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Krebs verstehen: Welcher Krebs tritt in welchem Alter auf?

Einige Krebsarten sind häufig, andere besonders gefährlich. Die Krebsstatistik zeigt deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen – und offenbart, wer in welchem Alter betroffen ist.
Eine Gruppe von sieben Personen unterschiedlichen Alters sitzt auf einer Steinmauer und blickt auf eine bewaldete Landschaft. Im Vordergrund ist grünes Gras zu sehen, während im Hintergrund Bäume und Hügel die Aussicht prägen.
Krebserkrankungen treten nicht gleich auf – weder über das Leben hinweg noch bei Männern und Frauen.

Statistisch gesehen erkrankt fast jeder zweite Mensch im Lauf seines Lebens an irgendeiner Art von Krebs. Weil man selbst betroffen ist oder eine betroffene Person kennt, geht das Thema damit alle etwas an. Gleichzeitig wissen viele Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen sehr wenig über die Erkrankung. Was passiert dabei im Körper? Warum bekommt nicht jeder Krebs? Und wie individuell läuft eine Krebstherapie eigentlich ab? Diese und weitere Fragen beantwortet die Ärztin Marisa Gerckens in ihrer Kolumne »Krebs verstehen«.

Im Jahr 2023 erhielten mehr als 500 000 Menschen in Deutschland eine Krebsdiagnose. Dabei machen nur wenige Krebsarten den Großteil aller Erkrankungen aus – und es gibt beträchtliche Unterschiede bei Frauen und Männern, Jüngeren und Älteren.

Bei Frauen sind die drei häufigsten Krebserkrankungen in absteigender Reihenfolge Brust-, Darm- und Lungenkrebs, wenn man den häufigen weißen Hautkrebs, der in den meisten Fällen gutartig verläuft, herausrechnet. Sie stellen bei ihnen zusammen mehr als die Hälfte aller Krebserkrankungen. Es folgen das maligne Melanom, Gebärmutter- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Non-Hodgkin-Lymphome, Eierstockkrebs, Leukämien und Magenkrebs. Besonders selten sind bei Frauen das Mesotheliom oder Krebserkrankungen des Knochens oder Knorpels.

Bei Männern sind die drei häufigsten Krebserkrankungen Prostata-, Lungen- und Darmkrebs, die zusammen wieder für mehr als die Hälfte der Krebserkrankungen verantwortlich sind. Dahinter folgen das maligne Melanom, Harnblasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Non-Hodgkin-Lymphome, Nieren-, Magen-, Mundhöhlen- und Rachenkrebs. Besonders selten sind auch bei Männern Krebserkrankungen des Knochens und Knorpels oder des Auges.

Diese unterschiedlichen Verteilungen verblüffen mich immer wieder. Schließlich kann Krebs fast überall im Körper entstehen. Warum verursachen dann bei beiden Geschlechtern nur wenige Formen jeweils gut die Hälfte der Krebsfälle? Es zeigt sich, dass bestimmte Organe im Körper grundsätzlich anfälliger sind. Denn sie sind Schadstoffen stärker ausgesetzt oder weisen biologische Eigenschaften auf, die die Krebsentstehung fördern.

Die häufigsten Krebsarten sind nicht zwangsläufig die gefährlichsten

Schaut man sich allerdings an, an welchen Krebserkrankungen die meisten Menschen in Deutschland versterben, dreht sich das Bild. Obwohl andere Tumoren – etwa Prostata-, Brust- oder Darmkrebs – bei beiden Geschlechtern viel häufiger diagnostiziert werden, sterben sowohl Männer als auch Frauen am häufigsten an Lungenkrebs. Bauchspeicheldrüsenkrebs und Leberkrebs werden zwar seltener diagnostiziert, sie liegen bei Männern aber auf Platz vier und fünf der Todesursachen. Und bei Frauen befindet sich der seltenere Eierstockkrebs an fünfter Stelle.

Die Zahlen zeigen vor allem, wie unterschiedlich gut sich Krebs behandeln lässt. Zu den Krebserkrankungen mit den statistisch gesehen höchsten Überlebenschancen zählen – neben dem wenig aggressiven weißen Hautkrebs – das maligne Melanom sowie Hoden- und Schilddrüsenkrebs. Hier liegen die Überlebensraten bei etwa 95 Prozent.

