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Fridays For Future: Warum der Klimastreik Hoffnung macht

Was kann - angesichts der trüben Situation und enormer Hindernisse - der Klimaprotest überhaupt noch erreichen? Die überraschende Antwort: alles.
Klimastreik-Demonstration in Hamburg am 20. September 2019

Australien hat den Anfang gemacht: Mehr als 300 000 Menschen waren dort auf den Straßen, um für effektiven Klimaschutz zu demonstrieren. Bilder aus Tokio, Delhi und Johannesburg zeigen Menschen, die sich zum Protest versammelt haben, und auch in Deutschland gingen zigtausende Menschen für den Klimastreik auf die Straße. Doch inzwischen zweifeln viele Menschen, dass selbst ein noch so großer globaler Protest noch etwas erreicht.

Die Schwierigkeiten scheinen kaum überwindbar. Seit 30 Jahren versucht die internationale Politik – durchaus mit ernsthaftem Bemühen – einen globalen Weg zu finden, den Klimawandel zu begrenzen, bisher mit wenig Erfolg. Das zentrale Dilemma der Politik: Jene fossilen Brennstoffe, die das Problem verursachen, liegen nahezu allen technischen und zivilisatorischen Errungenschaften der globalen Gesellschaft zu Grunde. Sie stecken hinter jenem globalen – wenn auch ungerecht verteilten – Wohlstand, der Gesundheitssysteme, Wasser- und Lebensmittelversorgung und nicht zuletzt stabile Staaten für nunmehr fast acht Milliarden Menschen ermöglicht.

Gleichzeitig macht es das unvorstellbare Ausmaß der auf fossiler Basis erzeugten Energie- und Stoffströme zu einer kaum überschaubaren Aufgabe, das ganze System im fliegenden Wechsel durch klimaneutrale Techniken zu ersetzen. Hinter Kohle, Öl und Gas steht eine etablierte technische Infrastruktur, und diese Energieträger sind nach wie vor in den meisten Fällen auch billiger. Nicht zuletzt haben hunderte Millionen Menschen – und ganze Staaten – bis heute in ihrem Alltag schlicht drängendere Probleme, als den Klimawandel aufzuhalten.

Von Aufhalten kann da auch keine Rede mehr sein. Die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre liegt schon jetzt weit jenseits der typischen Werte für das Eiszeitalter, in dem sich Homo sapiens entwickelt hat. Sie ähnelt eher den Konzentrationen vor etwas mehr als drei Millionen Jahren, bevor die vorhergehende Warmzeit endete. Die Menschheit ist derzeit auf einer Reise in eine sehr fremde Welt; bis auf Weiteres wohl ohne Rückfahrkarte.

Aufbruch in die Zukunft

Angesichts der trüben Lage ist eine wirkliche Perspektive für den Klimaschutz auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Aber das täuscht. Im Gegenteil, die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt, und es gibt viel zu tun. Zuerst einmal gilt nach wie vor die eigentlich recht naheliegende Tatsache: Eine Welt, die zwei Grad wärmer ist, ist immer noch besser als eine, die fünf Grad wärmer ist. Das heißt, auch wenn die Abkehr von fossilen Brennstoffen schwieriger und langwieriger ist, als man es sich wünschen würde, lohnt sie sich nach wie vor.

Und selbst wenn die Klimakonferenzen es bisher nicht geschafft haben, den Kohlendioxidausstoß der Menschheit nennenswert zu senken, haben sie doch eine Institution geschaffen, die einen solidarischen Umgang mit den Folgen des Klimawandels möglich macht. Niemand hat ein Interesse daran, dass Staaten oder Regionen instabil werden, und die politische Anerkennung des Klimawandels als globales Problem kann auch den Weg zu globalen Lösungen für seine Folgen weisen.

Nicht zuletzt existiert inzwischen auch eine große Bandbreite technischer Ansätze rund um nachhaltige Methoden, die von Öl produzierenden Algen über Solartechnik bis hin zu modernen, nachhaltigen Anbauverfahren für Lebensmittel reicht. Viele dieser Ansätze scheitern derzeit vor allem an den sehr niedrigen Preisen für die bisherigen Methoden auf der Basis fossiler Brennstoffe. Aber es gibt sie. Und wenn die Geschichte eines lehrt, dann, dass unter den richtigen Umständen schon eine einzelne neue Technologie die ganze Welt in atemberaubender Geschwindigkeit dramatisch verändern kann.

Es ist also noch keinesfalls alles verloren, auch wenn der Versuch, den Klimawandel aufzuhalten, gescheitert ist. Tatsächlich stehen die wirklich großen Aufgaben jetzt erst bevor. Um die kommenden absehbaren ebenso wie die überraschenden Veränderungen – keineswegs nur durch den Klimawandel – zu bewältigen, muss die Gesellschaft ihre Zukunft aktiv gestalten, statt wie bisher bloß die Gegenwart zu verwalten. Anders als es manchmal scheint, liegen dafür schon jetzt viele Werkzeuge bereit. Nun fordert eine globale Bewegung ein, dass man sie entschlossen nutzt.

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