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Leseprobe »Selfinfluencing«: Drei gute Gründe für Selfinfluencing

Wenn Sie die psychologischen Grundlagen der Beziehung aus Wahrnehmung und Befinden verstehen, können Sie Ihre eigene Wahrnehmung steuern und sich selbst beeinflussen. Eine Leseprobe
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Es gibt drei gute Gründe für Sie, sich mit Selfinfluencing zu befassen:

  1. Sie sind mit sich selbst nicht zufrieden.
  2. Sie sind mit dem, was Sie umgibt, und der Situation, in der Sie sich befinden, nicht zufrieden.
  3. Sie sind mit den Veränderungen, die Sie erleben, nicht zufrieden.

Es geht also sowohl um die beiden eher kurzfristigen Aspekte des Glücklichseins und des Erfolgreichseins als auch um den langfristigen Aspekt der Lebenszufriedenheit. Dabei kommt es entscheidend darauf an, wie Sie sich, andere und die Welt wahrnehmen. Das, was scheinbar nicht zu ändern ist, ist keine dauerhaft konstante Größe im Leben. Konstant sind nur ständige Veränderungen, die immer wieder passieren. Wenn diese von Ihnen selbst ausgehen, ist es gut. Wenn sie von außen auf Sie zukommen, suchen Sie nach einer Möglichkeit, so zu reagieren, dass Sie anschließend das gute Gefühl haben, Ihr Bestes getan zu haben.

Ob sich dann der gewünschte Erfolg Ihres Handelns einstellt, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Wenn wir versuchen, etwas neu, anders oder besser zu machen, ist es für uns immer vorteilhaft, denn wir haben so die Chance dazuzulernen. Jeder Gewinn von neuen Erkenntnissen wird von unserem Belohnungs- und Motivationssystem positiv registriert und wir werden ermutigt, es einfach noch einmal anders zu versuchen. Wer es einmal geschafft hat, aus seinem inneren Käfig auszubrechen, wird diese Erfahrung nicht vergessen und sie auch in anderen Situationen anwenden.

Es gibt für Sie also die drei folgenden Herausforderungen:

Sie wollen sich selbst ändern

Wünschen Sie sich, dass Ihr Leben anders verlaufen sollte, als es gerade der Fall ist? Haben Sie das Gefühl, unglücklich zu sein? Möchten Sie etwas ändern oder sich verbessern, um heute und in Zukunft zufriedener zu werden und auch von den Mitmenschen anders wahrgenommen zu werden? Haben Sie schon die Erfahrung gemacht, dass Sie sich nicht aus sich selbst heraus weiterentwickeln oder verändern können, auch wenn Sie tief in sich hineinschauen?

Mit dieser Erfahrung stehen Sie nicht allein da. 85 bis 95 Prozent der Menschen haben laut Meinungsumfragen den Wunsch, Teile ihrer Persönlichkeit zu ändern. Doch die Absicht allein reicht nicht. Sie müssen die gewünschte Veränderung für möglich halten, sie wirklich wollen und dann mit dem Veränderungsprozess durch Selfinfluencing beginnen. Allerdings ist das bei körperlichen Erkrankungen oder psychischen Problemen kein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Diagnosen und Therapien. Erwarten Sie aber nicht, dass man Ihnen damit ohne Ihr eigenes Zutun zu einem neuen Leben verhelfen kann. Zweckmäßig und hilfreich ist es deshalb auf jeden Fall, sich aktiv durch Selfinfluencing an der Behandlung der Probleme zu beteiligen und notwendige Veränderungsprozesse zu unterstützen.

Sie wollen fremde Einflüsse erkennen und entmachten

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Mitmenschen und die Medien Sie ständig beeinflussen wollen und Ihnen vorschreiben, was Sie brauchen, kaufen, tun oder lassen sollen? Und alle, die Ihnen Vorschriften oder Vorschläge machen, erwarten von Ihnen, dass Sie diese Beeinflussungen auch noch dankbar annehmen. Man meint es gut mit Ihnen und verspricht, Ihnen werde Ihr Leben besser gelingen, wenn Sie sich wie vorgegeben verhalten. Macht es Sie glücklich und zufrieden, wenn Sie diesen Einflüsterungen nachgeben? Die meisten Menschen wünschen sich mehr Authentizität und würden lieber den eigenen Mustern und Regeln folgen, statt das Leben anderer zu kopieren und nachzuahmen. Auch dabei hilft Selfinfluencing.

