{"title":"Bully-Verhalten: 3","body":"<BR><\/BR><STRONG>Bully-Verhalten<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Bully-Verhalten beschreibt aus psychologischer und ethologischer Sicht einzelne Ph&#228;nomene der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/29662'>Gruppenaggression<\/A> und des Ausschlu&#223;verhaltens (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6239'>Ausschlu&#223;reaktion<\/A>). Es ist nicht das Ergebnis von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36857'>Konkurrenz<\/A> und Wetteifer zwischen Kindern. Auch geht es nicht um Auseinandersetzungen zur Neustrukturierung der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55610'>Rangordnung<\/A>, sondern um aggressive Aktionen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1485'>Aggression<\/A>) gegen&#252;ber einem rangniederen, unterw&#252;rfigen Opfer, dem sch&#252;tzende Freundesbeziehungen fehlen.<BR><\/BR>Die p&#228;dagogische Relevanz und das Forschungsinteresse an dieser gruppendynamischen Auff&#228;lligkeit haben f&#252;r den schulischen Bereich eine eigene Bezeichnung, das <I>Bully-Verhalten<\/I> oder<I> Bullying,<\/I> etabliert, w&#228;hrend bez&#252;glich Ablauf und Zielsetzung &#228;hnliche aggressive Aktionen am Arbeitsplatz <I>Mobbing<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/30832'>Hassen<\/A>) genannt werden. Von D. Olweus und P.K. Smith, den Pionieren der Bully-Forschung, stammen inzwischen mehrfach interdisziplin&#228;r replizierte Ergebnisse zum Bully-Verhalten sowie zu dessen erfolgreicher Intervention. &#8211; Identische Abl&#228;ufe in Bully-Szenen: ein Kindergartenkind, Schulkind, Jugendlicher oder erwachsener Mensch werden zum S&#252;ndenbock ihrer Gruppe, zum Zielobjekt f&#252;r aggressive Handlungen unterschiedlicher Ursachen. Bezeichnend ist, da&#223; es f&#252;r einen Zusammensto&#223; zwischen Bully-T&#228;ter und Bully-Opfer keines kontextbezogenen Anlasses bedarf. Allein die Pr&#228;senz des Opfers reicht als <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6222'>Ausl&#246;ser<\/A> aus, um erneut eine Attacke zu starten. Neben physischer und verbaler Aggression wird &#8211; wie neue Forschungen von N.R. Crick zeigen &#8211; beim Bully-Verhalten in starkem Ma&#223;e relationale Aggression eingesetzt, bei der durch negative Aussagen direkt zum oder indirekt &#252;ber das Opfer dieses seines Beziehungsnetzes beraubt wird. Das Verh&#228;ltnis eines Kindes zu Gleichaltrigen wird nachhaltig gest&#246;rt. Das Kind selbst wird in seinem Empfinden bez&#252;glich sozialer Zugeh&#246;rigkeit und Akzeptanz durch gezielte Kommentare massiv ersch&#252;ttert, was Fehlverhalten seinerseits nach sich zieht und es sekund&#228;r auch zum Angriffspunkt f&#252;r Vergeltungsma&#223;nahmen an der Bully-Aktion nicht beteiligter Kinder werden l&#228;&#223;t. Die Auswirkungen dieser Form der Aggression sind f&#252;r Opfer wie T&#228;ter als schwerwiegend einzustufen. F&#252;r Opfer sind eine geringe soziale <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5968'>Attraktivit&#228;t<\/A>, massiver Leidensdruck, Entwicklungsr&#252;ckst&#228;nde, Schulleistungsschw&#228;chen, Verhaltensauff&#228;lligkeiten, sozialer R&#252;ckzug bis hin zur Selbstt&#246;tung nachgewiesen. T&#228;terprofile zeigen &#252;berzuf&#228;llige &#220;bereinstimmungen bei Gewaltbereitschaft, Destruktivit&#228;t und Delinquenz sowie eine in der Kindheit beginnende und sich im Entwicklungsverlauf verst&#228;rkende Abnahme der sozialen Einbettung und Akzeptanz in <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1097'>Adoleszenz<\/A> wie im Erwachsenenalter. Erfolgreiche Bully-Interventionen sind mehrstufig: Aufmerksamkeit und Pr&#228;senz der Lehrer in Unterricht und Pausen, vom Lehrerkollegium geschlossen vertretenes sofortiges Einschreiten und bedingungsloses Nichtakzeptieren von Bullying, konsequentes Durchsetzen der Regeln gegen Bullying und Einsetzen ausgew&#228;hlter Strafma&#223;nahmen gegen Bully-T&#228;ter (am wirkungsvollsten, wenn von Lehrern und Sch&#252;lern gemeinsam erarbeitet), Aufzeigen von R&#252;ckwegen f&#252;r T&#228;ter und Opfer aus den jeweiligen Extrempositionen der Gruppe.  \nG.H.-S.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}