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Angemerkt!: Unfreiheit der Forschung

Daniel LingenhöhlLaden...
Das Verhältnis zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten ist seit langem ein besonderes, das in der Geschichte weit zurück in die Kolonialzeit reicht, als die USA die Zuckerrohrinsel beherrschten. Frei von Spannungen war diese Beziehung selten, aber nie war sie schlechter als heute. Bürger der Vereinigten Staaten dürfen Castros Land schon lange nicht mehr besuchen (tun es aber über Drittstaaten trotzdem), und auch der US-amerikanischen Wirtschaft ist es nicht erlaubt, auf Kuba zu investieren.

Diese Einschränkungen galten allerdings nicht für US-amerikanische Studenten und Wissenschaftler, die immerhin mit Sondergenehmigung den Karibikstaat zu Forschungszwecken bereisen durften – bislang: Denn zumindest Wissenschaftlern von Hochschulen Floridas ist dies zukünftig gesetzlich völlig untersagt. Eine neue Regelung, eingebracht vom exilkubanischen Republikaner David Rivera, verbietet jetzt den Austausch mit kubanischen Forschern, obwohl dies auf Bundesebene – noch – erlaubt ist. Der Hauptgrund: Kuba zähle zu den sechs Staaten weltweit, die den Terrorismus fördern und dürfe deshalb nicht Zugang zum wissenschaftlichen Fortschritt erhalten, so Rivera.

Davon betroffen sind viele Projekte aus den Bereichen Landwirtschaft, Biologie oder Medizin – etwa über die ökologischen Folgen der von Kuba geplanten Ölförderung in der Meeresstraße zwischen der Insel und Florida, obwohl bei Unfällen oder Lecks auch die Fischgründe der südlichen Bundesstaaten der USA betroffen sein könnten. Aber, so Rivera weiter, der US-Steuerzahler möchte keine terroristischen Staaten unterstützen, wenn sein Land weltweit dagegen kämpfe.

Und scheinbar auch dann nicht, wenn dieser Bürger selbst davon profitieren könnte und sich die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler gegen diese Einschränkung ausspricht. Schließlich zeigt ein Blick auf die Weltgeschichte, dass sich in der Vergangenheit die am stärksten isolierten Diktaturen meist auch am längsten halten konnten – siehe Nordkorea. Ohne Austausch mit der Außenwelt können Tyrannen sehr einfach von ihren Problemen ablenken und den Ärger auf einen äußeren Gegner abschieben. Kommunikation dagegen befördert den Wandel, bringt er doch neue Ideen und andere Ansichten ins Land.

Kuba ist eine Diktatur und missachtet vielfach verschiedene Menschenrechte – etwa die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Doch es ist sicherlich der falsche Weg, das Land, seine Forscher und damit letztlich auch die gesamte kubanische Bevölkerung von großen Teilen des direkten wissenschaftlichen und medizinischen Austauschs und damit Fortschritts auszuschließen. Dazu berechtigt auch kein vermeintlicher Krieg gegen den Terror.
13.06.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 13.06.2006

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