{"title":"Chondrom: 5","body":"<BR><\/BR><STRONG>Chondrom<\/STRONG><BR><\/BR>Zwei <I>Mitochondrien<\/I> haben dasselbe (typische) Chondrom, wenn sie dieselben Typen von Genen bzw. Funktionseinheiten, d. h. dieselbe DNA-Sequenz, besitzen. Zwei <I>Zellen<\/I> haben dasselbe Chondrom, wenn ihre Mitochondrien dasselbe typische Chondrom besitzen. Die mitochondrialen DNA-Molek&#252;le (mtDNA) sind zirkul&#228;r und liegen meist in mehreren Kopien pro Mitochondrium vor. Sie zeigen nativ Supercoilstruktur (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64774'>supercoil<\/A>), was auf die Aktivit&#228;t einer <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18827'>DNA<\/A>-Topoisomerase vom Typ II zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Die Gr&#246;&#223;e eines mitochondrialen DNA-Molek&#252;ls kann sehr unterschiedlich sein: ca. 15 000 Basenpaare bei <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/58709'>S&#228;ugetieren<\/A>, ca. 90 000 bei <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31015'>Hefen<\/A> und 250 000 bis 2,5 Millionen bei H&#246;heren <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/50664'>Pflanzen<\/A>. In der Regel gibt es zwischen verwandten Gruppen geringere Unterschiede als zwischen nicht verwandten Arten. Die Gr&#246;&#223;enunterschiede beruhen auf nichtcodierenden Sequenzen; z. B. ist eine 1000&#8211;2000 Basenpaare lange nichtcodierende Sequenz f&#252;r die Gr&#246;&#223;enunterschiede zwischen der mtDNA von Mensch, Rind und Maus verantwortlich (die Anordnung der codierenden Sequenzen ist identisch). Bei <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51826'>Pilzen<\/A> und H&#246;heren Pflanzen ist die Zahl nichtcodierender Bereiche stark vermehrt. In pflanzlichen Chondromen gibt es zudem Sequenzen, die offensichtlich aus <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52213'>Plastiden<\/A> und dem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71577'>Zellkern<\/A> stammen und keinerlei Funktion besitzen. Zus&#228;tzlich werden bei H&#246;heren Pflanzen Gr&#246;&#223;enunterschiede innerhalb des Chondroms eines Organismus gefunden. Sie beruhen auf <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56162'>Rekombination<\/A> an gleichgerichteten repetitiven Sequenzen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56264'>repetitive DNA<\/A>) sogenannter Master-Molek&#252;le, wodurch kleinere <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52186'>Plasmide<\/A> entstehen, die nur einen Teil der mtDNA des Master-Molek&#252;ls enthalten. Diese Rekombinationsereignisse sind reversibel.<BR><\/BR>Das Chondrom enth&#228;lt Gene f&#252;r s&#228;mtliche zu einer Proteinbiosynthese (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67283'>Translation<\/A>) erforderlichen tRNAs (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67236'>transfer-RNA<\/A>) und rRNAs (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56971'>ribosomale RNA<\/A>), au&#223;erdem einige Gene f&#252;r ribosomale <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54137'>Proteine<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56973'>Ribosomen<\/A>), f&#252;r <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21649'>Enzyme<\/A> der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5859'>Atmungskette<\/A>, der oxidativen Phosphorylierung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5861'>Atmungskettenphosphorylierung<\/A>) und der Fetts&#228;ureoxidation (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/24278'>Fetts&#228;uren<\/A>). Da zur Funktion der Mitochondrien die auf dem Chondrom codierten Genprodukte mit Proteinen zusammenwirken m&#252;ssen, die auf dem Kern-Genom codiert sind, im <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16575'>Cytoplasma<\/A> synthetisiert werden und danach durch die innere und &#228;u&#223;ere <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42042'>Membran<\/A> des Mitochondriums transportiert werden (neben weiteren Enzymen f&#252;r die oben genannten Stoffwechselwege noch Enzyme der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67276'>Transkription<\/A>, der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56274'>Replikation<\/A> und des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/14283'>Citratzyklus<\/A>), spricht man von <I>semiautonomen<\/I> Organellen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22827'>Eucyte<\/A>). Einige Gene des Chondroms von Hefen und anderen Pilzen sowie Pflanzen enthalten intervenierende Sequenzen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34410'>Intron<\/A>; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/23272'>Exon<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27358'>Genmosaikstruktur<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44085'>Mosaikgene<\/A>), was ihnen einen eukaryotischen Charakter verleiht. Die Gene auf den verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig kleinen mitochondrialen DNA-Molek&#252;len von S&#228;ugern sind nicht durch intervenierende Sequenzen unterbrochen. Eine Besonderheit des Chondroms von S&#228;ugern ist auch, da&#223; die Gene sehr dicht aufeinanderfolgen (zum Teil &#252;berlappen sich sogar die terminalen Bereiche der Gene) und nicht durch die vor allem im Kerngenom &#252;blichen, aber auch im Chondrom anderer Organismen vorhandenen repetitiven Sequenzen und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61523'>Signalstrukturen<\/A> (in menschlichen Mitochondrien beginnt die Transkription s&#228;mtlicher Gene an einem einzigen gemeinsamen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53961'>Promotor<\/A>) voneinander getrennt sind.<BR><\/BR>Die Vererbung der Mitochondrien und damit des Chondroms eines Organismus ist meist uniparental (bei Hefen biparental), bei S&#228;ugern ausschlie&#223;lich maternal. Sequenzunterschiede k&#246;nnen also nicht auf Rekombinationsereignissen, sondern nur auf <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44508'>Mutationen<\/A> beruhen. mtDNA wird daher zur Analyse von Sequenzunterschieden und der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27271'>genetischen Distanz<\/A> von Arten herangezogen, was die Erstellung von Sequenzstammb&#228;umen erlaubt.<BR><\/BR>Meist sind Individuen in Bezug auf die DNA-Sequenz ihrer Mitochondrien homoplasmisch, d. h., die DNA s&#228;mtlicher Mitochondrien ist identisch. Inzwischen mehren sich jedoch Hinweise auf Organismen, bei denen mehrere Variationen mitochondrialer DNA existieren, die auch an die n&#228;chsten Generationen weitergegeben werden.  \nG.St.\/M.Ma.\/M.B.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}