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Leseprobe »KI 2041«: Einleitung von Kai-Fu Lee: Die wahre Geschichte der KI

In dem Buch haben sich der international bekannteste KI-Experte und ein führender Science-Fiction-Autor zusammengetan, um eine zwingende Frage zu beantworten: Wie wird künstliche Intelligenz unser Leben in zwanzig Jahren verändert haben? Zehn Geschichten führen uns um die Welt und in einen neuen KI-geprägten Alltag, jeweils gefolgt von einem Realitätscheck durch Kai-Fu Lee. Eine Leseprobe
Allgegenwärtige Informatik
Künstliche Intelligenz (KI) ist intelligente Soft- und Hardware, die Aufgaben ausführen kann, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordert. KI gibt uns Aufschluss darüber, wie wir lernen, quantifiziert menschliche Denkprozesse, erklärt menschliches Verhalten und lässt uns verstehen, was Intelligenz ermöglicht. Es ist der letzte Schritt der Menschheit auf ihrem Weg, sich selbst zu erkennen. Ich hoffe, einen Beitrag zu dieser neuen, verheißungsvollen Wissenschaft leisten zu können.

Ich schrieb diese Worte vor fast 40 Jahren als naiver Student, um mich für das PhD-Programm der Carnegie Mellon University zu bewerben. Geprägt wurde der Begriff »Künstliche Intelligenz« noch weit früher, von dem Informatiker John McCarthy beim legendären Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence im Sommer 1956. Vielen Menschen erscheint KI als die Technologie des 21. Jahrhunderts schlechthin, aber einige von uns haben schon vor Jahrzehnten darüber nachgedacht. In den ersten 35 Jahren meiner KI-Karriere war Künstliche Intelligenz als Forschungsgebiet weitgehend auf Universitäten beschränkt, es gab nur wenige erfolgreiche kommerzielle Anwendungen

Noch bis vor kurzem wurden KI-Forschungsergebnisse nur langsam in praktische Anwendungen umgesetzt. Doch in den letzten fünf Jahren ist KI zur gefragtesten Technologie der Welt geworden. Der bedeutende Meilenstein war im Jahr 2016, als AlphaGo, eine von DeepMind-Ingenieuren entwickelte Maschine, bei einem Go-Turnier über fünf Spiele, dem sogenannten Google DeepMind Challenge Match, den Lee Sedol schlug. Go ist ein Brettspiel, das 1 Million Billion Billion Billion Billion Mal komplexer ist als Schach. Nach Ansicht von Millionen begeisterter Fans des Spiels erfordert Go zudem, anders als Schach, wahre Intelligenz, Weisheit und eine Zen-artige intellektuelle Verfeinerung. Es schockierte viele, dass das KI-Programm den menschlichen Meister besiegte.

Wie die meisten bahnbrechenden kommerziellen KI-Anwendungen basiert auch AlphaGo auf Deep Learning, einer Technologie, die sich mithilfe großer Datenmengen selbst Dinge beibringt. Deep Learning wurde vor vielen Jahren erfunden, aber erst seit kurzem verfügen wir über ausreichend Rechenkapazität, um seine Leistungsfähigkeit aufzuzeigen und ausreichend Trainingsdaten, um außergewöhnliche Ergebnisse zu erzielen. Verglichen mit meinem Kaltstart im Bereich KI vor 40 Jahren steht uns heute etwa 1 Billion Mal mehr Rechenleistung für KI-Experimente zur Verfügung, und die Speicherung der notwendigen Daten ist 15 Millionen Mal billiger. Die Anwendungen von Deep Learning – und der damit verbundenen KI-Technologien – werden beinahe jeden Aspekt unseres Lebens berühren.

KI steht jetzt an einem Wendepunkt. Sie hat den Elfenbeinturm der Wissenschaft verlassen, und die Tage langsamer Fortschritte sind vorüber.

