{"title":"Chloroplasten: 11","body":"<BR><\/BR><STRONG>Chloroplasten<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>Aufbau der Chloroplasten<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><I>Chloroplastenh&#252;lle:<\/I> Die Chloroplastenh&#252;lle trennt das Cytoplasma von der plasmatischen Phase des Chloroplasten, dem Stroma, und besteht aus einer <I>&#228;u&#223;eren<\/I> und einer <I>inneren H&#252;llmembran<\/I>. Diese unterscheiden sich in ihrer Permeabilit&#228;t sowie in ihrer Protein- und Lipidzusammensetzung. Der Raum zwischen den Membranen ist als nichtplasmatische Phase anzusehen. Im Gegensatz zu den Thylakoiden ist die Chloroplastenh&#252;lle chlorophyllfrei, enth&#228;lt jedoch Carotinoide. Die innere H&#252;llmembran stellt die eigentliche Permeationsbarriere zum Cytoplasma dar. Als Translokatorsysteme zwischen Stroma und Cytoplasma enth&#228;lt sie den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51198'>Phosphattranslokator<\/A> (Antiportsystem f&#252;r Phosphoglycerat, Dihydroxyacetonphosphat und anorganisches Phosphat) sowie einen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1023'>Adenylattranslokator<\/A> (Antiport f&#252;r ADP\/ATP). Mit der Chloroplastenh&#252;lle sind viele enzymatische Aktivit&#228;ten assoziiert, die in den Lipid-Metabolismus der Pflanzenzelle involviert sind (z. B. Galactosyl-Transferasen und Acyl-Transferasen) sowie Enzyme des Isoprenoidstoffwechsels, die an der Biosynthese der Carotinoide und Plastochinone mitwirken. Weil die Fetts&#228;uresynthese in den Pflanzenzellen auf das Stroma-Kompartiment beschr&#228;nkt ist, mu&#223; auch eine gro&#223;e Menge an Fetts&#228;ure-Resten, die f&#252;r die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39527'>Lipide<\/A> der cytoplasmatischen Endomembranen, der Mitochondrienmembranen und der Plasmamembran bestimmt sind, die H&#252;llmembran passieren. Da umgekehrt die meisten plastid&#228;ren Proteine nicht Plastom-, sondern Kern-codiert sind, m&#252;ssen sie an cytoplasmatischen 80S-Ribosomen synthetisiert und anschlie&#223;end durch die H&#252;llmembran geschleust werden, um an den Ort ihrer Bestimmung im Chloroplasten zu gelangen. Die Proteine werden dabei als l&#228;ngerkettige Vorstufen im Cytoplasma synthetisiert, wobei die &#252;berz&#228;hligen Aminos&#228;uren als Signalsequenz f&#252;r den Durchtritt durch die H&#252;llmembran fungieren. So wird z. B. die kerncodierte kleine Untereinheit der Ribulose-1,5-diphosphat-Carboxylase (Ribulose-1,5-bisphosphat-Carboxylase) als Pr&#228;kursor mit 44 zus&#228;tzlichen Aminos&#228;uren am Aminoterminus des Proteins synthetisiert. Bei der Passage durch die H&#252;llmembran wird diese Zusatzsequenz durch eine Endopeptidase wieder abgespalten. Ein solches posttranslationales processing (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54405'>Prozessierung<\/A>) ist auch bekannt von einigen Thylakoidproteinen, vom <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/24169'>Ferredoxin<\/A> und von der Ferredoxin-NADP<SUP>+<\/SUP>-Oxidoreductase. Man hat eine Transportrate durch die H&#252;llmembran f&#252;r solche Proteine von 80 000 Molek&#252;len pro Chloroplast und Stunde kalkuliert.<BR><\/BR><I>Thylakoidmembran:<\/I> Die Thylakoidmembran ist der Ort der photosynthetischen Lichtreaktionen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51369'>Photosynthese<\/A>). Als Funktionselemente enth&#228;lt sie die Photosynthesepigmente und die Enzyme der Elektronentransportkette und der Photophosphorylierung. Ontogenetisch leitet sich die Thylakoidmembran von der inneren H&#252;llmembran ab. Im ausdifferenzierten Chloroplasten besteht jedoch keine Verbindung mehr zwischen den beiden Membranen. Der Innenraum der Thylakoide (pH ca. 5) ist vom Matrixraum (pH ca. 8) v&#246;llig getrennt, er ist als weiteres Kompartiment innerhalb des durch die H&#252;llmembran definierten Stroma-Kompartiments aufzufassen. Dieser Gesichtspunkt ist f&#252;r die Erkl&#228;rung der Photophosphorylierung von grundlegender Bedeutung. Die Thylakoidmembran ist ca. 7 nm dick und besteht je zur H&#228;lfte aus Protein und Lipid. Die wichtigsten Anteile der Lipidfraktion entfallen auf die f&#252;r Plastidenmembranen spezifischen Galactolipide (ca. 50%) und Chlorophylle (ca. 20%). Der Proteinanteil besteht haupts&#228;chlich aus peripheren und integralen Enzymproteinen und Pigment-Protein-Komplexen. Das Vorkommen von Proteinen mit reiner Strukturfunktion ist zweifelhaft. Bei der Beschreibung der molekularen Architektur der Thylakoidmembran neigt man heute zu der Vorstellung einer zumindest partiell fl&#252;ssigen Lipidphase (vor allem Galactolipide) als Membranmatrix, in welche die verschiedenen Proteine bzw. Proteinkomplexe nach einem dreidimensionalen, flexiblen Muster eingelagert