Die Testpersonen bekamen jeweils zwei ähnliche abstrakte Bilder gezeigt, eins ein "echtes" expressionistisches Kunstwerk, das andere täuschte die Impression von Expressionismus nur vor und stammte in Wirklichkeit von einem Tier oder Kind. Den "Geist hinter dem Bild" identifizierten die Teilnehmer in ungefähr zwei von drei Fällen richtig. Kunststudenten schnitten dabei übrigens nicht besser ab. Aber es fiel auch kaum einer darauf herein, wenn die Beschriftung der Werke aus dem Maler einen Elefanten machte oder aus einem Dreijährigen einen etablierten Künstler.

Psychotest

Kunst kommt ...

  1. A) von Können
  2. B) von Wollen
  3. C) oft unverhofft
  4. D) und geht

Ist abstrakte Kunst doch zugänglicher, als viele denken? Das erinnert mich an die Episode im Museum Schloss Morsbroich, wo einst die Kinderbadewanne von Joseph Beuys zur Kühlung von Party-Bier verwendet wurde. Schaden: 165 000 D-Mark. Auch Reinigungskräfte haben oft ein allzu konkretes Kunstverständnis. Eine Putzfrau entsorgte in der Londoner Tate Modern ein Werk des Künstlers Gustav Metzger – eine am Boden liegende Plastiktüte mit Pappe und Zeitungen. Daraufhin legte dieser eine neue Tüte hin mit der Begründung, die alte sei zu stark beschädigt, um Vergänglichkeit zu symbolisieren.

Noch menschlicher, vor gut einem Jahr in Dortmund: Da gab es ein Werk zu bewundern mit dem poetischen Titel "Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen". In der Mitte der Holzkonstruktion befand sich ein Gummitrog mit einem weißlichen Kalkfleck – den eine eifrige Putzfrau fachgerecht entfernte.

"Das war vom Künstler nicht so intendiert", erklärte die Sprecherin der Stadtverwaltung. Versicherungswert: rund 800 000 Euro. Wobei, für den Preis hätte sich doch bestimmt jemand gefunden, der ein Loch in die Decke bohrt, bis es tatsächlich hindurchtropft. Aber das ist wohl nicht abstrakt genug.

Wen es ärgert, was alles auf Kosten des Steuerzahlers in Museen hängt, der nehme sich ein Beispiel an einem "Installationskünstler" in New York. Statt ein Bild zu entwenden, hängte er im Guggenheim Museum einfach ein eigenes dazu. Es fiel lange niemandem auf. Auch keinem Affen. Elefanten wurden nicht gefragt.

3/2013

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 3/2013

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