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Unwahrscheinlich tödlich: Tod durch Grillbürste

Sommerzeit ist Barbecue-Zeit. Doch wer beim Reinigen des Grillrosts nicht vorsichtig ist, riskiert beim nächsten Mahl mitunter lebensgefährliche Verletzungen.
Eine Person mit Handschuhen reinigt einen Grillrost mit einer Drahtbürste.
Vorsicht: Beim Schrubben eingebrannter Reste können sich Teile der Metallborsten von der Grillbürste lösen. Und wenn sie mit dem Gegrillten verspeist werden, wird das unter Umständen lebensbedrohlich.
Eines ist sicher: Irgendwann geben wir alle den Löffel ab. Weniger absehbar ist das Wie. Denn es gibt eine schier unendliche Zahl an Wegen, die einen Menschen ins Grab bringen können – manche von ihnen außergewöhnlicher, verblüffender und bizarrer als andere. In der Kolumne »Unwahrscheinlich tödlich« stellen wir regelmäßig solche Fälle vor, von bissigen Menschen über giftige Reisbällchen bis hin zu lebensgefährlichem Sex.

Wenn die Temperaturen steigen, beginnt oft der Duft von brutzelndem Fleisch durch die Luft zu wehen. Denn viele Menschen nutzen die warmen Tage und lauen Abende gern dazu, ihrem Appetit auf Gegrilltes nachzugeben. Dabei lauern so einige Gefahren – von Verbrennungen über Lebensmittelvergiftungen aufgrund unzureichender Kühlung der Rohwaren bis hin zum Hitzschlag, wenn das Thermometer, wie bei mir gerade, mehr als 35 Grad anzeigt. Das Risiko, um das es hier geht, haben aber wohl die wenigsten auf dem Schirm: Wer seinen Grillrost mit einer Grillbürste sauber macht, setzt im schlimmsten Fall das Leben seiner Gäste aufs Spiel.

Reinigungsbürsten mit Stahlborsten wirken zwar wie ein praktisches Mittel, um eingebrannte Reste vom Rost zu entfernen. Doch beim Schrubben können sich Metallfäden lösen und an der Grilloberfläche hängen bleiben. Mit etwas Pech dringen sie beim nächsten Barbecue in das Grillgut ein und landen dann unbemerkt im Körper der unglücklichen Person, die es vertilgt. Das ist gar nicht so abwegig, wie es vielleicht klingt: Allein in den USA kommt es jährlich zu mehr als 130 Notarztbesuchen wegen verschluckter Borsten von Grillbürsten. Wie viele weitere den Verdauungstrakt passieren, ohne Probleme auszulösen, lässt sich kaum abschätzen.

Zahlreiche der aufgenommenen Drahtstücke bohren sich bereits im Mund oder Rachen in das Gewebe. Das ist zwar unangenehm, aber meistens nicht besonders gefährlich (wenngleich das Entfernen durchaus komplex sein kann, wie einige Fallberichte zeigen). Weitaus riskanter wird es, wenn der Metallfaden es in den Magen-Darm-Trakt schafft und dort stecken bleibt.

Kleiner Fremdkörper, große Probleme

Dann kann die Sache auch mal tödlich ausgehen. 2014 entdeckten Pathologen in Iowa etwa bei der Obduktion eines kurz zuvor Verstorbenen eine Metallborste, die bis dahin unentdeckt geblieben war. Sie hatte ein kleines Loch in den Dünndarm des Mannes gerissen, wodurch halb verdauter Nahrungsbrei in die Bauchhöhle eindringen konnte. Das löste bei ihm eine Bauchfellentzündung aus, die ihn letztlich das Leben kostete. Seine Familienmitglieder legten im Anschluss die Grillbürste vor, von der das Metallteil zu stammen schien.

Jede Menge Glück hatte hingegen ein Mann in Detroit. Er kam in die Notaufnahme, weil er bereits zwei Wochen lang unter Bauchschmerzen, Übelkeit und Fieber gelitten hatte. Einmal, so erzählte er dem Behandlungsteam, sei auch hellrotes Blut aus seinem Rektum gelaufen. Mittels Bildgebungsverfahren fanden die Ärztinnen und Ärzte ein circa drei Zentimeter langes Stückchen Metalldraht, das sich von seiner Speiseröhre aus in seine Lungenschlagader gebohrt hatte. Dieses stellte sich später als Borste einer Grillbürste heraus.

Der Patient hatte zwar glücklicherweise nicht viel Blut verloren, doch die Verletzung hatte in seinem Bauchraum mehrere eitrige Entzündungen verursacht. Keime waren bereits in seinen Blutkreislauf eingedrungen und lösten dort eine systemische Infektion aus. Zur Bekämpfung erhielt er unter anderem Antibiotika. In einer Operation wurden schließlich die Abszesse ausgespült und entfernt. Ein Teil seiner Aorta musste abgetrennt und durch ein Transplantat ersetzt werden. Der 60-Jährige erholte sich gut von dem Eingriff und konnte das Krankenhaus nach rund drei Wochen wieder verlassen.

Chirurgen warnen bereits vor Grillbürsten

Die US-amerikanische chirurgische Fachgesellschaft American College of Surgeons forderte bereits 2023, Konsumenten mithilfe von Verpackungshinweisen besser über die Risiken von Grillbürsten aufzuklären und sie stärker vor minderwertig produzierten Produkten zu schützen. Denn trotz der Gefahren erfreuten sich die Tools dort zuletzt steigender Beliebtheit: Einer Untersuchung zufolge dürften sich die Verletzungen durch Metallborsten von 2010 bis 2023 in etwa verdreifacht haben, im Gleichschritt mit den Verkaufszahlen der Reinigungsbürsten.

Wenn man trotz der bekannten Gefahren unbedingt solche Hilfsmittel verwenden will, kann man zumindest das Risiko minimieren. Dazu sollte man erstens auf die Qualität der Grillbürste achten und nur Produkte vertrauenswürdiger Hersteller kaufen. Zweitens verschleißen insbesondere kleine Teile schnell – mit der Zeit wird es wahrscheinlicher, dass sich Metallborsten lösen. Deshalb ist es ratsam, die alte Bürste regelmäßig gegen eine neue auszutauschen. Auch ein nicht allzu grober Umgang mit der Putzhilfe hilft. Man sollte beispielsweise den Grillrost vor dem Reinigen einweichen und nicht versuchen, stark eingebrannte und eingetrocknete Reste allein mit Entschlossenheit und Muskelkraft wegzuschrubben. Und am Schluss sollte man den Rost gründlich abspülen und prüfen, ob sich an der einen oder anderen Stelle ein Metallteil verfangen hat. Wem das zu kompliziert ist, der verzichtet besser auf Grillbürsten – und reinigt den Rost stattdessen mit Putzschwämmchen, Zeitungspapier oder mittels Pyrolyse.

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