Waldbrände in Deutschland: Die Fehler von gestern sind die Feuer von heute

Im Jahr 2025 verbrannten in Deutschland mehr als 2600 Hektar Wald – etwa die Fläche der Insel Norderney –, deutlich mehr als die rund 850 Hektar, die es sonst im langjährigen Durchschnitt waren. Auch 2026 stehen hierzulande immer wieder Wälder in Flammen, etwa im Müritz-Nationalpark, wo knapp 400 Hektar im Juli verkohlten. Viele Fachleute gehen davon aus, dass das Risiko für Waldbrände in Deutschland weiterhin hoch bleibt – aktuell, aber auch langfristig: Der Klimawandel sorgt dafür, dass sogenanntes Feuerwetter in Mitteleuropa häufiger auftreten wird. Steigende Temperaturen und geringere Niederschläge im Frühling und Sommer trocknen die Vegetation aus, und dann reicht schon ein Funke aus absichtlicher oder versehentlicher Brandstiftung, um ein Inferno zu entfachen. Deshalb muss die Forstwirtschaft dringend gegensteuern, indem sie die Wälder schneller in Laubmischwälder umbaut und die Prävention verstärkt.
Denn neben den sich verändernden Wetterbedingungen sorgt noch ein zweiter Faktor dafür, dass Feuer in großen Teilen Deutschlands reichlich Nahrung in den Wäldern finden. Das gilt besonders für viele Regionen in Ostdeutschland, aber auch in Bayern oder Niedersachsen: Es dominieren flächendeckend Fichten und Kiefern, wo eigentlich Buchen oder Eichen wachsen würden. Diese Nadelholzmonokulturen begünstigen Feuer auf ihre eigene Weise: In den lichten Kiefernwäldern etwa wächst am Boden oft dichtes Gras, das bei Dürre rasch austrocknet. Dazu kommt die Streu aus langen Kiefernnadeln, die sehr schnell verbrennt und dabei viel Energie freisetzt, was die Ausbreitung des Feuers bis in den Kronenraum begünstigt. Bundesländer mit hohem Kieferanteil sind daher stärker von Waldbränden betroffen.
Fichtenforste haben inzwischen mit anderen Problemen zu kämpfen: Normalerweise sind Fichten bei uns eine Baumart der Hochlagen der Mittelgebirge und der mittleren und höheren Bereiche der Alpen, wo es ausreichend feucht und temperiert ist. Als »Brotbaum« der Forstwirtschaft wurde sie jedoch auf mehr als 20 Prozent der deutschen Waldfläche angepflanzt – und damit vielfach auf Standorten, auf denen es inzwischen deutlich zu warm und zu trocken für die Fichten ist. Geschwächt wurden sie flächendeckend Opfer des Borkenkäfers und starben ab. Das betraf sogar den Harz, wo die Fichte in früherer Zeit noch gut gedieh. Auch dort entwickelten sich bereits Brände in den toten Forsten.
In vielen Wäldern hat sich also inzwischen sehr viel Brennmaterial angesammelt. Und fast 80 Prozent der Bäume in Deutschland weisen laut Stichprobenerhebungen mehr oder weniger starke Kronenverlichtungen auf. Das bedeutet, dass sie bereits viele Blätter und Nadeln im Wipfelbereich verloren haben oder dass sogar ganze Äste abgestorben sind. Sie sind also zumindest schon vorgeschädigt. Das Problem der zunehmenden Brandlasten wird also nicht kleiner. Kurzfristig müssen daher Bund und Länder stark in Prävention und Bekämpfung von Feuer investieren. Neben weiteren Löschhubschraubern sollte in Löschflugzeuge investiert werden, die in Bundesländern hilfreich sein könnten, in denen es große Gewässer gibt. Sie können aus Seen enorme Mengen Wasser aufnehmen und damit Brände eindämmen. Doch deutschlandweit existiert nur ein einziges derartiges Gerät in Niedersachsen. Bei Bränden in munitionsbelasteten Flächen wie 2025 in Sachsen oder 2026 im Müritz-Nationalpark können die Feuerwehren nur aus der Ferne eingreifen. Hier könnte Minenräumtechnik entscheidend helfen, doch bleibt die Technik noch ungenutzt. Dazu braucht es mehr Brandschutzschneisen und weitere technische Maßnahmen, um im Ernstfall Feuer schneller einzudämmen.
Waldumbau muss das Ziel sein
Wie sehr Deutschland hinter den aktuellen Entwicklungen hinterherhinkt, zeigt sich außerdem in der Übersicht der ausgewiesenen Waldbrandrisikogebiete: Sie stammt aus dem Jahr 1994 und spiegelt vor allem historische Brandmuster wider, beispielsweise in den von Kiefern dominierten Regionen im Nordosten mit ihren sandigen, nährstoffarmen Böden. Bayern oder Rheinland-Pfalz fehlen dagegen völlig, obwohl dieser Waldtyp dort ebenfalls vorkommt. Zudem kam es in den letzten Jahren zu sehr schwierig zu bekämpfenden Waldbränden in den bayerischen Alpen oder im Harz. Die sich rasch verändernde Gefahrenlage in Deutschland muss also dringend besser erfasst werden, auch damit sich lokale Feuerwehren besser wappnen können.
Langfristiges Ziel muss es jedoch sein, diese Forste, die oft nichts anderes als Holzplantagen sind, noch schneller und flächendeckender in besser an die natürlichen Bedingungen angepasste Laubmischwälder umzuwandeln. Selbst in der Kernzone des Müritz-Nationalparks dominieren Kiefermonokulturen; die Weiterentwicklung zu Laubmischwäldern scheitert unter anderem an einem zu hohen Wildbestand, die Tiere fressen jeglichen Aufwuchs neuer Bäume ab. Das Feuer hilft hier vielleicht sogar, sofern man die Natur danach machen lässt: Pionierarten wie Birken oder Pappeln besiedeln rasch die verbrannten Flächen und leiten im besten Fall die Entwicklung zu den eigentlich standorttypischen Laubwäldern ein.
Die Laubbäume beschatten den Boden, unterdrücken so den leicht brennbaren Grasunterwuchs und wirken beim Abbrennen selbst deutlich feuerhemmender als Kiefernstreu. In den dichteren Laubwäldern herrscht ein feuchteres Binnenklima, das ebenfalls Brände hemmt. In vielen Staats- und Privatforsten läuft dieser Prozess bereits, und unter Kiefern wachsen Buchen oder Eichen nach. Doch laut der Bundeswaldinventur von 2022 sind gerade die feuer- und trockenheitsanfälligen Kiefern- und Fichtenwälder mit hohen Prozentanteilen (39 beziehungsweise 25 Prozent der jeweiligen Fläche) weiterhin nicht gemischt. Sie rasch umzubauen, muss daher Priorität haben, auch wenn dies ökonomisch und ökologisch gerade in Ostdeutschland schwierig zu erreichen sein könnte: In trockenen Gebieten ist die Kiefer wichtig für die Holzwirtschaft und alternative Baumarten wie die Eiche wachsen deutlich langsamer. Die Zeit drängt dabei zusätzlich: Angesichts des sich verändernden Klimas wird das Fenster für den Umbau in Regionen wie Brandenburg oder im Oberrheingraben rasch kleiner, weil es für viele heimische Laubbäume in ihren ersten Lebensjahren zu trocken wird. Doch nur so lässt sich die Brandgefahr trotz des Klimawandels senken. Daran führt kein Weg vorbei.
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