{"title":"Sprache: Tabelle V","body":"<STRONG>Sprache<\/STRONG>\n<P><STRONG>Tab. 4: <\/STRONG><I>Einflu&#223; der Sprache auf Kognition und Verhalten: empirische &#220;berpr&#252;fung von Whorf-Effekten<\/I> <\/P>\n<P><\/P>\n<TABLE BORDER=\"0\" CELLSPACING=\"0\" CELLPADDING=\"0\"><TR><TD ALIGN=\"left\"><TABLE ALIGN = \"left\" BORDER = \"1\" CELLSPACING = \"0\" CELLPADDING = \"0\" BORDERCOLOR = \"#000000\" \n\n<TR>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nAnsatz\n<\/TD>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nBeispiele\n<\/TD>\n<\/TR>\n<TR>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nDer strukturzentrierte Ansatz geht von Unterschieden zwischen Einzelsprachen aus und fragt nach ihren Implikationen f&#252;r das Denken.\n<\/TD>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nGrammatik des Z&#228;hlens (z.B. \"sieben-und-zwanzig\" vs. \"twenty-seven\"): Tats&#228;chlich macht sich diese Wortstellung bei Additionsaufgaben bemerkbar (20 + 7 wird beispielsweise <BR><\/BR>von Belgiern mit Holl&#228;ndisch als Muttersprache langsamer zusammengez&#228;hlt als von franz&#246;sisch sprechenden Belgiern, bei 7 + 20 ist es umgekehrt). Doch liegt dies nicht an einem Whorf-Effekt, der die numerische Kognition beeinflu&#223;t, sondern ist ein Output-Problem: Der Effekt trat nur bei m&#252;ndlicher Antwort auf, aber nicht, wenn die Versuchspersonen die L&#246;sungen in den Computer tippten.\n<\/TD>\n<\/TR>\n<TR>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nDer bereichszentrierte Ansatz geht von der erfahrbaren Realit&#228;t aus und fragt, wie sie in verschiedenen Sprachen codiert wird.\n<\/TD>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nRelative versus absolute Raumkonzeptionen: In Chalcatongo-Mixtekisch (Mexiko) werden r&#228;umliche Beziehungen &#252;ber metaphorische Projektionen von K&#246;rperteilbezeichnungen <BR><\/BR>auf die Objekte ausgedr&#252;ckt, z.B. bedeutet \"yu&#249; w&#227; h&#236;ya&#224; c&#236;&#236;-mes&#225;\" (\"der Stein ist auf dem Tisch\") w&#246;rtlich \"Stein der lokalisierte Bauch-Tisch\"; in Tzeltal (Mexiko) werden r&#228;umliche Beziehungen mit Hilfe von geographischen Begriffen konzeptualisiert, z.B. \"gib mir die Tasse bergab von dir\"; in Guugu Yimithirr (im australischen Queensland) gilt sogar ein <BR><\/BR>f&#252;r irdische Verh&#228;ltnisse absoluter Bezugsrahmen: die Himmelsrichtungen (\"gib mir die n&#246;rdliche Tasse\"). <BR><\/BR>Farbgrundw&#246;rter: Ged&#228;chtnistests zu Farben fallen um so besser aus, je genauer die Sprachen die getesteten Farben kategorisieren und differenzieren; z.B. schneiden die Berinmo von Papua-Neuguinea in Ged&#228;chtnistests besser ab, wenn es um nol-wor-Differenzen geht, Engl&#228;nder besser, wenn es um blau-gr&#252;n-Differenzen geht, <BR><\/BR>wof&#252;r die jeweils andere Sprache keine Farbgrundw&#246;rter haben (\"nol\" entspricht Teilbereichen von Blau, Gr&#252;n und Purpur, \"wor\" Teilen von Gelb, Orange, Braun und Gr&#252;n). \n<\/TD>\n<\/TR>\n<TR>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nDer verhaltenszentrierte Ansatz geht von behavioralen Unterschieden aus und fragt, ob sie sich durch unterschiedliche Einzelsprachen erkl&#228;ren lassen.\n<\/TD>\n<TD ALIGN = \"left\" VALIGN = \"middle\" WIDTH = \"221\" >\nKontrafaktische Schlu&#223;folgerungen: z.B. hat das Chinesische keine syntaktische Konjunktivform, sondern dr&#252;ckt den Irrealis durch Verneinung aus, doch Chinesen schneiden beim Beantworten von Fragen zu kontrafaktischen Situationen meist auch <BR><\/BR>nicht schlechter ab als z.B. Engl&#228;nder, und wo doch, dann aufgrund von Kommunikations- und Test-, nicht Denkfehlern. Mitunter m&#252;ssen sie jedoch eine gr&#246;&#223;ere Anstrengung betreiben, etwa zus&#228;tzliche Informationen heranziehen oder Schl&#252;sse ziehen, die die Sprache Europ&#228;ern gewisserma&#223;en \"automatisch\" abnimmt.<BR><\/BR>Fehlhandlungen: Z.B. sind Arbeitsunf&#228;lle in Finnland trotz &#228;hnlicher Arbeitsbedingungen wesentlich h&#228;ufiger als in Schweden sowie unter den Schwedisch sprechenden Arbeitern in Finnland. Dies k&#246;nnte daran liegen, da&#223; das Schwedische Bewegungen im Raum <BR><\/BR>einfacher und konkreter konzeptualisiert als das Finnische: Die Grammatik indoeurop&#228;ischer Sprachen (zu denen Schwedisch geh&#246;rt) macht es leicht, Bewegungen von Objekten im Raum und deren Ver&#228;nderungen zu beschreiben, w&#228;hrend ural-altaische Sprachen wie Finnisch, Ungarisch und Estnisch mehr Wert auf statische Verh&#228;ltnisse, &#220;berg&#228;nge und Personenbez&#252;ge legen. Deshalb wurde vermutet, da&#223; finnische Arbeiter der zeitlichen Organisation des Produktionsprozesses weniger Aufmerksamkeit schenken, doch dies mu&#223; durch rigide Untersuchungen erst noch untermauert werden.\n<\/TD>\n<\/TR>\n\n<\/TABLE><\/TD><\/TR><\/TABLE>"}