{"title":"Cephalisation: 3","body":"<BR><\/BR><STRONG>Cephalisation<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Da&#223; Cephalisation und <I>Cerebralisation<\/I> in Beziehung zur gerichteten Fortbewegungsweise entstanden sind, wird an sessilen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52960'>Polypen<\/A>) oder meist passiv von Wellen und Str&#246;mungen bewegten Tieren (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55275'>Quallen<\/A>) deutlich. Sie erhalten Umweltreize aus allen Richtungen, sind entsprechend radi&#228;rsymmetrisch gebaut und haben keinen Kopf. Ohne Kopf sind auch solche Formen, die von Ahnen mit gerichteter Fortbewegungsweise abstammen, selbst aber im Laufe der Stammesgeschichte wenig vagil oder gar sessil geworden sind, wie z. B. die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63204'>Stachelh&#228;uter<\/A> oder die daher auch <I>Acephala<\/I> (ohne Kopf) genannten <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44410'>Muscheln<\/A>.<BR><\/BR>Die Cephalisation ist in den verschiedenen St&#228;mmen der <I>Bilateria<\/I> konvergent entstanden. Erste Anzeichen finden sich bei den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64369'>Strudelw&#252;rmern<\/A>, die am meist noch nicht besonders klar abgegrenzten Vorderende ihres K&#246;rpers dem Richtungs- oder Bewegungssehen dienende Augen (Pigmentbecherocellen; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6076'>Auge<\/A>) sowie chemische Sinnesorgane (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13325'>chemische Sinne<\/A>) in Form von Wimpergruben tragen und im Innern eine Vereinigung von Nervenzellen zu einem oft paarigen Cerebralganglion des sonst noch recht einfachen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46005'>Nervensystems<\/A> aufweisen. Bei den metameren <I>Coelomaten<\/I> werden die vorderen Segmente mit dem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54096'>Prostomium<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/57218'>Ringelw&#252;rmer<\/A>) oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1750'>Akron<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28311'>Gliederf&#252;&#223;er<\/A>) und der Mundregion zu einem Kopf vereinigt. Das zeigt sich bereits bei den vagilen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52815'>Polychaeta<\/A><I>,<\/I> indem die urspr&#252;nglich der Lokomotion dienenden Segmentanh&#228;nge (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/49457'>Parapodien<\/A>) f&#252;r den Nahrungserwerb umfunktioniert werden, sich besondere Sinnesorgane und ein Cerebralganglion (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/47155'>Oberschlundganglion<\/A>) in der vorderen K&#246;rperregion bilden und die Grenzen zwischen Prostomium und den folgenden Segmenten verwischt werden k&#246;nnen. &#8211; H&#246;chste Bedeutung erh&#228;lt die Cephalisation besonders bei den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28311'>Gliederf&#252;&#223;ern<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70875'>Wirbeltieren<\/A>. Bei den Gliederf&#252;&#223;ern wird im Rahmen einer K&#246;rpergliederung in <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65267'>Tagmata<\/A> ein besonderes Cephalon (Kopf) von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66446'>Thorax<\/A> (Brust) und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/80'>Abdomen<\/A> (Hinterleib) dadurch abgegrenzt, da&#223; der pr&#228;segmentale Teil mit den folgenden 6 Segmenten zu einer nahtlosen Kopfkapsel verschmilzt. Der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44326'>Mund<\/A> wird hinter die 3 vorderen Segmente verlagert, die F&#252;hler (Antenna und Antennula; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/3856'>Antenne<\/A>) mit Sinnesorganen und Augen tragen. Die Ganglien dieser 3 Segmente vereinigen sich zu einem Assoziationszentrum, dem Komplexgehirn, das die beachtlichen Sinnesleistungen der Gliederf&#252;&#223;er, besonders der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34176'>Insekten<\/A>, erm&#246;glicht. An den folgenden 3 Segmenten werden die Gliedma&#223;en zu <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44340'>Mundwerkzeugen<\/A> (Mandibel, 1. und 2. Maxille) und von den zu einem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68621'>Unterschlundganglion<\/A> verschmolzenen Ganglien dieser Segmente innerviert. Nicht selten k&#246;nnen noch weitere Metamere (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42458'>Metamerie<\/A>) an der Cephalisation beteiligt sein.<BR><\/BR>Der Cephalisationsvorgang, die <I>Cephalogenese<\/I> der <I>Wirbeltiere,<\/I> ist umstritten. Zwei Haupttheorien stehen sich gegen&#252;ber. Nach der Segmenttheorie ist der Wirbeltierkopf analog zum Arthropodenkopf ein metamer aufgebauter K&#246;rperteil, der entsprechend der funktionellen Erfordernisse abge&#228;ndert wird. Die zweite Theorie sieht im Wirbeltierkopf eine Neubildung des rostralen K&#246;rperendes, die nicht in Beziehung zur Metamerie des Rumpfes steht. Wie dem auch sei &#8211; fest steht, da&#223; sich bei Gliederf&#252;&#223;ern und Wirbeltieren am Vorderpol des K&#246;rpers in Form eines Kopfes konvergent ein Integrations- und Koordinationsareal von &#228;hnlich hoher Funktionalit&#228;t entwickelt hat, das zweifellos die wesentliche Vorbedingung f&#252;r das bemerkenswerte, nahezu das aller anderen Tierst&#228;mme &#252;berragende Leistungsniveau von Gliederf&#252;&#223;ern und Wirbeltieren war.  \nD.Z.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}