{"title":"Selbstorganisation: Zusatzinfo II","body":"<STRONG>Selbstorganisation<\/STRONG>\n<P><I>Reduktionismus und Emergenz:<\/I><BR><\/BR>Es ist wichtig zu sehen, da&#223; die reduktionistischen und holistischen Ans&#228;tze sich keineswegs ausschlie&#223;en m&#252;ssen, sondern sich vielmehr erg&#228;nzen k&#246;nnen. Gerade aufgrund der praktischen Beschr&#228;nkungen des <I>bottom up approach<\/I> ist der <I>top down approach<\/I> eine fruchtbare Alternative, die die Systemeigenschaften zu beschreiben und ihr Zustandekommen zu erkl&#228;ren versucht, ohne da&#223; die G&#252;ltigkeit der Gesetze auf den tieferen Ebenen verletzt w&#228;re. Dies spricht f&#252;r die Vereinbarkeit der unterschiedlichen Forschungsstrategien und ihren Ergebnissen. Von daher kann trotz praktischer, methodischer und epistemischer Schwierigkeiten, emergente, makroskopische Ph&#228;nomene aus den zugrundeliegenden mikroskopischen Prozessen approximativ oder m&#246;glicherweise sogar prinzipiell abzuleiten, die Auffassung von einer Einheit und physikalischen Abgeschlossenheit der Welt und somit ein <I>ontologischer <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/7847'>Monismus<\/A><\/I> beibehalten werden. Auch qualitativ neue Eigenschaften eines Systems lassen sich deshalb als von den komplexen Wechselwirkungen und Konfigurationen seiner Komponenten unter geeigneten Randbedingungen hervorgebracht begreifen. Da&#223; diese Emergenz niemals in allen Details nachvollziehbar und somit reduzierbar ist, widerspricht diesem ontologischen Monismus nicht. Vielmehr erkl&#228;ren die Theorien des Komplexen, warum eine solche Totalanalyse nicht durchf&#252;hrbar sein kann. Sie er&#246;ffnen jedoch auch neue Einsichten in die Prinzipien der Selbstorganisation und -bildung solcher Systemeigenschaften und erm&#246;glichen Informationskompression und Komplexit&#228;tsreduktion und damit die Formulierung &#252;bergreifender Gesetzm&#228;&#223;igkeiten, die ein Verst&#228;ndnis und in Einzelf&#228;llen auch Vorhersagen und gezielte Manipulationen dort noch erlauben, wo der <I>bottom up approach<\/I> versagt oder sogar versagen mu&#223;. Dar&#252;ber hinaus werden erstmals einheitliche Prinzipien der Strukturbildung und Entstehung von Ordnung aus Unordnung in ganz unterschiedlichen Systemen erkennbar, die die Wirkung darwinistischer Prinzipien auch in der unbelebten Welt aufzeigen und das universelle Ineinandergreifen von Zufall und Notwendigkeit ahnen lassen.<\/P>"}