oder aufgelagert sind <I>(fluid-mosaic-Membranmodell)<\/I>. Zu den gegenw&#228;rtigen Thylakoidmembranmodellen gelangt man durch die Kombination verschiedener Methoden: Die <I>R&#246;ntgenkleinwinkelstreuung<\/I> liefert Informationen &#252;ber die relative Elektronendichteverteilung quer durch die Membran. Die <I>Gefrier&#228;tzung<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26903'>Gefrier&#228;tztechnik<\/A>) ist eine elektronenmikroskopische Methode, die die Zuordnung unterschiedlich gro&#223;er Proteinpartikel zur inneren bzw. &#228;u&#223;eren Membranh&#228;lfte erlaubt. <I>Immunologische Lokalisierung von Membranbestandteilen:<\/I> Spezifische, gegen definierte Proteine und Lipide gerichtete Antik&#246;rper lassen sich als molekulare Sonden zum chemischen Abtasten der Membranoberfl&#228;che einsetzen. Durch das Ausschalten (knock out) sowie die Mutagenese von Genen f&#252;r Thylakoidmembranproteine lassen sich Aufschl&#252;sse &#252;ber die Sublokalisation sowie die Interaktion einzelner Membranproteinbestandteile gewinnen. Ziel all dieser Methoden ist die Erstellung von Thylakoid-Funktionsmodellen, die geeignet sind, die Photosynthesevorg&#228;nge an dieser Membran molekular zu erkl&#228;ren (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51369'>Photosynthese<\/A>).<BR><\/BR><I>Chloroplastenstroma:<\/I> Die Biosynthese von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36586'>Kohlenhydraten<\/A> ist der mengenm&#228;&#223;ig wichtigste biochemische Proze&#223; in den Chloroplasten. Alle Enzyme des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/11805'>Calvin-Zyklus<\/A> (reduktiver Pentosephosphat-Zyklus) sind im Stroma lokalisiert. Eine besondere Stellung nimmt dabei das sogenante \"Fraktion-I-Protein\" ein, das identisch ist mit der Ribulose-1,5-diphosphat-Carboxylase\/Oxigenase; es katalysiert die CO<SUB>2<\/SUB>-Fixierung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36582'>Kohlendioxidfixierung<\/A>) an den Akzeptor Ribulose-1,5-diphosphat. Dabei entstehen &#252;ber eine extrem instabile C<SUB>6<\/SUB>-Verbindung 2 Molek&#252;le <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51225'>Phosphoglycerat<\/A>. Dieses Protein kann bis zu 50% des gesamten l&#246;slichen Zellproteins gr&#252;ner Bl&#228;tter ausmachen (Konzentration bis 240 mg\/ml Stroma!), es ist das in der Natur bei weitem h&#228;ufigste Protein. Im nativen Zustand ist es aus je 8 identischen gro&#223;en (pt-DNA-codierten) und kleinen (kerncodierten) Untereinheiten aufgebaut (relative Molek&#252;lmasse 560 000; gro&#223;e Untereinheiten 55 000 &#177; 4000, kleine Untereinheiten 15 000 &#177; 3000). Das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5533'>assembly<\/A> des Komplexes geschieht im Stroma. Als weiteren Zweig des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36588'>Kohlenhydratstoffwechsels<\/A> beherbergt das Stroma die Enzyme zur Synthese von Depotst&#228;rke am Tag, die in der Nacht &#252;ber einen entsprechenden Satz von Enzymen wieder mobilisiert werden kann. Weiterhin besitzt in der Pflanzenzelle allein das Stromakompartiment die Enzymaktivit&#228;ten zur Synthese langkettiger <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/24278'>Fetts&#228;uren<\/A> (C<SUB>16<\/SUB>:0, C<SUB>18<\/SUB>:1), ausgehend vom C<SUB>2<\/SUB>-Pr&#228;kursor Acetyl-CoA. Die plastid&#228;re Fetts&#228;uresynthase geh&#246;rt dem sogenannten Typ II an, d. h., sie ist prokaryotisch organisiert, liegt also in Form von Einzelenzymen und nicht in multifunktionellen Enzymkomplexen, wie z. B. bei S&#228;ugern, vor. Als Carrier der wachsenden Acylkette zwischen den enzymatischen Einzelschritten dient ein in freier Form vorliegendes <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/872'>Acyl-Carrier-Protein<\/A> (ACP). Ebenfalls im Stroma liegen die Enzyme zur Nitrit- und Sulfat-Reduktion. Auch einige Reaktionen in der Biosynthese von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2870'>Aminos&#228;uren<\/A> finden hier statt. Schlie&#223;lich besitzen die Chloroplasten eine eigene Proteinsynthesemaschinerie. Die 70S-Ribosomen der Chloroplasten repr&#228;sentieren bis zu 50% des gesamten Ribosomenbestands einer photosynthetisch aktiven Zelle. Das Hauptprodukt der plastid&#228;ren Proteinsynthese ist die gro&#223;e Untereinheit der Ribulose-1,5-diphosphat-Carboxylase, aber auch alle anderen Plastom-codierten Proteine werden dort synthetisiert (z. B. 3 der 5 Untereinheiten der CF<SUB>1<\/SUB>-ATP-Synthetase). Ebenfalls im Stroma liegt die pt-DNA. Im Elektronenmikroskop sind die DNA-haltigen Bereiche als aufgelockerte, f&#228;dig strukturierte Zonen zu erkennen. Pro Chloroplast gibt es mehrere solcher Nucleoid-&#228;hnlichen Bereiche.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}