Rückblende: Ein Rätsel mit drei Rollen

Sie ähnelt einer Schreibmaschine und gibt doch nur Buchstabensalat aus. Die Enigma ist schließlich eine Chiffriermaschine. Drückt man fünfmal hintereinander die Taste »A«, leuchten auf dem Lampenfeld nacheinander die Buchstaben FTZMG auf. Oder OULNY. Oder QXJDU. Die Maschine bot deutschen Funkern während des Zweiten Weltkriegs theoretisch 103 Trilliarden Möglichkeiten, einen Buchstaben zu verschlüsseln. Wer sollte derart chiffrierte Funksprüche knacken?
Seit den 1970er-Jahren wissen wir: Die Alliierten konnten es. Schätzungsweise 70 Prozent der Funksprüche, die das deutsche Militär an sein Heer und seine U-Bootflotte schickte, lasen die Gegner mit. Das zu schaffen, war eine Herkulesaufgabe.
Das Herz der Enigma bestand aus drei Walzen, die axial nebeneinanderlagen. Jede davon war im Inneren so verdrahtet, dass sie beispielsweise auf der einen Seite ein A empfing und auf der anderen Seite ein M ausgab, das dann wiederum an die nächste Walze weitergegeben wurde, die aus dem M vielleicht ein G machte, und so weiter. Die Walzen waren unterschiedlich verdrahtet, und sie konnten in verschiedener Reihenfolge im Gerät angeordnet werden. Zum Lesen eines so verschlüsselten Funkspruchs brauchte etwa die Besatzung eines U-Boots eine Enigma, die exakt so kalibriert war wie die des Senders. Täglich wechselnde Schlüssel, die in Codebüchern festgehalten waren, gaben die Einstellung vor.
Den Briten fehlten diese Codebücher. Stattdessen hatten sie den genialen Mathematiker Alan Turing sowie fast 10 000 fleißige Frauen und eine tickende Maschine – die »Bombe« –, die aus 36 Enigma-Nachbildungen bestand und den Tagesschlüssel innerhalb von Minuten ausspuckte. Dabei konnten sie sich darauf verlassen, dass die Deutschen allmorgendlich das Wort »Wetter« sendeten – eine Steilvorlage für die Codeknacker von der Insel.
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