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Meinels Web-Tutorial: Schöne neue (Digital-)Welt

Eine fundamental neue Welt eröffnen uns die großen Digitalunternehmen. Doch wie wir am Ende darin leben wollen, das hängt vor allem von uns selbst ab, argumentiert unser Kolumnist Christoph Meinel in der zweiten Folge von »Meinels Web-Tutorial«.
Smartphone mit Facebook-Daumen im GrünenLaden...

In seiner kurzen Geschichte haben es Internet und WWW geschafft, weltweit Menschen, Maschinen, Dienste und Medieninhalte aller Art zu verknüpfen und die Erfahrung eines ganzheitlichen und einheitlichen Netzraums zu erschaffen – unsere neue digitale Welt. Dabei werden nicht nur bestehende Medien verknüpft und global niedrigschwellig zur Verfügung gestellt, sondern ganz neue Medien und Dienste erfunden, deren weltweite Nutzung das Kommunikationsgebaren revolutioniert hat. Besonders die großen Digitalunternehmen sind extrem erfolgreich bei der Bereitstellung von Inhalten für die schöne neue digitale Welt, die uns in ihren Bann zieht. Die Anlehnung an Aldous Huxleys dystopischen Sciencefiction-Roman ist dabei nicht zufällig. In der Tat wird es stark davon abhängen, wie wir diese neue Welt kolonisieren, wie wir lernen, uns in ihr zu bewegen, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, Regeln zu setzen und durchzusetzen.

Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, was alles in dieser digitalen Welt möglich ist und wie sie sich von der alten unterscheidet. Die E-Mail als digitale Post ist zum wichtigsten Kommunikationsmedium geworden – in jeder Minute werden weltweit über 150 Millionen Nachrichten verschickt. Ergänzend kommen zahlreiche weitere Dienste wie Skype, WhatsApp, Viber und WeChat hinzu, die in ähnlicher Größenordnung unkomplizierte und unmittelbare multimediale Kommunikation zwischen Menschen ermöglichen.

Jeden Tag werden zirka 150 000 neue Internetseiten registriert. Sie erweitern die digitale Welt und unsere Möglichkeiten der Informationsverbreitung und des Austauschs. Praktisch jeder kann sich über eine oder gleich mehrere Webseiten einen Platz in der neuen Welt einrichten und mit den anderen Playern im digitalen Kosmos in Interaktion treten. Um sich in dem immer weiter wachsenden Verbund von heute geschätzt 1,24 Milliarden Webseiten zurechtzufinden, braucht es immer bessere Techniken zur Assoziation und Navigation innerhalb dieses digitalen Raums. Die klassischen analogen Verfahren versagen und werden um neue Technologien wie der Websuche ergänzt. Google ist nicht die einzige und nicht die erste Suchmaschine, die uns hilft, diejenigen Informationen zu finden, die wir suchen, aber Google hat es geschafft, mit cleveren Algorithmen, der Integration von Methoden der künstlichen Intelligenz und der ständigen Weiterentwicklung dieser Suchtechnologien zum globalen Standard für die Websuche zu werden. In jeder Minute werden über Google 2,4 Millionen Suchanfragen gestellt; das Wort »googeln« hat es inzwischen sogar in den Duden geschafft.

In den sozialen Medien entstehen neue, bisher ungekannte Habitate für den Homo digitalis. In der »Facebook-Nation« tummeln sich inzwischen über 1,3 Milliarden Nutzer, die stündlich 180 Millionen Inhalte teilen und »liken«. Der Kurznachrichtendienst Twitter ist zu einem bestimmenden Faktor geworden, der sogar politische Prozesse begleitet und transformiert. 700 Millionen Nachrichten werden hier täglich versendet, banale Berichte zum morgendlichen Frühstücksei bis hin zu weltbewegenden Ankündigungen des US-amerikanischen Präsidenten.

Die digitale Welt ermöglicht globale Interaktionen, die um mehrere Größenordnungen über allem bisher Gekannten liegen

Jeder kann Zugang zur digitalen Welt erlangen, die sich wie eine zweite neue Welt über unsere althergebrachte physische Welt wölbt und sich mit dieser verwebt. Jeder kann Anteil am globalen Informationsaustausch erlangen und diesen mitgestalten, und jeder hat die Möglichkeit, über die Digitalisierung analoge Ressourcen effizienter zu nutzen und seine Aufgaben im Alltag, im Beruf und als Teil der Gesellschaft leichter zu erfüllen.

Die Plattform Airbnb, über die jeder ein Zimmer, die eigene Wohnung oder ganze Häuser zur Vermietung anbieten kann, revolutioniert das Gastgewerbe. Über vier Millionen Unterkünfte werden in 190 Ländern der Erde angeboten. Der Fahrdienst Uber vermittelt jährlich über vier Milliarden Fahrten, und die Mitfahrzentrale BlaBlaCar hat mehr als 65 Millionen Mitglieder weltweit. Auf Youtube werden in jeder Minute über 400 Stunden an Videomaterial hochgeladen, und große Videostreaming-Plattformen wie Netflix, Amazon Prime oder Sky erreichen Millionen von Nutzern, die zusammengenommen mehrere hunderttausend Stunden Videos in der Minute konsumieren. Über Yelp können Nutzer zu Restaurantkritikern werden und die Qualität von Speisen und Services bewerten. Täglich kommen mehr als 40 000 neue Reviews hinzu. Überhaupt ermöglichen es alle diese Dienste, eigene Erfahrungen mit angebotenen Diensten zu teilen. Dabei werden solche Bewertungen zum integralen Bestandteil der Dienste selbst und schaffen eine neue, bisher ungekannte Datengrundlage für die Messung der Qualität und Popularität von Dienstleistungen und Produkten.

Auch und gerade die Geschäftsmodelle des Handels stehen im Wandel. Der einstige Bücherhändler Amazon hat sich durch die konsequente Nutzung und Implementierung digitaler Technologien ein globales Handelsimperium aufgebaut. Über die modulare Plattform vernetzt Amazon inzwischen rund sechs Millionen Händler weltweit, schafft globale Standards und Vertrauen im Austausch und der Rücknahme von Waren. Die Konkurrenzplattform eBay ermöglicht es jedem, über ein ausgeklügeltes Versteigerungssystem Waren zu kaufen oder zu verkaufen. Mit PayPal ist eine weitere digitale Plattform entstanden, die weltweit auf einfache und vertrauensvolle Weise Werte transferiert. Bereits über 250 Millionen Nutzer zahlen mit PayPal bei fast zehn Milliarden Transaktionen jährlich. Allen diesen westlichen Diensten stehen vermehrt auch chinesische Dienste mit einem Binnenmarkt von 1,4 Milliarden Menschen gegenüber.

Allein diese kurze Aufzählung macht klar, dass Internet und WWW als Grundlagentechnologie unsere Welt in einem außerordentlichen Maß verändern. In dieser digitalen Welt mit ihren neuen Räumen sind globale Interaktionen möglich, die um mehrere Größenordnungen über allem bisher Gekannten liegen. Die digitale Transformation läutet damit in allen Bereichen unserer Gesellschaft Paradigmenwechsel ein und fordert uns als die erste Generation, die diese Entwicklung angestoßen und in Gang gesetzt hat, heraus, diese so gut als möglich zu verstehen, aktiv gesellschaftlich zu begleiten und zu gestalten.

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