Leseprobe »Der ADHS-Survival Guide«: ADHS-DENKEN ENTRÄTSELN

Was ist ADHS?
ADHS hat ein PR-Problem: Die meisten Leute haben davon gehört, aber die wenigsten wissen wirklich, was es ist. Die Verwirrung beginnt schon bei der Bezeichnung.
ADHS ist ein unglücklicher Begriff.
Zunächst einmal ist »Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung « mit einer Menge negativer Konnotationen befrachtet. Anstatt dazu beizutragen, die vielen Mythen über ADHS aus dem Weg zu räumen, erhält die Bezeichnung viele davon am Leben. Sie ist verwirrend und irreführend.
Als du sie gehört hast, hast du möglicherweise gedacht: »Ich kann kein ADHS haben, ich bin nicht hyperaktiv!« Oder: »Ich kann kein ADHS haben, ich kann mich gut genug auf das konzentrieren, was mich interessiert.« Wie ich bereits erwähnt habe, wäre es mir den größten Teil meines Lebens nie in den Sinn gekommen, dass ich ADHS haben könnte. Wenn die Bezeichnung zutreffender wäre, hätte man dann bei mir früher eine Diagnose stellen können? Diese Möglichkeit ist definitiv nicht auszuschließen.
Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um die Bezeichnung genauer zu entschlüsseln.
Aufmerksamkeitsdefizit
Diejenigen von uns, die an ADHS leiden, haben eigentlich kein Aufmerksamkeitsdefizit. Ganz im Gegenteil – wir haben ein Übermaß davon! Wir achten oft auf alles gleichzeitig, und zwar in einem Maße, dass wir manchmal den Überblick über das Wesentliche verlieren.
Wir werden ständig von eingehenden Signalen bombardiert und schenken allem, was wir um uns herum sehen und hören, so viel Aufmerksamkeit, dass wir die Datenflut nicht regulieren können, um uns auf das zu konzentrieren, was eigentlich wichtig ist.
Die Dinge, die im Vordergrund stehen sollten (die Person, die mit uns spricht, das Projekt, an dem wir arbeiten, die Signale, die unser Körper uns sendet, damit wir essen, trinken oder auf die Toilette gehen), gehen oft im Lärm unter.
Anstatt Menschen mit ADHS als Personen mit einem Aufmerksamkeitsdefizit zu bezeichnen, wäre es weitaus zutreffender zu sagen, dass sie unter einer Dysregulation ihrer Aufmerksamkeit leiden.
Wenn alles um einen herum nach Aufmerksamkeit schreit, ist es schwierig, diese zu regulieren und eine Stimme aus dem Lärm herauszupicken.
Hyperaktivität
während manche Menschen mit ADHS auffallend hyperaktiv sind, sind viele es nicht. Dies gilt insbesondere für Frauen. Diese zeigen seltener Symptome von Hyperaktivität, zumindest nach außen hin. Viele Menschen glauben, dass sie nicht an ADHS leiden können, weil sie davon ausgehen, dass äußere Hyperaktivität ein zwingendes Symptom ist. Wer kann es ihnen verübeln – schließlich ist es im Namen enthalten!
Aber Hyperaktivität ist nur eine Möglichkeit, wie sich ADHS äußern kann. Manche Menschen mit ADHS sagen, dass sie Hyperaktivität eher im Inneren ihres Gehirns erleben, auch wenn sie von außen vollkommen ruhig wirken.
Vielleicht redest du unheimlich schnell, oder du gehörst zu den Leuten, die beim Sitzen zappeln, kritzeln oder mit dem Bein wippen – lauter Möglichkeiten, diese innere Hyperaktivität auszuleben. Vielleicht hast du das Gefühl, dass dein Gehirn ständig auf Hochtouren arbeitet, 47 Ideen gleichzeitig jongliert, immer einem neuen Gedanken nachjagt und dann noch einem und noch einem. Aber diese Gefühle sind äußerlich nicht sichtbar.
Du »siehst« nicht hyperaktiv »aus«, sodass die Bezeichnung nicht auf dich zuzutreffen scheint.
Leider endet die Leseprobe an dieser Stelle. Das Buch »Die Welt autistischer Frauen und Mädchen« bietet den Rest des Kapitels und vieles mehr.
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