{"title":"Chloridkanle: 3","body":"<BR><\/BR><STRONG>Chloridkan&#228;le<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Klassen von Chloridkan&#228;len<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>1) <I>Liganden-gesteuerte Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Kan&#228;le:<\/I> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26219'>GABA-Rezeptor-Kan&#228;le<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28639'>Glycinrezeptor-Kan&#228;le<\/A>. <BR><\/BR>2) Der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13018'>CFTR<\/A> (Cystische-Fibrose-Transmembran-Leitf&#228;higkeits-Regulator) ist besonders interessant, weil Mutationen des CFTR-Gens urs&#228;chlich an der cystischen Fibrose oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44223'>Mucoviscidose<\/A><I>,<\/I> der h&#228;ufigsten <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22086'>Erbkrankheit<\/A> der kaukasischen Rasse, beteiligt sind. Mit Verf&#252;gbarkeit der mRNA f&#252;r CFTR bot sich ein gentherapeutischer Ansatz (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27413'>Gentherapie<\/A>) zur Kausaltherapie der Mucoviscidose an. Erste Ergebnisse liegen vor (1999) und sind nicht ermutigend. Es wurde versucht, mittels eines Adenovirus-Vektors (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1012'>Adenoviren<\/A>) CFTR-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/12603'>cDNA<\/A> in das Nasenepithel von an Mucoviscidose erkrankten Personen zu transferieren. Allerdings kam es nicht zu einer Normalisierung des gest&#246;rten Elektrolyt-Transports, daf&#252;r aber zu lokalen Entz&#252;ndungen der Nasenschleimhaut durch den Adenovirus-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69136'>Vektor<\/A>.<BR><\/BR>3) Die Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Kan&#228;le aus der <I>ClC-Familie<\/I> geh&#246;ren zu den spannungsabh&#228;ngigen Kan&#228;len, die durch Membranpotentialver&#228;nderungen aktiviert werden. Das erste Mitglied dieser Gruppe (ClC-0) wurde aus dem elektrischen Organ des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71834'>Zitterrochens<\/A> kloniert. Das Protein besteht aus 805 Aminos&#228;uren. Seine Membrantopologie ist noch nicht v&#246;llig entr&#228;tselt. Man geht aber davon aus, da&#223; das Protein 12 Transmembran-Segmente besitzt. Die CLC-Proteine schlie&#223;en sich wahrscheinlich zu Homomultimeren aus mehreren gleichen Proteinen zusammen, um Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Kan&#228;le zu bilden. Ein Hinweis hierf&#252;r ist, da&#223; ein ClC-0-Kanal einerseits zwei Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-permeable Poren enth&#228;lt, und andererseits, da&#223; Injektion nur der cDNA f&#252;r ClC-0 ausreicht, um diese Eigenschaft in einem zellul&#228;ren Expressionsmodell zu reproduzieren. ClC-0 kann sowohl durch Membran-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33366'>Hyperpolarisation<\/A> als auch durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/17363'>Depolarisation<\/A> aktiviert werden. Inzwischen ist bekannt, da&#223; ClC-0 zu einer gr&#246;&#223;eren <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27307'>Genfamilie<\/A> geh&#246;rt. Bei S&#228;ugern sind 9 Mitglieder bekannt. Einige davon werden vorwiegend nur in einem bestimmten Zelltyp (z. B. ClC-1 im Skelettmuskel) oder Organ (z. B. ClC-Ka, ClC-Kb und ClC-5 in der Niere) exprimiert, w&#228;hrend die restlichen (ClC-2, ClC-3, ClC-4, ClC&#8211;6 und ClC-7) eine weitere Verbreitung in unterschiedlichen Geweben aufweisen. Nicht alle ClCs konnten bisher erfolgreich in zellul&#228;ren Expressionssystemen als funktionierende Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Kan&#228;le exprimiert werden (CLC-4, ClC-6 und ClC-7), f&#252;r andere (ClC-3, ClC-Ka, ClC-Kb) sind die Ergebnisse noch widerspr&#252;chlich. Krankheiten, die mit Mutationen einiger ClC-Isoformen assoziiert sind, deuten auf die Funktion der Kan&#228;le in bestimmten Zelltypen hin. ClC-1 bewirkt eine hohe Permeabilit&#228;t der Skelettmuskelzellmembran f&#252;r Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>. Funktionell bedeutet dies eine Stabilisierung des Muskelmembranpotentials. &#220;ber 20 identifizierte Mutationen im ClC-1-Gen f&#252;hren zur <I>Myotonia congenita,<\/I> einer Muskelerkrankung des Menschen, die durch Hypererregbarkeit der Muskulatur gekennzeichnet ist (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44766'>Myotonie<\/A>); Symptome sind abnorme Steifheit und verminderte Erschlaffung der Muskulatur. Ursache ist die verminderte Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Leitf&#228;higkeit der Muskelmembran infolge defekter ClC-1-Kan&#228;le. Dadurch wird die Repolarisation nach Muskelaktionspotentialen behindert, repetitive Entladungen, ausgel&#246;st durch Willk&#252;rbewegungen, verursachen die Symptomatik. Mutationen im Gen des vor allem in der Niere exprimierten ClC-5 f&#252;hren zur <I>Dentschen Erkrankung<\/I> (Dents disease), gekennzeichnet durch das Entstehen von Nierensteinen und Verlust von Calcium und Proteinen &#252;ber den Urin. Der Mechanismus, &#252;ber den die Kanalmutation zu diesen Symptomen f&#252;hrt, ist noch ungekl&#228;rt. &#8211; Neben diesen auf molekularer Ebene bekannten Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Kan&#228;len gibt es noch weitere, die bisher nur funktionell charakterisiert wurden. Hierzu geh&#246;ren z. B. <I>Ca<SUP>2+<\/SUP><\/I>-aktivierte Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Kan&#228;le. Auch dieser Kanal ist au&#223;er f&#252;r Cl<SUP>&#8211;<\/SUP> f&#252;r viele andere kleine Anionen permeabel. Die Offen-Wahrscheinlichkeit f&#252;r die Kanalpore nimmt beim Ansteigen des freien intrazellul&#228;ren Ca<SUP>2+<\/SUP> zu. Auch Depolarisationen k&#246;nnen zum &#214;ffnen dieses Kanaltyps f&#252;hren, jedoch ist die Spannungsabh&#228;ngigkeit nur schwach ausgepr&#228;gt. Ca<SUP>2+<\/SUP>-aktivierte Cl<SUP>&#8211;<\/SUP>-Kan&#228;le wurden bisher in <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51363'>Photorezeptoren<\/A>, Neuronen und sekretorischen Zellen beschrieben. In Neuronen k&#246;nnten sie am Entstehen der im Anschlu&#223; an <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1766'>Aktionspotentiale<\/A> auftretenden Nachhyperpolarisationen beteiligt sein und so Einflu&#223; auf das Aktivit&#228;tsmuster der Nervenzellen nehmen.  \nW.N.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}