Allein in den vergangenen fünf Jahren hat KI menschliche Champions in Go, Poker und dem Videospiel Dota 2 geschlagen, und sie ist so leistungsfähig geworden, dass sie in nur 4 Stunden Schach lernt und von keinem menschlichen Spieler mehr besiegt werden kann. Aber es geht nicht nur um Spiele. Im Jahr 2020 hat KI ein kniffiges Problem gelöst, an dem sich Biologen 50 Jahre lang die Zähne ausgebissen haben: die sogenannte Proteinfaltung. Die Technologie ist Menschen auch in der Sprach- und Objekterkennung überlegen, sie hat »digitale Menschen« mit einem geradezu unheimlich realistischen Aussehen und Sprachvermögen erschaffen, und sie hat nicht nur Hochschulzulassungs-, sondern auch ärztliche Approbationsprüfungen bestanden. Außerdem übertriff KI menschliche Richter bezüglich der Fairness und Konsistenz von Strafurteilen und Radiologen bei der Diagnose von Lungenkrebs, und sie steuert Drohnen, die die Zukunft der Warenzustellung, der Landwirtschaft und der Kriegsführung revolutionieren werden. Außerdem ermöglicht KI überhaupt erst autonome Kraftfahrzeuge, die auf Schnellstraßen sicherer fahren als Menschen.

Während KI weitere Fortschritte macht und ständig neue Anwendungen für sie erschlossen werden, stellt sich die Frage, wo dies alles hinführt.

In meinem Buch »AI Superpowers: China, Silicon Valley und die neue Weltordnung«, das 2019 in deutscher Sprache erschien, bin ich auf die starke Zunahme von Daten eingegangen, das »neue Öl«, das die KI antreibt. Die Vereinigten Staaten und China führen die KI-Revolution an, wobei die Vereinigten Staaten bei der Forschung führend sind, während China sich zügiger große Datenmenge zunutze macht, um Anwendungen für seine große Bevölkerung einzuführen. In »AI Superpowers« habe ich neue Fortschritte vorhergesagt, von Entscheidungsfindung auf der Grundlage großer Datenmengen über maschinelle Wahrnehmung bis hin zu autonomen Robotern und Fahrzeugen. Ich rechne damit, dass neue KI-Anwendungen in der Digitalbranche, im Finanzsektor, im Einzelhandel und im Verkehrswesen beispiellosen ökonomischen Wert schaffen, aber auch Probleme mit sich bringen werden, die mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und anderen negativen Begleiterscheinungen zusammenhängen. KI ist eine vielseitig einsetzbare Technologie, die praktisch alle Branchen durchdringen wird. Ihre Auswirkungen haben sich in bislang vier Innovationswellen niedergeschlagen, beginnend mit Internet-Anwendungen, gefolgt von wirtschaftlichen Anwendungen (zum Beispiel Finanzdienstleistungen), Wahrnehmungsanwendungen (etwa in Smart Cities) und autonomen Anwendungen, etwa bei Kraftfahrzeugen.

Wenn Sie dieses Buch Ende 2021 oder später lesen, werden die Vorhersagen, die ich in »AI Superpowers« gemacht habe, größtenteils Wirklichkeit geworden sein. Wir müssen uns jetzt nach neuen Herausforderungen umsehen. Bei meinen weltweiten Vorträgen zum Thema KI werde ich immer wieder gefragt: »Was kommt als Nächstes? Was wird in fünf, zehn oder zwanzig Jahren geschehen? Was hält die Zukunft für uns Menschen bereit?«

»Was wir wollen, ist eine Maschine, die aus Erfahrungen lernen kann.«
Alan Turing

Dies sind wichtige Fragen für unseren Moment in der Geschichte, und jeder, der im Bereich Technologie arbeitet, hat eine Meinung dazu. Einige sind der Überzeugung, wir befänden uns mitten in einer »KI-Blase«, die über kurz oder lang platzen oder zumindest erschlaffen wird. Diejenigen, die extremeren und dystopischen Ansichten zuneigen, glauben alles Mögliche, angefangen von der Vorstellung, dass KI-Giganten »unser Gehirn kapern« und eine utopische neue Rasse »menschlicher Cyborgs« erschaffen werden, bis hin zu einer KI-getriebenen Apokalypse. Diese verschiedenen Vorhersagen mögen echter Neugier oder verständlicher Furcht entspringen, aber sie sind für gewöhnlich spekulativ oder übertrieben. Sie sehen nicht das ganze Bild.

