Unwahrscheinlich tödlich: Tod durch Lachen

Was ist der lustigste Witz der Welt? Da Humor eine Frage des Geschmacks ist, wird sich das wohl nicht allgemein beantworten lassen. Für den altgriechischen Philosophen Chrysippos von Soloi war es vermutlich der, den er kurz vor seinem Tod selbst machte. Als er einem Esel dabei zusah, wie dieser fermentierte Feigen vertilgte, soll er einen Sklaven angewiesen haben, dem Tier unverdünnten Wein zu bringen, damit es die Früchte mit diesem hinunterspülen könne. Seinem Biografen Diogenes Laërtius zufolge fand er diese Bemerkung so lustig, dass er daraufhin in schallendes Gelächter ausbrach – und prompt verstarb.
Die Legende vom »Mann, den das Lachen über seinen eigenen Witz umbrachte« lässt sich heute, mehr als 2200 Jahre später, nicht mehr verifizieren. Dass Lachanfälle jedoch wenig erheiternde Folgen haben können, zeigen auch andere, besser belegte Berichte aus der Neuzeit.
So beschreibt etwa eine 2012 erschienene Arbeit den Fall einer Frau, die nach einem intensiven Lachkrampf kollabierte und an Herzversagen starb. Wie bei vielen ähnlichen Fällen war sie wegen Vorerkrankungen besonders gefährdet: Sie litt unter einer Herzkomplikation, die das Risiko für Herzrhythmusstörungen und den plötzlichen Herztod stark erhöht. Ein Medikament, das sie einnahm, verschärfte die Gefahr weiter. Man kann also nicht sagen, dass allein der Lachanfall ihren Tod verursachte.
Wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt
Gefährlich wird es aber nicht nur, wenn das Herz versagt. Auch die Lunge ist bei einem Lachkrampf stark gefordert. Zwischen den Lachsalven muss man schließlich ausreichend schnell Sauerstoff in die Atemwege befördern, um nicht in Ohnmacht zu fallen. Das Schnappen nach Luft kann mitunter eine Asthmaattacke triggern oder sogar zum Lungenkollaps führen. Außerdem besteht das Risiko, beim Lachen einen Fremdkörper zu verschlucken – etwa einen Bissen Essen, einen Kaugummi oder ein anderes Objekt, das sich im oder nahe dem Mund befindet. Dabei kann Material in die Lunge gelangen oder in der Speiseröhre beziehungsweise im Magen-Darm-Trakt stecken bleiben. Beispiele für die möglichen Folgen solcher unschönen Zwischenfälle finden Sie in einem früheren Kolumnenbeitrag über tödliche Fischgräten.
Apropos Ohnmacht: Beim Lachkrampf kann es auch zur vorübergehenden Minderdurchblutung des Gehirns kommen, was einen plötzlich einsetzenden, kurzen Bewusstseinsverlust nach sich zieht. Fachleute vermuten, dass der während des Gelächters erhöhte Druck im Brustkorb dafür verantwortlich ist. Er hindert das Blut kurzzeitig daran, aus den Gliedern ins Herz zurückzufließen. Das kann einen Blutdruckabfall und akuten Kreislaufkollaps zur Folge haben. Das Phänomen nennt man »Seinfeld-Synkope«, weil der erste wissenschaftlich beschriebene Fall einen 62-jährigen Mann betraf, dem genau das beim Schauen der gleichnamigen TV-Serie passierte – und zwar mehrmals. Einmal entkam er dabei nur knapp dem Tod. Bei einem Lachkrampf am Esstisch verlor er das Bewusstsein und fiel mit dem Gesicht voran auf den Speiseteller. Seine Ehefrau rettete ihn vor dem Ersticken.
Gefährliche Schadenfreude
Eine Dekade später, im Jahr 2007, schlug die Seinfeld-Synkope bei einem 29-Jährigen zu. Dieser hatte sich nicht an einer Comedy-Sendung erheitert, sondern am Ungeschick eines Arbeitskollegen. Der war gestolpert und gegen ein Waschbecken gedonnert, worauf der Patient sich vor Lachen nur so krümmte und schließlich bewusstlos umkippte. Er kam aber schnell wieder zu sich; glücklicherweise hatte er sich beim Sturz nicht verletzt. Das kann passieren, wenn Betroffene ungünstig auf den Boden oder einen harten Gegenstand fallen – bis hin zu lebensbedrohlichen Kopfwunden. Bislang sind in der Literatur zum Glück noch keine derartigen Unfälle beschrieben.
Ebenfalls gefährlich ist die sogenannte Kataplexie. Das Syndrom geht vom Gehirn aus und äußert sich in Form von Episoden, bei denen es zu einem kurzfristigen Verlust der Muskelspannung kommt. So etwas passiert insbesondere in hochemotionalen Situationen, also etwa beim Lachen. Das Ergebnis ähnelt einer Ohnmacht, nur dass die Person hier bei vollem Bewusstsein ist. Kataplexie tritt meist im Rahmen einer Narkolepsie auf – einer Hirnstörung, die Betroffene mehrmals pro Tag plötzlich einnicken lässt. Auch mit ihr geht natürlich eine erhöhte Sturz- und Verletzungsgefahr einher.
Die Abwägung, ob Lachen die beste Medizin ist, überlasse ich nun jedem Einzelnen. Es lässt sich allerdings zusammenfassend festhalten, dass es auch dabei gewisse Risiken und Nebenwirkungen gibt. Ein Lachkrampf kann nicht nur den Bauch- und Gesichtsmuskeln wehtun. Im falschen Moment oder bei entsprechender Vorerkrankung kann der Spaß ganz schön ins Auge gehen.
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