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Steueraffäre Hoeneß: Scham als Show

Steve Ayan kommentiert das öffentliche Schuldbekenntnis von Uli Hoeneß.
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Öffentlich inszenierte Schuldbekenntnisse wie das von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß in der "Zeit" schmecken meistens schal. Denn niemand vermag zu sagen: Meint er es wirklich ernst? Oder mimt er nur den reuigen Sünder, weil er auf die Gnade des "kleinen Mannes" angewiesen ist, um in Amt und Würden bleiben? Und das will er, aller Schuld zum Trotz.

Das Problem in diesem wie in allen solchen Fällen ist: Wir können nicht in die Köpfe und Herzen unserer Mitmenschen hineinblicken. Und möchten doch nichts sehnlicher. So sehr es das Publikum nach echten Gefühlen dürstet, so albern wirkt es, sie von Hoeneß vor aller Augen ausbreiten zu lassen. Authentizität und Showeffekte vertragen sich nun einmal schlecht.

Das kalkulierte Mea culpa soll der Öffentlichkeit ein mildes Urteil nahelegen: Seht, er bekennt seine Schuld, also Schwamm drüber! Zumal bei einem Vergehen wie Steuerhinterziehung, mit dem viele Bürger zumindest insgeheim schon einmal liebäugelten.

Keine Frage, dem tragischen Volkshelden Hoeneß wird man vergeben – und sei es erst nach einer kleinen Auszeit als Bayern-Präsident. Vorausgesetzt, der Mann zelebriert seine Läuterung weiter mit einem ordentlichen Schuss Seelenstriptease. Der Deal heißt: Voyeurismus gegen Verzeihen. Zeige mir, was für ein schwacher Mensch du warst, und mein gerechter Zorn wird dich verschonen. So schließt die Selbstentblößung unvermeidlich den Hinweis auf eigene seelische Abgründe ein, auf Spielsucht, Gier und moralisches Versagen. Denn das bietet die beste Gewähr, am Ende mit einem blauen Auge davonzukommen. So funktioniert Mediendemokratie. Die Show muss schließlich weitergehen.

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