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Klimapolitik: Wir Crash-Test-Dummys

Die Kohlendioxidemissionen steigen nahezu ungebremst weiter. Wir sind daher nur noch die Versuchskaninchen für den Klima-Worst-Case, kommentiert Lars Fischer.
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"Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten" sang Anfang der 1990er Jahre Hape Kerkeling. Zwei Jahrzehnte später zeichnet sich nun ab, dass die Menschheit an der Eine-Million-Euro-Frage scheitern wird: Eine Antwort auf den menschengemachten Klimawandel ist heute weiter entfernt denn je. Wir machen uns zu Versuchskaninchen eines globalen Experiments mit völlig ungewissen Konsequenzen – und es gibt keinen Notausgang.

Denn auch 2013 wird die Menschheit eine neue Rekordmenge des Treibhausgases Kohlendioxid freisetzen, mit rund 36 Milliarden Tonnen und damit 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Folglich hat sich auch die vage Hoffnung auf eine bevorstehende Trendwende erledigt. Im Jahr 2012 produzierte die Menschheit "nur" 1,1 Prozent mehr Kohlendioxid als im Jahr zuvor – weniger als die Hälfte des Wertes der Jahre zuvor und vor allem weit weniger, als man nach dem Wirtschaftswachstum erwartet hätte. Klimaschützer hofften, endlich das entscheidende Nahziel des Klimaschutzes erreicht zu haben: Die Entkopplung von Wirtschafts- und Kohlendioxidwachstum.

Mit der Prognose von 2013 hat sich diese Hoffnung zerschlagen. Die Entwicklung zeigt, dass der Effekt all jener öffentlichen Willenserklärungen und internationalen Konferenzen der letzten Jahre nicht existent war im Vergleich zu dem, was die große Mehrheit der internationalen Fachleute für dringend erforderlich hält. Im Mai stieg die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre über 400 ppm, und es erscheint zusehends unrealistisch, dass die Welt das inzwischen sprichwörtliche Zwei-Grad-Ziel einhalten kann.

Tatsächlich entspricht die Entwicklung der Treibhausgase derzeit dem pessimistischsten Szenario des IPCC, laut dem wir in so einem Fall mit drastischen Konsequenzen zu rechnen haben. Welche das sein werden, wissen wir nicht genau – für derartige Vorhersagen ist das Klimasystem noch zu wenig verstanden. Allerdings zeichnet sich ab, dass wir es herausfinden werden. Die globale Klimapolitik ist in ihrem jetzigen Zustand nichts anderes als ein Experiment mit dem Ziel, herauszufinden, was im schlimmsten Fall passieren wird. Und wir sind nicht mehr als die Dummys in unserem großen Klima-Crash-Test.

47. KW 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 47. KW 2013

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