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Selbstbewusstsein: Frauenpower

Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein sowie ein gutes Selbstmanagement sind Schlüsselfaktoren für den Erfolg – nicht nur im Business. Besonders für Frauen stellen diese Themen eine besondere Herausforderung dar, wenn es darum geht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Wie kann man diese mentale Stärke erreichen, Unsicherheiten ablegen, sein eigenes Potenzial voll ausschöpfen und sich selbst verwirklichen?
Frau mit Luftballons Laden...

6. Du bist, was du denkst: Die Macht der Gedanken

Denkgewohnheiten müssen nicht ewig gleich bleiben. Eine der bedeutendsten Entdeckungen der Psychologie in den letzten 20 Jahren ist, dass Menschen ihre Art zu denken verändern können.
(Martin Seligman)

6.1 Pessimistisches Denken

Der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain sagte auf dem Sterbebett: »Ich hatte mein ganzes Leben viele Probleme und Sorgen. Doch die meisten von ihnen sind niemals eingetreten.« Wie ist das bei Ihnen? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Niemand ist frei von negativen Gedanken und selbstverständlich erwarte ich nicht von Ihnen, künftig die Welt nur noch durch eine rosarote Brille zu betrachten. Und es geht auch nicht darum, negative Gedanken einfach zu verdrängen.

Ein Beispiel aus meinem Leben:

Ich segelte mit einem Bekannten rund um Korsika und Sardinien. Wir hatten drei Wochen Zeit. Für alle Mitsegler war es unerheblich, ob wir einen Tag früher oder später zurückkehrten. Mein Bekannter hingegen machte sich vom ersten Tag an Sorgen, dass wir auf dem Rückweg von Sardinien nach Saint-Tropez, Südfrankreich, Starkwind wegen des Mistrals haben könnten. Er drängte uns, täglich große Strecken, bis zu 50 Seemeilen am Tag, zu segeln. Statt entspannt zwischendurch in einer Bucht zu liegen, in Ruhe zu frühstücken, neugierig Städte und Orte entlang der Küste zu erkunden. Was geschah? Die größte Strecke der 157 Seemeilen auf dem Weg zurück von Korsika in den Heimathafen Saint-Tropez mussten wir mangels genügend Wind mit dem Motor zurücklegen. Würden Sie sagen, er hat sich als Skipper effzient für die ganze Reise Sorgen gemacht?

Pessimismus ist kein Schicksal. Angst, Zweifel, Sorgen, Skepsis oder Pessimismus beruhen nie auf Tatsachen, sondern auf einer einseitigen Wahrnehmung: Sie sehen nur eine Seite der Medaille.

Ihre Wahrnehmung ist verzerrt. Ihr Angstzentrum ist übermäßig aktiv. Die daraus entstehenden Denkmuster sind Ihnen nicht bewusst.

Die Pessimistin spricht positive Ereignisse dem Zufall oder anderen zu, negative Ereignisse hingegen betrachtet sie als selbst verschuldet. Das zerstört ihr Selbstvertrauen. Sie fühlt sich oft als Opfer. Das begünstigt, dass sie sich selbst als minderwertig und schwach erlebt.

Pessimistinnen schützen sich vor allzu großen Enttäuschungen; schüren die Angst ihrer Mitmenschen und machen sich oftmals unnötig mehr Stress. Die Pessimistin dramatisiert Rückschläge: »Dachte ich es mir doch – das konnte nicht gehen.«

Martin Seligman, Professor für Psychologie an der University of Pennsylvania und Autor von Büchern wie »Pessimisten küsst man nicht« und »Der Glücksfaktor: Warum Optimisten länger leben«, untersuchte die Denkweisen von Menschen, die sich selbst schnell hilfos fühlten. Pessimistisches Denken, so seine Erkenntnis, stellt in vielen Lebenssituationen ein echtes Hindernis dar: Es lähmt und macht handlungsunfähig. Seligman resümiert: »Nach 25-jähriger Forschungsarbeit auf diesem Gebiet bin ich überzeugt: Wenn wir, wie die Pessimisten, prinzipiell glauben, dass Unglück unsere eigene Schuld ist, dass es sich ständig wiederholen wird und all unsere Bemühungen zunichtemacht, dann stößt uns auch wirklich mehr Unglück zu als bei einer positiveren Einstellung« (Baumgartner 2013).