Sie wollen auf Veränderungen in Ihrer Umwelt erfolgreich reagieren und Ihre Zukunft selbst gestalten

Der ständige Prozess der Interaktion mit dem, was uns umgibt, Menschen, Medien, Situationen und Dinge, ist für uns so selbstverständlich, dass er kaum noch ins Bewusstsein vordringt und beachtet wird. Unsere Umgebung beeinflusst uns ständig, indem sie sich wandelt. Das gilt auch für kleine, sukzessive und sublime Veränderungen. Gerade sie entscheiden, wie wir uns fühlen, denken und verhalten. Ihre Wirkungen entfalten sich für uns unbewusst und wir wissen oft gar nicht, warum wir traurig oder fröhlich, ängstlich oder wütend sind. Es braucht schon Paukenschläge wie die Corona-Pandemie, um uns für Veränderungen wach zu machen und diese direkt wahrzunehmen.

Wir bemerken es oft gar nicht mehr, wenn sich die Welt um uns herum ändert und wir uns auch ändern, weil wir uns an die Gegebenheiten der Außenwelt so schnell anpassen. Aber wäre es nicht besser, wir würden die Welt nach unseren Wünschen und Vorstellungen gestalten?

Wie wir handeln und alles, was wir fühlen, denken und planen, spiegelt unsere äußere Welt wider, wie wir sie zuvor erlebt haben und aktuell erleben. Wahrnehmungen aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart sind die Bausteine unserer persönlichen, ganz individuellen Wirklichkeit. Jede neue Wahrnehmung wird mit unseren Erfahrungen, unseren Erinnerungen, dem Erlernten und dem Erlebten verglichen, bewertet und in Erwartungen an die Zukunft umgesetzt. Bewusst oder unbewusst. Doch die Fähigkeit, Sinneseindrücke zu verarbeiten, ist bei vielen Menschen verkümmert. Als Folge fällt es Ihnen schwer, schleichende Veränderungen und sublime Beeinflussungen zu bemerken.

Dabei sind Wahrnehmungen die zentralen Instrumente zur Gestaltung unseres Lebens. Wir sind ständig »under construction«, und es gibt, solange wir leben, keinen Endpunkt für die Weiterentwicklung unseres Selbst. Ohne dass es uns bewusst ist, erfinden wir uns ständig neu, indem wir unsere Vergangenheit anders deuten und andere Erwartungen formulieren.

Wenn wir in unserem Leben etwas ändern wollen, brauchen wir neue Wahrnehmungen. Denn was in unserem Inneren durch äußere Einflüsse entstanden ist, kann auch nur über den Weg von außen geändert werden. Die Steuerung unserer Wahrnehmungen durch Selfinfluencing gibt uns die Chance, unseren unbewussten kontinuierlichen Veränderungsprozess aktiv selbst zu gestalten, anstatt dies anderen zu überlassen. Durch selbstbestimmte Wahrnehmungen entscheiden wir über unsere Zukunft. So können wir die Weichen für ein glückliches, erfülltes und authentisches Leben stellen, auch wenn kollektive Ereignisse eine »neue Normalität« geschaffen haben.

Wahrnehmung ist der Schlüssel zur Welt und zu uns selbst

Alles, was uns umgibt, wirkt sich auf unsere Stimmungen, unsere Entscheidungen und unser Verhalten aus. Wahrnehmung ist ein ständiger Lernprozess ohne Lehrer. Jede Information wird, wenn sie uns wichtig erscheint, im Gedächtnis gespeichert. Unwichtiges nehmen wir gar nicht wahr, es wird an der Eingangspforte zum Gehirn sofort aussortiert. Schafft eine Wahrnehmung trotzdem den Weg ins Unbewusste oder sogar ins Bewusstsein, vergessen wir sie bald wieder. Die Information existiert dann zwar noch in unserem Kopf, aber sie ist nur schwach mit anderen Wahrnehmungen verknüpft und deshalb nur schwer zu erinnern.

Embodiment – Body und Mind sind eine Einheit

Embodiment befasst sich mit der Körperlichkeit des Denkens, also dem Zusammenhang zwischen Körper und Geist. Die Theorie des Embodiments der physischen Intelligenz beruht auf der Annahme, dass unsere Entscheidungen und unser Verhalten ebenso wie unser Denken und Fühlen untrennbar mit sinnlich-motorischen Erfahrungen verbunden sind. In der Vergangenheit hat sich die Psychologie fast ausschließlich auf die Betrachtung der kognitiven Prozesse unseres Gehirns beschränkt, um zu erforschen, warum wir bestimmte Entscheidungen treffen oder auch Fehler machen. Dabei konzentrierte man sich auf Ängste, Wünsche, Erinnerungen und Emotionen.

