Schule neu denken: Dringend gesucht: Ein Positivbild von Schule

Wer steckt tiefer im Schlamassel: die Deutsche Bahn oder die deutschen Schulen? Lehrkräfte, Eltern, Psychologen, Schüler – viele verdrehen nur noch die Augen. Schlechte Infrastruktur, veraltete Lehrpläne, kurze Aufmerksamkeitsspannen, nachlassende Leistungen, mehr psychische Diagnosen … Die Liste der Probleme ist lang.
Doch müssten wir nicht wissen, wie Schule besser geht? Die Wissenschaft erforscht kontinuierlich, wann Lernen gelingt, was guten Unterricht ausmacht und wie eine positive Schulkultur entsteht. Eine ganze Fächerbatterie widmet sich diesen Fragen: Erziehungswissenschaft, pädagogische Psychologie, Didaktik, Bildungssoziologie und spezialisiertere Forschungsbereiche wie Begabungs- oder Lehr-Lern-Forschung. Hinzu kommt das bedeutende Erfahrungswissen aus der Schulpraxis.
Viele Fragen an die Schule von morgen
Wie also müsste Schule aussehen, wenn man Forschung und Praxis einmal konsequent zusammendenkt? Wie würde dann Unterricht geplant und gestaltet? Welche Kompetenzen für die Welt von morgen gilt es zu vermitteln? Wie werden Kinder und Jugendliche zu mündigen Bürgern? Wie zu kritischen, aktiven Gestaltern digitaler Welten? Was kann KI zur individuellen Förderung beitragen? Wie entsteht eine Schulkultur, die Miteinander und psychische Gesundheit fördert? Wie sollten Schulsystem und Lehrkräfteausbildung im Bildungsföderalismus gestaltet sein? Und nicht zuletzt: Wie gelingt die große Transformation zu diesem Zukunftsbild?
Um den Klagen über den Status quo einmal ein konstruktives Zukunftsbild entgegenzusetzen, hat »Spektrum der Wissenschaft« 17 führende deutsche Bildungsexpertinnen und -experten gebeten, ein solches zu zeichnen. Nach einem Jahr Arbeit liegt dieses Bild der »Schule der Zukunft« nun in Form von 15 eng aufeinander abgestimmten Denkanstößen vor – das redaktionell aufwendigste Einzelprojekt in fast 50 Jahren »Spektrum der Wissenschaft«. Es könnte den Blick nach vorn richten und so die Meinungsbildung darüber beflügeln, wie wir Schule gestalten wollen.
Nicht nur in Jahren mit Landtagswahlen steht Bildung bei vielen Menschen weit oben auf der Agenda – zu Recht. Denn eines ist klar: Schule ist kein isoliertes Problem von Trägern, Lehrkräften und Familien mit Kindern. Schule betrifft die gesamte Gesellschaft und fordert unser langfristiges Engagement. Die Sorge um ihre Zukunft muss ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken; zu oft reden wir über anderes. Um die Diskussion zu befördern, wird sich »Spektrum der Wissenschaft« in den kommenden Wochen in einer Artikelreihe »Schule neu denken« des Themas weiterhin annehmen.
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