6.2 Optimismus

So sehr, wie Sie sich mittels Ihrer Gedanken in einen sorgenvollen Zustand bringen können, können Ihre Gedanken Ihre Stimmung auch positiv beeinfussen. Wer an Schönes denkt und positive Botschaften bewusst wahrnimmt, kann sich in eine gehobene Stimmung versetzen. Das zeigt ein Versuch des amerikanischen Psychologen Emmett Velten: Zwei Gruppen von Versuchspersonen erhielten Kartenstapel mit Botschaften. Während die eine Gruppe einen Stapel mit aufbauenden Botschaften vor sich hatte, die von Karte zu Karte positiver wurden, bekam die andere Gruppe neutrale Botschaften. Die Probanden sollten die Karten laut vorlesen. Am Ende des Stapels bat Velten seine Probanden, ihre Stimmung zu beschreiben. Die Gruppe, die die positiven Botschaften laut gelesen hatte, war im Gegensatz zur zweiten Gruppe in guter Stimmung. Das Experiment ist von zahlreichen Psychologen später wiederholt worden. Der Einfuss positiver Botschaften war immer derselbe. Wurden die Probanden darüber hinaus aufgefordert, so zu reden, als ob sie glücklich wären, veränderte das die Stimmung ebenfalls positiv (Corssen und Tramitz 2014).

Optimistinnen geht es grundsätzlich besser, sie sind handlungsfreudiger, fexibler und geben nicht so schnell auf. Optimistinnen (Abb. 6.1) versprühen Lebensfreude. Die Optimistin hält Rückschläge für eher geringfügig: »Das ist doch nicht so schlimm.« Die Optimistin übertreibt Erfolge schon mal. Positives Denken ist ein Teil der optimistischen Grundhaltung. Optimisten haben nachweisbar ein leichteres Leben, sie sind gesünder und haben mehr Erfolg im Beruf.

Tragende Säule einer optimistischen Haltung sind positive Emotionen. Die Emotionsforscherin Barbara Fredrickson, Begründerin der Broadenand-build-Theorie, zeigt durch Studien: Das bewusste Erleben positiver Emotionen wie beispielsweise Vergnügen/Freude oder Liebe löst eine Aufwärtsspirale der Veränderung der Lebenseinstellung zum Positiven aus.

Beispiel:

Finden Sie Beispielsituationen, in denen Sie dank Optimismus zum Ziel gelangen konnten? Sind Sie eher eine Optimistin – so nennt Seligman Frauen mit konstruktiven Einstellungen (Attributionen) – oder eher eine Pessimistin? Wohin tendieren Sie? Wann genau? Wo genau? Was brauchen Sie, um vom Pessimismus zum Optimismus zu kommen? Was brauchen Sie an inneren und äußeren Ressourcen? Verwenden Sie dazu die Veränderung Ihrer negativen Gedanken und hinderlichen Einstellungen wie auf den folgenden Seiten beschrieben.

6.3 Gedanken: Kleine Ursache, große Wirkung

Gedanken führen zu Gefühlen.
Gefühle führen zu Handlungen.
Handlungen führen zu Ergebnissen.

Doch was ist ein Gedanke? Hirnphysiologisch betrachtet ist ein Gedanke ein biochemischer Prozess. Er ist ein Feuerwerk neuronaler Aktivität, gemacht von Neuronen, die Information in Form von elektrischen Impulsen darstellen und weiterleiten (vgl. Kumar et al. 2008). Auf wikipedia.de fnden sich Erklärungen wie ein Gedanke sei eine Meinung, eine Ansicht, ein Einfall, ein Begriff oder eine Idee, ein Gedanke sei ein bewusster psychischer Akt. Einigen wir uns darauf, dass ein Gedanke das Produkt einer Denkleistung ist, an der unser Gehirn beteiligt ist. Entscheidender als die Defnition ist die Tatsache, dass Gedanken sich auf unsere Haltung, unser Verhalten, unser Handeln und unsere Erwartungen auswirken. Wir sind, was wir denken (Buddha).

Ihr eigenes Denken hat Auswirkungen auf Ihre Motivation und Ihr Allgemeinbefnden. Diese wiederum wirken sich über Spiegelneuronen auf Ihr gesamtes Umfeld aus! Das zu wissen und zu verstehen, ist essenziell. Nur wer sich selbst, seine Einstellung, seine Haltung, sein Denken über andere und über Dinge und Situationen, verändert, verändert so auch das System, in dem er sich befndet.