Erst die experimentelle Psychologie hat in zahlreichen Versuchen inzwischen bewiesen, dass unser Denkapparat keineswegs isoliert von der Umwelt funktioniert, sondern die Gefühle und Gedanken, die im Kopf entstehen, abhängig von den Körperwahrnehmungen sind. Bewusste und selbst unbewusste Bewegungen oder Haltungen lenken unsere Empfindungen und Urteile über uns selbst und andere Menschen.

Wie sehr die Umwelt über Erfolg und Misserfolg von Verhalten entscheidet, wurde bis dahin nicht berücksichtigt. Dabei können es schon ganz subliminale Einflüsse sein, die unser Verhalten in eine ganz andere und eventuell weniger erfolgreiche Verhaltensweise lenken. Die menschliche Psyche kann eben nicht losgelöst von der Umwelt betrachtet werden, weil unsere Sinne eine Brücke zwischen der Umwelt und unseren bewussten und unbewussten Denkprozessen schlagen. Die Bandbreite der Situationen, die durch die Verbindung zwischen Körper und Geist verändert werden, ist weitaus größer, als die meisten Menschen wahrscheinlich erwarten.

Unser Körper ist für uns das Tor zur Welt

Der eigene Körper spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung der Welt. Er vermittelt uns eine Vorstellung davon, was groß oder klein, nah oder fern ist. Aus den eingehenden Informationen konstruieren wir dann unsere Welt. Es ist der Körper, der dafür sorgt, dass wir uns ein Leben lang für ein konstantes Individuum halten.

Allerdings ist das Bild der Welt, das in unserem Kopf entsteht, kein originalgetreues Abbild dessen, was uns umgibt. Es ist weit mehr als die Summe der sensorischen Reize. Das, was wir wahrnehmen und wie wir es interpretieren, wird von sehr unterschiedlichen Faktoren beeinflusst, das sind unter anderem unsere Persönlichkeit, unsere Wünsche, Gefühle, Lebensumstände und Erwartungen. Aus all diesen individuellen Komponenten konstruieren wir dann auch das, was wir als unser Ich wahrnehmen.

Unser Körper steuert unsere Wahrnehmungen

Viele unserer Wahrnehmungen werden ganz eindeutig durch unseren Körper gesteuert. Kleine Menschen erleben die Welt anders als große, ohne dass sie sich darüber bewusst sind. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit und unsere Geschicklichkeit beeinflussen uns. Körperlich schwache Menschen oder solche, die unter Schmerzen leiden, die älter oder erschöpft sind, schätzen Entfernungen größer ein und nehmen Hügel als steiler wahr als gesunde Menschen.

Diese Wahrnehmungsverzerrungen sollen uns vor Überlastungen schützen, vermuten die Forscher. Andererseits können Wunschvorstellungen auch ungeahnte Kräfte mobilisieren, sei es beim Bergsteigen oder beim Marathon. Was wir uns wünschen, erscheint uns in der räumlichen Wahrnehmung näher als das, was uns nicht interessiert. Das zeigten Experimente, bei denen Entfernungen geschätzt werden mussten.

Sowohl die Körperhaltung als auch die Mimik beeinflussen, wie wir uns fühlen und wie wir uns selbst sehen. Jemand in aufrechter Körperhaltung strahlt mehr Selbstbewusstsein aus und fühlt sich auch deutlich selbstbewusster als derjenige in gekrümmter Haltung. Menschen können sich besser an positive Ergebnisse erinnern, wenn sie lächeln, aufrecht sitzen, schwungvoll gehen oder ihre Arme nach oben strecken. Eine gekrümmte Haltung oder ein schlurfender Gang führen dagegen dazu, dass Menschen sich eher an negative Dinge erinnern, bei bestimmten Aufgaben schnell aufgeben und bei Erfolgen weniger stolz sind.

Testpersonen, die einen Stift zwischen den Zähnen hielten, der ihre Lachmuskeln aktivierte, fanden dieselben Cartoons deutlich lustiger als diejenigen, die den Stift mit ihren Lippen umstülpen sollten und deshalb nicht lächeln konnten. Psychologen haben aus ihren Experimenten geschlossen, dass Mimik nicht nur Ausdruck von Gefühlen ist, sondern diese auch verstärken oder erst hervorrufen kann. Das heißt, das Aktivieren von Muskeln kann Menschen in bestimmte Stimmungen versetzen und ihre Urteile beeinflussen. So waren Teilnehmer an Experimenten empfänglicher für positive Wörter, wenn sie mit dem Kopf nickten. Wer dagegen den Kopf schüttelte, speicherte eher negative Informationen ab.

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