Rückblende: Ein Holztisch für gewaltige Energien

Kaum ein Laborexperiment hat den Lauf der Geschichte so stark geprägt wie dieses. Dabei ging es streng genommen sogar schief. In den 1930er-Jahren begannen Otto Hahn und Lise Meitner, Urankerne mit Neutronen zu beschießen. Etwas später stieß auch Fritz Straßmann zu dem Team dazu. Das Ziel der Experimente galt den Transuranen: Schwere Atomkerne, namentlich Uran und Thorium, wollten die drei durch den Beschuss noch schwerer machen und so Atomkerne mit Ordnungszahlen jenseits des Urans erzeugen.
Doch es kam anders, in zweierlei Hinsicht. Im Sommer 1938 musste die Jüdin Lise Meitner vor den Nationalsozialisten fliehen. Hahn und Straßmann setzten die Versuche fort. Doch was sie dabei fanden, war ihnen ein Rätsel: Durch den Beschuss von Uran entstand nicht etwa ein schwereres Element, sondern Barium – das sehr viel leichter ist als Uran. Konnte es sein, dass der Urankern »zerplatzt« war?
Kurz vor Weihnachten 1938 wandte sich Hahn wegen dieses »höchst merkwürdigen Zufalls« an Meitner, die nun im schwedischen Exil lebte und mit der er schon seit Jahrzehnten eng zusammenarbeitete. Meitner wusste das anstehende Familienfest zu nutzen. Gemeinsam mit ihrem Neffen Otto Frisch fand sie eine Erklärung dafür, wie der große Urankern, ähnlich einem Wassertropfen, durch den Beschuss in Schwingungen gerät und in zwei fast gleich große Fragmente zerfällt – Barium und Krypton. Und noch etwas berechnete sie: Dieser Prozess setzt sehr viel Energie frei. 1945 erhielt Hahn für die Entdeckung den Nobelpreis. Meitner nicht.
Der schlichte Holztisch findet sich heute im Deutschen Museum in München. Auf und unter der Tischplatte arrangiert sind Zählrohre, Verstärker, eine nachgebildete Neutronenquelle und Batterien, mit denen 1938 erstmals nachweislich Atomkerne gespalten wurden.
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