Rund 40 Prozent aller Krebsfälle in Deutschland sind auf vermeidbare oder zumindest beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen. Tabakkonsum spielt dabei eine besonders große Rolle. Aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, UV-Strahlung und Infektionen tragen wesentlich zur Krebsentstehung bei.

»Rund 30 Prozent aller Krebsdiagnosen treffen Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren«

Krebs bei jungen Menschen

Das mittlere Erkrankungsalter für Krebs lag 2023 in Deutschland für Frauen bei 69 Jahren, für Männer bei 71 Jahren. Doch rund 30 Prozent aller Krebsdiagnosen treffen Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren.

Einige Krebsformen treten zudem gehäuft in jüngerem Alter auf. So erkranken etwa 15 Prozent der Brustkrebspatientinnen vor dem 50. Lebensjahr, das Durchschnittsalter für Gebärmutterhalskrebs liegt bei 55 Jahren. Bei Männern zwischen 25 und 45 Jahren ist Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung und macht in dieser Altersgruppe rund 20 Prozent der Diagnosen aus.

Weitere Krebserkrankungen in relativ jungem Alter sind das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von 64 Jahren bei Frauen und 69 Jahren bei Männern, sowie bösartige Tumoren des zentralen Nervensystems. Zudem tritt bei Jüngeren Schilddrüsenkrebs im Schnitt mit 51 Jahren bei Frauen und 56 Jahren bei Männern auf und das Hodgkin-Lymphom mit 41 beziehungsweise 47 Jahren. Etwa 10 Prozent der Dickdarmpatienten erkranken vor dem 55. Lebensjahr.

Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind zum Glück selten und machen weniger als ein Prozent der Fälle aus. Etwa eines von 330 Kindern erkrankt bis zum 18. Geburtstag an Krebs. Am häufigsten sind akute lymphatische Leukämien, die bei Mädchen und Jungen rund 30 Prozent der Erkrankungen ausmachen. Die meisten Fälle treten in den ersten vier Lebensjahren auf. Es folgen Tumoren des zentralen Nervensystems mit etwa 25 Prozent sowie Lymphome mit rund 15 Prozent.

Gleichzeitig hat sich die Überlebenschance bei krebskranken Kindern deutlich verbessert. Sie lag Anfang der 1980er-Jahre noch bei unter 70 Prozent, heute erfreulicherweise bei fast 90 Prozent.

»Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, die in den letzten fünf Jahren diagnostiziert wurde«

Auch insgesamt haben sich die Überlebenschancen bei Krebs verbessert. Unabhängig vom steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung ist die Sterblichkeit durch Krebs in Deutschland in den letzten 25 Jahren deutlich gesunken – bei Frauen um mehr als 20 Prozent, bei Männern um mehr als 30 Prozent. Besonders stark zeigt sich dieser Rückgang bei Magen- und Darmkrebs.

Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, die in den letzten fünf Jahren diagnostiziert wurde. Über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg sind es fast fünf Millionen Menschen. In unserer Gesellschaft gibt es also immer mehr Menschen, die Krebs überlebt haben. Sie verdienen meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit, denn viele von ihnen leiden noch heute unter körperlichen, seelischen und finanziellen Folgen ihrer Erkrankung.

Was diese Zahlen für die Krebsprävention bedeuten

Zum Glück gibt es für die häufigsten Krebserkrankungen gute Möglichkeiten zur Früherkennung, etwa für Darm-, Prostata-, oder Brustkrebs. Menschen mit erhöhtem Risiko sollten zudem unbedingt entsprechende Angebote nutzen – etwa starke Raucher das neu eingeführte Lungenkrebsscreening.

Das Potenzial der Krebsprävention ist groß und noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Das zeigt schon die hohe Zahl der Fälle, die vermeidbar wären. Dabei halte ich es für wichtig, Prävention nicht mit Schuldzuweisungen zu verknüpfen, etwa der Frage, ob Raucher ihre Krebserkrankung selbst verantworten.

Denn unser Gesundheitsverhalten wird auch in erheblichem Maß durch die Lebensbedingungen geprägt, in die wir hineingeboren werden. Eine zentrale Aufgabe sollte es deshalb sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Menschen gesundes Verhalten erleichtern. 

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