Ich möchte, dass Sie herausfnden, wie Sie lernen können, Ihr eigenes Erleben zu verändern, um etwas Kontrolle über das zu bekommen, was in Ihrem Gehirn tatsächlich passiert. Die meisten Menschen sind Gefangene ihres eigenen Gehirns. Sie verhalten sich, als ob sie am Hintersitz eines Busses festgekettet wären, während jemand anderes lenkt. Ich möchte, dass Sie lernen, Ihren eigenen Bus zu fahren (Bandler 1987). Gewinnen Sie mehr Kontrolle über Ihr Selbst und Ihr Gehirn, steuern Sie Ihre Gedanken bewusst. Ob ein Glas halb voll oder halb leer (Abb. 6.3) ist, hängt ausschließlich vom Betrachter ab. Werden Sie »Busfahrer«. Übernehmen Sie in Ihrem Kopf die Führungsrolle. Jeder ist Konstrukteur seiner eigenen Realität.

Die neurowissenschaftlichen Befunde zeigen es: Gedanken und Emotionen verändern die Struktur unseres Gehirns. Wir müssen nicht zu Opfern unseres Gehirns werden, wir können sein Gestalter sein. Die Macht der Gedanken wird noch immer sehr unterschätzt. Doch unsere Gedanken wirken vielfach als sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Wie oft haben Sie schon etwas, das Ihnen sehr wichtig war, gar nicht erst versucht, weil Sie Angst hatten, zu scheitern? Wenn Sie sich nicht überwinden können, haben Sie auch nichts zu erwarten. Wenn Sie es nicht versuchen, dann bleiben Sie auch genau dort, wo Sie sind. Wenn Sie es versuchen, haben Sie eine ausgesprochen reelle Chance auf Erfolg. Und werden sich großartig fühlen. Viele Menschen gehen aus Angst vor den Schmerzen und Sorge wegen des Befunds nicht zum Zahnarzt, obwohl sie es dringend müssten. Spüren Sie bei sich selbst nach, was das an Stress in Ihnen auslöst, wenn Sie wissen, Sie müssten gehen, tun es aber nicht und schieben den Besuch weiter vor sich her. Dass davon nichts besser wird, ist offensichtlich.

Kennen Sie Roger Bannister? Der Brite lief 1954 als erster Mensch die Meile in einer Zeit von weniger als vier Minuten. Was ihn ins Ziel und zum Rekord brachte, waren seine Gedanken und inneren Bilder. Er sagte später im Interview, er habe gedacht: »Wenn ich mein Tempo halte bis ins Ziel, werden mich die Arme der Welt empfangen – lasse ich nach, wird diese Welt kalt sein.« Bannister gelang damals etwas, was man bis dahin für unmöglich hielt. Heute hofft er, sein Rekord inspiriere Athleten, nach dem Besten zu streben, und zwar durch persönliche Anstrengung allein (vgl. Gernandt 2010). Die Grenzen existieren nur in unseren Gedanken und damit in unserem Kopf. Für die Leistungsfähigkeit des Körpers sind weniger körperliche Grenzen als vielmehr Willenskraft ausschlaggebend.

Negative Gedanken sind bei vielen von uns allgegenwärtig, häufg auch unbewusst. Gehören Sie zu den Menschen, die schon morgens via Funkwecker von schlechten Nachrichten geweckt werden, beim Frühstück und im Auto auf dem Weg zur Arbeit weiter Radio hören, wieder Beschallung mit überwiegend schlechten Nachrichten aus aller Welt, dann tagsüber sich auf dem Gang mit Kollegen über eben diese Neuigkeiten austauschen und abends eine erneute Dosis extrem negative Nachrichten und Katastrophen aus aller Welt zur Tagesschau-Zeit vorm Fernseher konsumieren? Wie lesen Sie Zeitung? Lesen Sie punktuell, lesen Sie alles oder lesen Sie vor allem die Dramen der Welt: von Verschwörungstheorien, Doping, Drogen, Wirtschaftskrise, Vogelgrippe, Steuerbetrug, Mord und Totschlag? Sind Sie jemand, der sich überwiegend über Fehler unterhält? Fehler, die Sie gemacht haben, Fehler, die Kollegen oder Mitarbeiter gemacht haben? Statt über Ihre Erfolge zu sprechen?

