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Vorsicht, Denkfalle!: Neujahrsvorsätze schon passé? Ganz normal!

Gute Vorsätze scheitern oft aus schlechten Gründen: etwa weil wir uns einen einmaligen Verstoß zu sehr zu Herzen nehmen, meint unser Psychologie-Kolumnist.
Eine Schublade mit mehreren Paaren gerollter Socken in verschiedenen Farben, darunter Rot, Grau und Blau. Die Socken sind ordentlich nebeneinander angeordnet. Die Schublade ist aus hellem Holz, und der Hintergrund zeigt einen unscharfen Bodenbelag in warmen Tönen.
Unser Kolumnist nimmt sich regelmäßig vor, sein Sockenmanagement zu optimieren … immer wieder aufs Neue.
Irren tun immer die anderen. Man braucht etwas nur oft genug zu hören, um es zu glauben. Und wer sein Gegenüber imitiert, wirkt sympathisch. Der Psychologe und Bestsellerautor Steve Ayan stellt in seiner Kolumne »Vorsicht, Denkfalle!« die wichtigsten Effekte und Verzerrungen der menschlichen Psyche vor.

Mit den Vorsätzen fürs neue Jahr ist das so eine Sache. Viele Menschen haben sie, doch kaum jemand bleibt ihnen lange treu. Es scheint fast, als handle es sich um eine Form ritualisierten kollektiven Scheiterns, bei dem wir eigentlich schon wissen, dass es wieder nichts damit wird, bevor wir überhaupt angefangen haben. Ausnahmen von Leuten, welche doch erfolgreich abspecken oder das Rauchen aufgeben, sind dann so etwas wie Lottogewinner, die einen in dem Glauben bestärken, man selbst könnte ja ebenso Millionär werden …

Die Gründe für das Scheitern von Neujahrsvorsätzen sind psychologisch vielfältiger Natur. Es beginnt schon damit, dass wir uns manches wohl nur des Vorsatzes wegen vornehmen, ohne daraus Konsequenzen für unser Handeln zu ziehen. So nehme ich mir fast jedes Jahr vor, alte, längst verflossene Bekanntschaften zu reaktivieren oder mein »Sockenmanagement« so zu optimieren, dass ich zügiger an das gewünschte Fußtextil komme. Allein, es bleibt bei dem Wunsch – und ich fürchte, das kommt daher, dass ich das alles eigentlich nicht wirklich will. Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum prognostizierten Nutzen wie peinlichen Gesprächen oder wenigen Sekunden Wühlersparnis. Es ist doch auch einfach schön, vage Vorsätze zu haben, bloß um der Vorsätze willen – warum sollte ich deshalb gleich mein Leben ändern?

Gewohnheiten dauerhaft umstellen

Ein wichtiger Grund für das übliche Neujahrsversagen verbirgt sich allerdings in der Tatsache, dass die meisten Dinge von Relevanz keine einmaligen Ereignisse sind, wie mal nett »Hallo!« zum Nachbarn zu sagen. Vielmehr zahlen sie sich erst durch elend langwierige Wiederholung aus. Nur wer seine Gewohnheiten dauerhaft umstellt, verliert wirklich Gewicht, verbessert seine Fitness, hat weniger Stress, ernährt sich gesünder, gibt das Trinken oder Rauchen auf oder pflegt seine Sozialkontakte.

Die Krux daran: Einmalige Verstöße bedeuten in all diesen Fällen so gut wie nichts – und doch, irgendwie, alles. Es ist ein wenig wie zur Coronazeit: Sich einmal nicht um die Auflagen zu scheren und rauszugehen, um Freunde zu treffen, wäre ziemlich sicher folgenlos und daher scheinbar kein Problem gewesen. Und trotzdem machte es allen Sinn, sich an die vermeintlich sinnlosen Kontaktbeschränkungen zu halten.

Wie Coronaregeln, nur umgekehrt

Gute Vorsätze sind so etwas wie Coronaregeln, nur umgekehrt: Einmal ist kein Mal – allerdings scheint bereits beim ersten Verstoß die Haltung, die Idee, das eherne Gesetz gebrochen zu sein. So genügt auch bei guten Vorsätzen oft schon ein einziger Fauxpas, damit ein Gedanke mit schier unbarmherziger Gewalt zuschlägt: Ach, jetzt ist es auch egal! 

An sich wird ein guter Vorsatz natürlich nicht dadurch obsolet, dass man ihn ein-, zwei-, fünf- oder selbst zehnmal missachtet. Man könnte, ja sollte dennoch einfach daran festhalten. Doch gemäß der Devise »Ganz oder gar nicht!« scheint es nun witzlos zu sein. Also lässt man’s.

Trösten wir uns: In kaum zwölf Monaten haben wir bereits die nächste Chance, zu tun, was dringend nottäte. Nur diesmal wirklich. In diesem Sinne noch ein frohes und gesundes neues Jahr!

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