Es gibt die unterschiedlichsten Spekulationen, weil KI komplex und undurchsichtig zu sein scheint. Mir ist aufgefallen, dass sich Menschen oft aus drei Quellen darüber informieren: aus Science-Fiction-Literatur, den Nachrichten und einschlägigen Äußerungen einflussreicher Personen. In Science-Fiction-Büchern und Fernsehsendungen werden Roboter dargestellt, die Menschen kontrollieren oder überlisten wollen, und böse gewordene Superintelligenzen. In Medienberichten, die sich auf negative, extreme Beispiele und nicht auf die kleinen täglichen Fortschritte konzentrieren, lesen Menschen von autonomen Kraftfahrzeugen, die Fußgänger totfahren, von Technologieunternehmen, die mithilfe von KI Wahlen beeinflussen, und von Menschen, die KI dazu benutzen, Falschinformationen und Deepfakes zu verbreiten. Eigentlich sollten »Vordenker« die beste Informationsquelle sein, aber leider sind die meisten, die diesen Titel für sich beanspruchen, Experten für Wirtschaft, Physik oder Politik, nicht für KI-Technologien. Ihren Vorhersagen mangelt es oft an wissenschaftlicher Genauigkeit. Verschlimmert wird alles noch dadurch, dass Journalisten diese Meinungsmacher oftmals aus dem Zusammenhang gerissen zitieren, um auf möglichst große Resonanz zu stoßen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass die öffentliche Meinung über KI – die auf Halbwahrheiten beruht – mittlerweile von Bedenken oder sogar offener Ablehnung geprägt ist.

Selbstverständlich sollten gewisse Aspekte der KI-Entwicklung sorgfältig überprüft werden, aber es ist wichtig, bei all den Befürchtungen nicht das große Ganze und das Potenzial dieser unglaublich bedeutenden Technologie außer Acht zu lassen. Wie die meisten Technologien ist KI an sich weder gut noch schlecht. Und wie bei den meisten Technologien werden auch bei KI langfristig die positiven gesellschaftlichen Auswirkungen stärker zu Buche schlagen als die negativen. Denken Sie nur an den enormen Nutzen von Elektrizität, Mobiltelefonen und Internet. Im Lauf der menschlichen Geschichte haben wir uns oft vor neuen Technologien gefürchtet, die den Status quo bedroht haben. Im Lauf der Zeit verschwinden diese Befürchtungen in der Regel, und die entsprechenden Technologien werden Teil unseres Alltags und verbessern unseren Lebensstandard.

Ich glaube, dass es viele spannende Anwendungen und Szenarien gibt, wo KI unsere Gesellschaft grundlegend verbessern kann. Erstens wird KI, global gesehen, eine enorme Wertschöpfung generieren – PriceWaterhouseCoopers beziffert diese auf 15,7 Billionen Dollar bis 2030 –, was dazu beitragen wird, Hunger und Armut zu bekämpfen. KI wird überdies effziente Dienstleistungen erbringen, die uns unsere wertvollste Ressource zurückgeben werden: Zeit. Sie wird Routineaufgaben übernehmen und uns die Freiheit geben, uns anregenderen oder herausfordernderen Tätigkeiten zu widmen. Zu guter Letzt werden Menschen symbiotisch mit KI zusammenarbeiten; KI wird dabei quantitative Analysen, Optimierungen und Routinearbeiten erledigen, während wir Menschen Kreativität, kritisches Denken und Leidenschaft beisteuern. Die Produktivität jedes Menschen wird sich erhöhen, sodass wir unser ganzes Potenzial ausschöpfen können. Die bedeutenden Beiträge, die KI zum Wohl der Menschheit leisten dürfte, müssen genauso gründlich analysiert werden wie ihre Risiken.

Angesichts der zahllosen negativen Berichte über KI halte ich es für wichtig, auch diese anderen Geschichten zu erzählen und die Frage »Was geschieht als Nächstes?« zu beantworten. Deshalb beschloss ich, ein weiteres Buch über KI zu schreiben. Dieses Mal wollte ich den Horizont etwas erweitern und mir den Zustand der Welt und unserer Gesellschaft in 20 Jahren, also 2041, ausmalen. Mir geht es darum, die tatsächliche Geschichte von KI zu diesem zukünftigen Zeitpunkt auf eine unvoreingenommene und ausgewogene, aber auch konstruktive und hoffnungsvolle Weise zu erzählen. Dieses Buch basiert also auf »realistischer KI« beziehungsweise auf Technologien, die es entweder schon gibt oder von denen man vernünftigerweise annehmen kann, dass sie innerhalb der nächsten 20 Jahre anwendungsreif sein werden. Die hier versammelten Erzählungen zeichnen ein Porträt unserer Welt im Jahr 2041, basierend auf Technologien, die mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent in diesem Zeitraum am Markt eingeführt werden. Ich mag einige über- oder unterschätzen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die in diesem Buch geschilderten Szenarien plausibel sind.

»Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist nicht von Magie zu unterscheiden.«
Arthur C. Clarke

Wieso bin ich mir so sicher? Im Verlauf der letzten 40 Jahre war ich an KI-Forschungsprojekten und -Produktentwicklungen bei Apple, Microsoft und Google beteiligt und managte Investments im Technologiesektor in Höhe von 3 Milliarden Dollar. Dementsprechend habe ich praktische Erfahrungen mit der Zeit und den Prozessen, die erforderlich sind, um eine Technologie von ihrer Beschreibung in einem Fachaufsatz zu einem Massenprodukt zu machen. Als Berater diverser Regierungen auf dem Feld der KI-Strategie kenne ich zudem den politischen und regulatorischen Ordnungsrahmen und die dahinterstehenden Überlegungen. Ich mache keine spekulativen Vorhersagen über bahnbrechende Neuerungen und beschränke mich überwiegend darauf, wahrscheinliche oder potenzielle zukünftige Nutzanwendungen bestehender Technologien zu beschreiben. Da KI bislang in weniger als 10 Prozent der Wirtschaftszweige Fuß gefasst hat, gibt es viele Möglichkeiten, wie diese Sektoren mit KI-Anwendungen in Zukunft aussehen könnten. Kurzum, ich bin fest davon überzeugt, dass KI auch ohne beziehungsweise mit nur wenigen bahnbrechenden Neuerungen tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben wird.

»AI Superpowers« wurde meines Wissens nach von den Leser_innen unter anderem deshalb so positiv aufgenommen, weil es auch für Menschen ohne KI-Vorkenntnisse verständlich war. Als ich dieses neue Buch in Angriff nahm, fragte ich mich daher: Was kann ich tun, um Geschichten über KI in einer Weise zu erzählen, die noch mehr Menschen anspricht? Die Antwort lautete: Ich müsste mit jemandem zusammenarbeiten, der gut erzählen kann! Ich beschloss daher, meinen früheren Google-Kollegen Chen Qiufan zu kontaktieren. Nach meinem Ausscheiden bei Google gründete ich eine Wagniskapitalfirma. Qiufan tat etwas Gewagteres – er wurde zu einem preisgekrönten Science-Fiction- Autor. Ich war hocherfreut, als sich Qiufan bereit erklärte, mit mir an dem Projekt zu arbeiten und seine Kreativität mit meiner Einschätzung dessen zu verbinden, was KI-Technologien in 20 Jahren zu leisten vermögen. Wir waren beide der Meinung, dass es faszinierend wäre, sich auszumalen, welche Technologien innerhalb der nächsten 20 Jahre wohl in unser Leben Einzug halten werden, und sie in Erzählungen einzubetten. Wir müssten dabei nicht auf Teleportation oder Aliens zurückgreifen, um unsere Leser_innen zu fesseln.

Qiufan und ich trafen eine ungewöhnliche Absprache. Ich würde zunächst eine »Technologiekarte« entwerfen, die vorhersagen sollte, wann gewisse Technologien die Marktreife erreichen würden, wie lange es dauern sollte, Daten zu sammeln und KI zu optimieren, und wie leicht es wäre, in verschiedenen Branchen ein KI-Produkt zu etablieren. Ich berücksichtigte auch mögliche externe Faktoren – Herausforderungen, Regulierungen und andere erschwerende Faktoren sowie erzählenswerte Konflikte und Dilemmata, die womöglich in Verbindung mit diesen Technologien auftreten werden. Mit meinem Input hinsichtlich der technologischen Komponenten hat Qiufan dann seine Talente ausgespielt – sich die Figuren, Schauplätze und Handlungsstränge ausgedacht, die diese Themen zum Leben erwecken würden. Wir bemühten uns darum, jede Geschichte spannend, provokant und technologisch stimmig zu machen. Im Anschluss an jede Erzählung analysiere ich die darin behandelte KI-Technologie und beschreibe ihre Auswirkungen auf das menschliche Leben und die Gesellschaft. Wir haben die Geschichten so ausgewählt, dass sie sämtliche Schlüsselaspekte der KI abdecken, und wir haben sie grob so geordnet, dass wir von den einfachen zu den fortgeschrittenen Technologien übergehen. Wir hoffen, dass die Summe dieser Teile eine fesselnde und verständliche Einführung in KI ist.