Gedanken sind ein Teil Ihrer inneren Haltung. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen nach einem langen grauen Winter am ersten schönen Frühlingstag des Jahres auf einer Berghütte, vielleicht in Begleitung von Freunden oder Familie. Der Himmel ist strahlend blau, der erste Tag seit langem ohne Nebel, und Sie sitzen in der Sonne. Gewähren Sie einer negativen Haltung die Oberhand, dann unterhalten Sie sich mit Ihren Begleitern darüber, wie schlecht der Staat bestimmte Dinge regelt, wie sehr Sie Ihr Job manchmal nervt, warum die Bedienung nicht schneller an Ihrem Tisch ist und die Speisekarte nicht genau das zu bieten hat, was Sie sich wünschen. Oder Sie betrachten die Situation grundsätzlich positiv: Sie genießen den wunderschönen Blick ins Tal, freuen sich darüber, dass Sie so gesund sind, dass Sie auf den Berg gehen konnten, dass Sie Zeit mit lieben Menschen verbringen können, die Ihnen wichtig sind, und dass die Sonne Ihre Haut erwärmt nach einem langen grauen Winter.

Eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, der Talmud, gibt uns eine bemerkenswerte Handlungsanweisung, was unser Leben angeht:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

6.3.1 Das Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung

Unsere Gedanken können uns entweder blockieren, auf unser Gemüt drücken, uns herunterziehen, uns die Motivation rauben und daran hindern, mutig zu sein und mit Selbstvertrauen etwas zu tun, gar Bestleistungen und Erfolg verhindern oder unsere Gedanken können uns befügeln und Energien freisetzen. Wenn wir immer wieder das Gleiche denken, dann sind die Chancen sehr groß, dass wir Recht haben und der Gedanke bzw. die Vorhersage zur Realität wird, sie werden zu »selbsterfüllenden Prophezeiungen«. Die negativen Selbstgespräche treffen dann auch ein.

Gedanken bestimmen unser Handeln und unsere Gefühle. Zu meinen Klienten zählt eine junge Reiterin, die vor kurzem bei den Landesmeisterschaften zum ersten Mal mit einem Großpferd gestartet ist. Ihre Mutter sagte im Vorfeld zu mir: »Es wird sehr schwer werden.« Ich antwortete ihr: »Ja, dann wird es schwer.« Wenn wir glauben, dass eine Aufgabe schwer ist, dann wird sie schwer. Vor einer Präsentation macht es einen großen Unterschied, ob ich denke: Wie wird das Publikum wohl mein Thema und Beispiele auffassen? Habe ich die richtigen Worte gewählt? Sind meine PowerPoint-Charts und Illustrationen ansprechend? Oder ob ich voller Selbstvertrauen und mit Leidenschaft auf die Bühne gehe und meinen Vortrag halte.

Wenn Sie sich für einen Pechvogel halten, wenn Sie überzeugt sind, etwas nicht zu schaffen, dann seien Sie nicht überrascht, wenn Sie tatsächlich häufg Pech haben oder vieles nicht erreichen. Im Alltag fnden sich Menschen, denen so etwas passiert, oft in ihrer Meinung bestätigt und sagen: »Ich habʼs kommen sehen!«, »Hab’ ich doch gleich gewusst, dass das nichts wird« oder »Ich wusste schon immer, dass er etwas gegen mich hat«.

Unsere Erwartungen beeinfussen unser Verhalten. Was wir über andere Menschen denken, wird deshalb meist auch wahr. Was wir über jemanden denken, wird zum einen gespeist aus dem Wissen, dass wir zu dieser Person haben, zum anderen, gerade wenn sie uns noch unbekannt ist, aus der Art und Weise, wie uns dieser Mensch gegenübertritt. Begegnet Ihnen jemand kühl und reserviert, werden Sie denjenigen in der Regel nicht freudestrahlend und herzlich begrüßen, sondern selbst zurückhaltend, vielleicht sogar abweisend reagieren. Ihr Gegenüber reagiert darauf entsprechend und schon verfestigt sich ein gewisses Bild dieses Menschen bei Ihnen – Sie sehen Ihre Erwartungen bestätigt. Der eigene Umgangsstil ruft bei Ihrem Gegenüber jene Verhaltensweisen hervor, die Ihren Erwartungen entsprechen. Künftig werden Sie bei dieser Person besonders auf Indizien achten, die Ihr gefasstes Bild bestätigen. Verhaltensweisen, die Ihre Meinung über diesen Menschen widerlegen könnten, werden Sie weniger stark wahrnehmen.

