{"title":"Schizophrenie: Zusatzinfo III","body":"<STRONG>Schizophrenie<\/STRONG>\n<P><I>Wie wird eine Schizophrenie diagnostiziert? <\/I><BR><\/BR>Die Diagnose einer Schizophrenie ist h&#228;ufig schwierig und nicht immer eindeutig zu stellen. Die Diagnose wird in der Regel erst gestellt, wenn ein Patient deutlich auff&#228;llig wird, meist durch eine sog. Positivsymptomatik wie Verfolgungswahn oder Desorganisiertheit. Umfangreiche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, da&#223; schon Jahre vor Diagnosestellung unspezifische Symptome auftreten, die als Vorstadium (Prodromalstadium) einer Schizophrenie bezeichnet werden. Im Konzept der <I>Basisst&#246;rungen<\/I> gibt es einen &#220;bergang von unspezifischen St&#246;rungen (z.B. uncharakteristische Denkst&#246;rungen), die im Laufe der Zeit spezifischer werden (z.B. Gedankendr&#228;ngen) und schlie&#223;lich zu charakteristischen schizophrenen Symptomen werden (z.B. akustische Halluzinationen). Das Ausma&#223; von Basisst&#246;rungen hat auch prognostische Bedeutung und ist f&#252;r den Ansatz der Fr&#252;hbehandlung besonders wichtig. - Auch heute erfolgt die Diagnose der Schizophrenie noch rein klinisch, d.h., es gibt keinerlei objektive Testverfahren, wie Blut-, R&#246;ntgen- oder Genuntersuchungen. Daher wurde in den letzten Jahrzehnten versucht, die klinische Diagnose verl&#228;&#223;licher und international vergleichbar zu machen. Hierzu wurden operationalisierte Diagnosekriterien eingef&#252;hrt. Diese erlauben die Diagnose einer Schizophrenie erst dann, wenn eine bestimmte Anzahl von Symptomen in einer von mehreren klar definierten Kombinationen f&#252;r eine bestimmte Zeit aufgetreten sind und andere Ursachen ausgeschlossen sind. Zur Zeit existieren zwei anerkannte Diagnosesysteme, das DSM (Diagnostic and Statistic Manual) der amerikanischen Psychiatervereinigung und das ICD (International Classification of Diseases) der Weltgesundheitsorganisation, das in Deutschland verbindlich ist. Die &#220;berarbeitungen dieser Instrumente (aktuelle Versionen: DSM-IV und ICD-10) sind im Laufe der Zeit immer &#228;hnlicher geworden, weisen aber immer noch Unterschiede auf: So ist im DSM-IV gefordert, das die Symptomkonstellationen mindestens sechs Monate vorhanden sein m&#252;ssen, um eine Schizophrenie zu diagnostizieren, im ICD-10 sind es nur 4 Wochen. In diesem Sinne ist die Diagnose einer Schizophrenie in einem gewissen Ausma&#223; von Festlegungen abh&#228;ngig. <BR><\/BR><BR><\/BR>Folgende Symptome m&#252;ssen nach ICD-10 w&#228;hrend der meisten Zeit innerhalb eines Zeitraums von mindestens einem Monat (oder w&#228;hrend einiger Zeit an den meisten Tagen) bestehen, damit die allgemeinen Kriterien f&#252;r die Diagnose einer Schizophrenie erf&#252;llt sind:<BR><\/BR><I>Entweder<\/I> mindestens eines der folgenden Merkmale:<BR><\/BR>- Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung <BR><\/BR>- Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gef&#252;hl des Gemachten, deutlich bezogen auf K&#246;rper- oder Gliederbewegungen oder bestimmte Gedanken, T&#228;tigkeiten, Empfindungen; Wahnwahrnehmungen<BR><\/BR>- kommentierende oder dialogische Stimmen, die &#252;ber den Patienten und sein Verhalten sprechen, oder andere Stimmen, die aus einem Teil des K&#246;rpers kommen<BR><\/BR>- anhaltender, kulturell unangemessener oder v&#246;llig unrealistischer (bizarrer) Wahn, wie der, eine religi&#246;se oder politische Pers&#246;nlichkeit zu sein, &#252;bermenschliche Kr&#228;fte und F&#228;higkeiten zu besitzen (z.B. das Wetter kontrollieren zu k&#246;nnen oder im Kontakt mit Au&#223;erirdischen zu sein)<BR><\/BR><I>oder<\/I> mindestens 2 der folgenden Merkmale<BR><\/BR>- anhaltende Halluzination jeder Sinnesmodalit&#228;t, begleitet entweder von fl&#252;chtigen oder undeutlich ausgebildeten Wahngedanken ohne deutliche affektive Beteiligung oder begleitet von anhaltenden &#252;berwertigen Ideen, t&#228;glich &#252;ber Wochen oder Monate auftretend<BR><\/BR>- Gedankenabrei&#223;en oder Einschiebungen in den Gedankenflu&#223;, was zu Zerfahrenheit, Danebenreden oder Neologismen f&#252;hrt<BR><\/BR>- katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien oder w&#228;chserne Biegsamkeit (Flexibilitas cerea), Negativismus, Mutismus und Stupor<BR><\/BR>- negative Symptome wie auff&#228;llige Apathie, Sprachverarmung, verflachte oder inad&#228;quate Affekte, zumeist mit sozialem R&#252;ckzug und verminderter sozialer Leistungsf&#228;higkeit; diese Symptome d&#252;rfen nicht durch eine Depression oder eine neuroleptische Medikation verursacht sein.<BR><\/BR><BR><\/BR>Im klinischen Alltag wird Patienten gegen&#252;ber h&#228;ufig von \"Psychose\" statt von dem stark negativ behafteten Begriff \"Schizophrenie\" gesprochen. Dies kann zu Mi&#223;verst&#228;ndnissen f&#252;hren, da es, neben den rein organisch begr&#252;ndeten Psychosen (etwa durch Gehirnverletzungen oder Drogen), zwei Formen von Psychosen gibt, n&#228;mlich die schizophrenen Psychosen einerseits und die affektiven Psychosen (Depression bzw. Manie) andererseits. Zwischenformen werden als eigene Krankheitsform, als sogenannte schizoaffektive Psychosen bezeichnet.<\/P>"}