Wir haben unser Buch »KI 2041« genannt, weil dann seit der (englischsprachigen) Erstveröffentlichung dieses Buches 20 Jahre vergangen sein werden. Aber es ist unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass die Ziffern »41« ein wenig wie »AI« aussehen.

Viele unserer Leser_innen mögen vielleicht packende Science-Fiction- Erzählungen, aber manche haben womöglich seit ihrem Studium nicht mehr zu einem Roman oder einer Sammlung von Kurzgeschichten gegriffen. Das macht nichts. Betrachten Sie »KI 2041« dann nicht als Science-Fiction-Literatur, sondern als »Scientific Fiction« (wissenschaftliche Fiktion). Die Geschichten spielen an weit verstreuten Schauplätzen rund um den Globus. In einigen erkennen Sie vielleicht eine Welt wieder, die sich nicht allzu sehr von Ihrer eigenen unterscheidet – mit altvertrauten Bräuchen und Gewohnheiten, wenn auch sozusagen mit einer KI-Einfärbung. In anderen hat KI das menschliche Leben bereits tiefgreifend verändert. Sowohl KI-Anhänger als auch KI-Skeptiker finden hier jede Menge Stoff zum Nachdenken. Ein Buch mit einer erheblichen fiktionalen Komponente ist per se ein größeres Wagnis als ein Sachbuch, das einfach die Gegenwart beschreibt und Fragen über die Zukunft stellt. Qiufan und ich wollten mit unseren Erzählungen wagemutig sein, und wir glauben, dass die nachfolgenden Geschichten bei jedem aufgeschlossenen Leser einen Nerv treffen werden, dessen Vorstellungskraft groß genug ist, um darüber nachzudenken, was die Zukunft bereithält.

Die ersten sieben Erzählungen befassen sich mit KI-Anwendungen zunehmender technologischer Komplexität in verschiedenen Branchen sowie mit deren ethischen und gesellschaftlichen Folgen. Die letzten drei Erzählungen (sowie Kapitel 6, »Der heilige Fahrer«) konzentrieren sich mehr auf soziale und geopolitische Probleme, die KI aufwirft, wie etwa den Verlust traditioneller Arbeitsplätze, ein nie dagewesenes Angebot an Gütern, eine sich verschärfende Ungleichheit, ein Wettrüsten bei autonomen Waffensystemen, Konflikte zwischen Datenschutz und Lebenszufriedenheit und das Streben des Menschen nach Sinnerfüllung. Dies sind tiefgreifende Veränderungen, und die Menschen mögen ihnen mit Verständnis begegnen, sie mit Boshaftigkeit ausnutzen, sich resigniert in sie fügen oder sich durch sie dazu inspirieren lassen, sich selbst neu zu erfinden. In den letzten vier Geschichten wollten wir vier mögliche Variationen und abweichende Entwicklungspfade aufzeigen, um zu unterstreichen, dass die Zukunft noch offen ist.

Wir hoffen, dass diese Erzählungen Sie unterhalten und zugleich Ihr Verständnis der KI und der damit verbundenen Herausforderungen vertiefen werden. Wir hoffen auch, dass unsere Vorhersagen für die kommenden Jahrzehnte Ihnen dabei helfen werden, Chancen zu ergreifen und sich den Herausforderungen zu stellen, die die Zukunft mit sich bringen wird. Vor allem aber hoffen wir, dass die in »KI 2041« versammelten Erzählungen Sie in dem Glauben bestärken werden, dass es an uns selbst liegt – dass wir unser Schicksal selbst in der Hand haben. Keine technologische Revolution wird jemals etwas daran ändern.

Lassen Sie uns aufbrechen zu einer Reise ins Jahr 2041.

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