Ihr eigenes Denken – wir wissen das dank der Spiegelneuronen – wirkt sich auf Ihr gesamtes Umfeld aus. Welche einschränkenden, selbsterfüllenden Gedanken und Überzeugungen gibt es in Ihrem Verantwortungsbereich? Eine Klientin von mir, die im Vertrieb arbeitet, litt unter Präsentationsangst (Abb. 6.4). Ob vor dem Vorstand oder auf Tagungen mit bis zu 300 Zuhörern – die Angst packte sie ab dem Moment, in dem sie von der Präsentation wusste. Sie bekam Magenprobleme und weiche Knie während einer Präsentation. Sie sprach ständig von »Horror« im Zusammenhang mit Präsentationen. Wochenlang beschäftigte sie sich in Gedanken mit dem bevorstehenden »Horror«, während der Präsentation verstärkten unaufmerksame Zuhörer ihre Angst noch, weil sie sich dann permanent fragte, ob sie sie langweile. Im schlimmsten Fall mündete ihre Angst in einen Kreislaufzusammenbruch.

Was war geschehen? Sie hatte ihre »Horror«-Prophezeiung selbst erfüllt. Sie bahnte mit ihrem Denken eben solche neuronalen Pfade, die hinderlich waren, gewährte ihnen die Chefposition im Kopf und ließ sie zu mentalen Autobahnen werden. Unaufmerksamen Zuhörern unterstellte sie, dass sie gelangweilt seien von ihrer Präsentation, und verstärkte so ihren eigenen Stress. Was hilft in einem solchen Fall? Stress lässt sich zum einen reduzieren, indem man die Beurteilung der Situation verändert und nicht alles auf sich bezieht. Zum anderen, indem man die Herausforderung positiv annimmt. Statt die Präsentation als »Horror« zu bezeichnen, hilft es, sie als »Entwicklungschance zum Lernen« zu sehen. Kommen selbstzerstörerische Gedanken auf, gilt es, diese zu stoppen (eine entsprechende Technik stelle ich Ihnen nachfolgend vor) und sich stattdessen positive Anweisungen zu geben.

Die Veränderung der Sichtweise allein reicht in einem solchen Fall indes nicht aus, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Ich habe bei dieser Klientin Entspannungstechniken wie wingwave® und Atemtechniken angewandt, Visualisierung und mit ihr nach einer Ausnahme, einer Referenzerfahrung in der Vergangenheit, gesucht, die ihr vor Augen führt, dass sie sehr wohl in der Lage ist, gute Präsentationen vor einer größeren Zuhörerschaft abzuhalten.

6.4 Der innere Dialog

Mit wem sprechen wir am häufgsten? – Genau, mit uns selbst. Wir sprechen innerlich ständig mit uns selbst. Haben Sie schon einmal bewusst auf Ihre inneren Stimmen gehört? Auf die Frage, wenn man sich wieder einmal als Idioten beschimpft, mit wem man da eigentlich spricht, erhält man meist unisono die Antwort: »Ich spreche mit mir selbst!« Daraus lässt sich ja nur schlussfolgern, dass zwei oder mehr Personen in einem wohnen (müssen), nämlich diejenige, die schimpft und meckert, und diejenige, die sich permanent diese unsäglichen Kommentare anzuhören hat. Manchmal mahnt die innere Stimme uns zu mehr Disziplin, macht uns Vorwürfe, wertet uns ab, kritisiert uns oder erinnert uns an wichtige Dinge o. Ä. Wenn man sich mit seiner »inneren Stimme« also zu etwas auffordert, so entspricht dies nichts anderem als der Kommunikation zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Im Grunde gibt Ihr Bewusstsein einen Befehl, und Ihr Unterbewusstsein hat diesen auszuführen. In England sagt man zu den Stimmen auch »drunken monkey«. Diesen Affen darf man nicht immer ernst nehmen, er spiegelt die Welt nicht objektiv wider. Innere Stimmen basieren auch auf bisherigen Lebenserfahrungen (»Meine Mutter hat mich auch nie gelobt …«). Achten Sie auf Ihre inneren Stimmen: Ist es immer Ihre Stimme oder die eines anderen Menschen?

