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Unwahrscheinlich tödlich: Tod durch Knutschfleck

Nicht der Knutschfleck selbst ist die Gefahr, sondern was heftiges Schmusen manchmal in der Halsschlagader darunter erzeugt: Es kann im schlimmsten Fall einen lebensgefährlichen Schlaganfall auslösen.
Der mit Kussabdrücken und einem Knutschfleck übersähte Nacken einer Frau mit langen Haaren.
Meistens ist das Saugen und Knabbern am Nacken ein harmloser Spaß. Nur ganz selten entsteht versteckt unter dem Knutschfleck ein Blutgerinnsel, das potenziell gefährlich werden kann.
Eines ist sicher: Irgendwann geben wir alle den Löffel ab. Weniger absehbar ist das Wie. Denn es gibt eine schier unendliche Zahl an Wegen, die einen Menschen ins Grab bringen können – manche von ihnen außergewöhnlicher, verblüffender und bizarrer als andere. In der Kolumne »Unwahrscheinlich tödlich« stellen wir regelmäßig solche Fälle vor, von bissigen Menschen über giftige Reisbällchen bis hin zu lebensgefährlichem Sex.

Küssen ist ja bekanntlich gesund – zumindest so lange, bis man sich vom Gegenüber eine fiese Infektion wie Herpes oder Pfeiffersches Drüsenfieber einfängt. Doch auch ohne Austausch von Körperflüssigkeiten ist man nicht vor aller Gefahr gefeit. Beim genüsslichen Schmatzer am Hals entsteht zwar meist nur ein harmloser Bluterguss. Aber in seltenen Fällen kann sich unter dem Knutschfleck ein weitaus bösartigerer Prozess abspielen. Mit einer ordentlichen Portion Pech führt der dann zu einem lebensbedrohlichen Schlaganfall. 

2016 musste das ein 17-Jähriger in Mexiko am eigenen Leib erfahren. Er kam nach Hause, nachdem er ein paar Stunden mit seiner Freundin verbracht hatte – mindestens einen Teil davon im intimen Austausch, wie der sich abzeichnende Knutschfleck auf seinem Hals verriet. Beim gemeinsamen Abendessen mit seiner Familie bekam der Junge plötzlich einen Krampfanfall, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Er starb nur wenig später. Als Todesursache nannten diverse Medienberichte (unter anderem im »Time Magazine«) einen Schlaganfall. Sein Ausgangspunkt: ein Blutgerinnsel, das nach dem Knutscher seiner Freundin in seiner Halsarterie entstanden sein soll.

Eine Beschreibung des Falls in der Fachliteratur fehlt zwar, doch der kolportierte Mechanismus ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Demnach sei in einer der Halsschlagadern des Jungen durch die mechanische Einwirkung beim Saugen und Knabbern ein Blutpfropf entstanden. Meist bilden sich solche Thrombosen eher in den tiefen Beinvenen. Wenn sie sich dort von der Gefäßwand ablösen und mit dem Blutstrom mitgerissen werden, bleiben sie in der Folge häufig in einer Lungenarterie stecken und schränken die Blutzufuhr in das Organ ein – das Resultat ist eine Lungenembolie. Je größer die verstopfte Ader ist, desto gefährlicher ist das. In Deutschland sterben Hochrechnungen zufolge dadurch jährlich mehr als 40 000 Menschen.

Per Knutschfleck ins Gehirn?

Ein Gerinnsel in einer Halsschlagader ist sogar noch kritischer. Denn die Gefäße führen auf direktem Weg ins Gehirn. Hier verzweigen sie sich in mehrere dünnere Äste, die in ein Netzwerk an Kapillaren münden. Eine Blockade einer dieser Röhren hindert sauerstoff- und nährstoffreiches Blut daran, die nachfolgenden Adern und die von ihnen versorgten Hirnareale zu erreichen. Ein solcher ischämischer Schlaganfall führt in dem empfindlichen Organ dann schnell zu irreparablen Schäden. Der mexikanische Junge hatte Pech, denn bei ihm bedingte vermutlich genau dieser Prozess seinen Tod.

Glimpflicher ging der Fall einer Dänin aus, der 2014 Ähnliches passierte. Die damals 35-Jährige kam in die lokale Notaufnahme, weil ihre rechte Körperhälfte erschlafft war und sie diese kaum noch bewegen konnte. Auf der linken Seite ihres Halses erblühte ein Knutschfleck – Spätfolge eines leidenschaftlichen Treffens rund zwölf Stunden zuvor. Direkt darunter, in der inneren Halsschlagader, offenbarte eine Ultraschalluntersuchung ein Blutgerinnsel. Ein Teil davon hatte sich offenbar abgelöst und sich in ihrer mittleren Gehirnschlagader verfangen. Die Ärztinnen und Ärzte verabreichten ihr Blutgerinnungshemmer, wodurch sich wenige Tage später der Blutpfropf aufgelöst hatte. Die Frau konnte das Krankenhaus mit leichten bleibenden Einschränkungen verlassen.

Unter dem Bluterguss die Blockade

Eine Neuseeländerin hatte noch mehr Glück. Auch sie bemerkte einseitige Lähmungserscheinungen, in ihrem Fall in der linken Körperhälfte. Unter einem einige Tage alten Knutschfleck an ihrem Nacken fand das Behandlerteam einen unvollständigen Verschluss der inneren Halsschlagader. Mit Blutverdünnern löste es den Pfropf auf, und die 44-Jährige erholte sich in der Folge komplett von dem leichten Schlaganfall.

Dass ein Knutschfleck derart schwere Konsequenzen hat, ist zum Glück eine Seltenheit. Bei aller Leidenschaft schadet es jedoch nicht, wenn man den Nacken des Partners oder der Partnerin fürsorglich behandelt. Das Saugen an der Haut dürfte dabei das weniger große Problem darstellen (sofern einen der so entstehende Knutschfleck nicht stört). Vielmehr sollte man wohl beim Einsatz der Zähne vorsichtig sein und den Mund nicht zu fest gegen den Hals des Gegenübers drücken. Dann dürfte die intime Zweisamkeit hoffentlich für keinen der Beteiligten in der Notaufnahme enden.

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