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Springers Einwürfe: Weltraumdiplomatie – jetzt!

Mehrere Staaten spielen mit der Idee, den Mond zu besiedeln, auch Privatunternehmen streben ins All. Schon im Planungsstadium muss sich entscheiden: Soll einseitige Landnahme oder internationale Forschung oberstes Ziel sein?
Eine Darstellung von Weltraumschrott, der die Erde umkreist. Im Vordergrund sind mehrere Satelliten und Trümmerteile zu sehen, die vor dem Hintergrund der Erdatmosphäre schweben. Die Szene wird von einem fernen Lichtpunkt beleuchtet, der die Objekte in ein schwaches Licht taucht. Das Bild veranschaulicht das Problem der zunehmenden Menge an Weltraummüll im Orbit. Schlüsselwörter: Weltraumschrott, Satelliten, Erdatmosphäre, Orbit.
Ungezügelte private Raumfahrt droht den Erdorbit mit Satelliten heillos zu überfrachten (Illustration).
Ist die Energiewende sauber durchgerechnet? Kann die Forschung wirklich die Zukunft voraussagen? Und widerspricht die Quantenphysik sich selbst? In seinen Kommentaren geht der Physiker und Schriftsteller Michael Springer diesen und anderen Fragen am Rande des aktuellen Wissenschaftsgeschehens nach. Seit 2005 erscheint seine Kolumne »Springers Einwürfe«.

Die Apollo-11-Mission hinterließ 1969 eine Plakette, auf der es heißt: »We came in peace for all mankind.« Inmitten des Kalten Kriegs setzten die Mondfahrer damit ein Zeichen: Sie kamen in Frieden für die ganze Menschheit. Auch die Internationale Raumstation ISS ist ein stolzes Monument gelungener Weltraumdiplomatie und wird von 15 Staaten gemeinsam betrieben.

Die Zeiten haben sich geändert. Seit dem Frühjahr 2018 umkreist ein kirschroter Sportwagen der Marke Tesla die Sonne. Am Steuer sitzt eine Schaufensterpuppe im Raumanzug. Damit wollte Elon Musk zeigen, dass die Raketen seines Raumfahrtunternehmens SpaceX fähig sind, Nutzlasten bis zur Umlaufbahn des Mars zu befördern.

Wenn der Weltraum nicht zur Spielwiese narzisstischer Kindsköpfe werden soll, müssen die Länder wieder lernen, ihre Egoismen wenigstens jenseits der Erde im Zaum zu halten. Der Wildwuchs staatlicher und privater Programme macht unseren Himmel allmählich dicht. Zu der vierstelligen Anzahl aktiver Satelliten aus über 90 Ländern kommen jährlich Tausende hinzu, vor allem für die Starlink-Konstellation von SpaceX aus inzwischen mehr als 10 000 Satelliten. Weitere Privatfirmen wie Amazon und Raumfahrtunternehmen wie Blue Origin wollen zukünftig mitmischen – von den Unmengen an Weltraummüll ganz zu schweigen.

Regulierungsinstrumente wären vorhanden: Jeder Satellitenstart muss staatlich genehmigt werden. Damit ließe sich das Mengenproblem eigentlich leicht steuern. Hinzu kommen sollten Auflagen, welche die Störungen spezieller Radiofrequenzen eindämmen, und vor allem braucht es Maßnahmen gegen die Reflexionen am Nachthimmel, mit denen die Satelliten astronomische Beobachtungen behelligen.

In der Ära teils privater Raumfahrt sind drei Instanzen im Spiel: Für Staaten stehen Souveränität und militärische Sicherheit im Vordergrund; Firmen streben Priorität und kommerziellen Vorteil an; die Wissenschaft braucht Planungsstabilität und ungehinderten Zugang zu Daten und Beobachtungen.

Gemeinnützige Organisationen als Katalysatoren

Um die Interessen abzugleichen, ist Weltraumdiplomatie gefragt, erläutert Gioia Rau in einem Kommentar im Fachjournal »Nature«. Rau ist Programmdirektorin bei der National Science Foundation der USA sowie bei Schmidt Sciences, einer philanthropischen Organisation in Arlington, US-Bundesstaat Virginia. Wie Rau betont, muss die Wissenschaft jetzt oder nie die führende Rolle bei der Planung von Missionen übernehmen.

Mit Co-Autoren wie Vinton Cerf, dem »Vater des Internets« und Vizepräsidenten von Google, sowie Marc Jochemich, dem Ex-Chef des Washingtoner Büros des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, hebt Rau in einem weiteren, gemeinsamen Beitrag gemeinnützige Organisationen als Bindeglied zwischen privatem Kommerz und öffentlicher Förderung hervor. Je mehr Letztere vor allem in den USA zusammengestrichen wird, desto wichtiger wird die Hilfe durch philanthropische Stiftungen. Sie können zwar staatliche Finanzierung nicht ersetzen, wohl aber als Katalysatoren für öffentlich-private Partnerschaften wirken. Schon eine 50-Millionen-Dollar-Spende vermag ein Dutzend kleiner Missionen zur Sonne oder zu Planeten zu finanzieren – oder eine hochauflösende Karte des Monds.

Gioia Rau erinnert an internationale Organisationen, die für Weltraumdiplomatie bereitstehen: das United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA), das UN-Committee on the Peaceful Uses of Outer Space (COPUOS) oder die Lunar Policy Platform (LPP), eine Nichtregierungsorganisation in Amsterdam. Chinas geplante internationale Mondforschungsstation koordiniert 17 Länder und mehr als 50 Forschungseinrichtungen. Auch Indien, Afrika und Lateinamerika haben eigene Weltraumorganisationen, die sich auf die kommende Raumfahrtära vorbereiten. Von ihnen hängt ab, ob das All eine vermüllte Abraumhalde wird oder ein Ort unendlichen Staunens bleibt.

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  • Quellen

Rau, G., Nature 10.1038/d41586–025–03720–2, 2025

Rau, G. et al., Nature 10.1038/d41586–026–01298-x, 2026

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