... (Fortsetzung im Buch)

Literatur

Bandler, R. (1987). Veränderung des subjektiven Erlebens. Fortgeschrittene Methoden des NLP (S. 20). Paderborn: Junfermann.
Baumann, S. (1993). Psyche in Form. Sportpsychologie auf einen Blick (S. 282). Aachen: Meyer & Meyer.
Baumgartner, E. (2013). Schauen Sie nach vorn, Frau Lot! Wiener Zeitung, 29. April 2013. http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/mensch/542801_Schauen-Sienach-vorn-Frau-Lot.html. Zugegriffen: 25. Nov. 2014.
Corssen, J., & Tramitz, C. (2014). Ich und die anderen: Als Selbst-Entwickler zu gelingenden Beziehungen (S. 24–25, 80–81). München: Knaur.
Dillenburg, D. (2014). Kaymer mit Platzrekord. In: golf.de, 9. Mai 2014. http://www.golf.de/publish/60102365/pgatour/kaymer-mit-platzrekord. Zugegriffen: 21. Jan. 2015.
Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Ein Handbuch für Trainer und Sportler (7. Auf., S. 21, 106 ff.). München: Copress Sport.
Gallwey, W. (2003). The inner game of tennis. Die Kunst der entspannten Konzentration (2. Auf., S. 29). Königswinter: New School.
Gernandt, M. (2010). Der Ritter von der Traummeile. Süddeutsche.de, Momente der Sportgeschichte, erschienen am 19. Mai 2010. http://www.sueddeutsche.de/sport/momenteder-sportgeschichte-der-ritter-von-der-traummeile-1.927687. Zugegriffen: 22. Okt. 2014.
Kahn, O. (2010). Ich. Erfolg kommt von innen (S. 165). München: Goldmann.
Kumar, A., et al. (2008). The high-conductance state of cortical networks. Neural Computation, 20(1), 1–43.
Storch, M., et al. (2006). Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern: Huber.
Zerlauth, T. (2000). Sport im State of Excellence (S. 224). Paderborn: Junfermann.

Weiterführende Literatur

Andersch-Sattler, G. (2007). Arbeit zum inneren Team. http://www.syntraum.de/pdf/Arbeit_zum_inneren_Team.pdf. Zugegriffen: 12. Aug. 2014.
Bauer, J. (2013). Arbeit. Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht(S. 44). München: Blessing.
Csikszentmihalyi, M. (2013). Flow: Das Geheimnis des Glücks (16. Auf.). Stuttgart: KlettCotta.
Fischer-Epe, M. (2012). Das Innere Führungsteam. In C. Rauen (Hrsg.), Coaching tools III (S. 136–141). ManagerSeminare: Bonn.
Groher, J. (2014). Führungskraft. Erfolgreiche Führung beginnt mit Selbstführung (S. 90). Offenbach: Gabal.
Heimsoeth, A. (2008). Mental-Training für Reiter (S. 41–42, 57–58). Stuttgart: Müller Rüschlikon.
Heimsoeth, A. (2012). Golf mental: Pockettraining (S. 19–27). pietsch: Springer.
Heimsoeth, A. (2014). Love it – leave it – change it. In P. Buchenau (Hrsg.), Chefsache Prävention I: Wie Prävention zum unternehmerischen Erfolgsfaktor wird (S. 81 ff.). Wiesbaden: Springer Gabler.
Heimsoeth, A. (2015). Chefsache Kopf: Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz (S. 23 ff.). Wiesbaden: Springer Gabler.
Hoffmann, J., & Engelkamp, J. (2013). Lern- und Gedächtnispsychologie (S. 23). Berlin: Springer.
Kahler, T. (1975). Drivers – the key to the process script. Transactional Analysis Journal, July 1975.
Redlich, A. (2000). Führung in Konfikt. Materialien aus der Arbeitsgruppe Beratung und Training. Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg.
Redlich, A. (2009). Wer spricht da gerade? Ein innerer Herold bringt Rollenklarheit in konfikthafte Kommunikation. In A. Redlich (Hrsg.), Impulse für Führung und Training (S. 73–87). Reinbek: Rowohlt.
Schulz von Thun, F. (1999). Miteinander Reden. Störungen und Klärungen (Bd. 1). Rowohlt: Reinbek.
Schulz von Thun, F. (2010). Miteinander Reden. Das Innere Team und situationsgerechte Kommunikation (Bd. 3). Reinbek: Rowohlt (Erstveröffentlichung 1998).

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