{"title":"Internet: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Internet<\/STRONG>\n<P>Theoretisch bislang am st&#228;rksten untersucht ist die sog. <I>computervermittelte <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/6620'>Kommunikation<\/A><\/I> (CvK bzw. CMC = computer-mediated communication), womit in der Regel der textbasierte zwischenmenschliche Austausch in Computernetzwerken gemeint ist. E-Mails, Mailinglisten, Newsgroups und Newsboards sind verbreitete Varianten der zeitversetzten CvK, bei der alle Botschaften gespeichert bereitgehalten werden und deswegen zu selbstgew&#228;hlten Zeitpunkten abrufbar sind. Demgegen&#252;ber m&#252;ssen beim Chatten, der popul&#228;rsten Variante der zeitgleichen CvK, die r&#228;umlich verstreuten Beteiligten zur selben Zeit aktiv sein, da die getippten Mitteilungen unmittelbar am Monitor angezeigt werden und sofortiges Reagieren verlangen. Es liegen eine Reihe theoretischer Modelle vor, die beschreiben und erkl&#228;ren, welche psychologischen Implikationen es hat, wenn Menschen computervermittelt miteinander kommunizieren: Das <I>Kanalreduktions-Modell<\/I> geht davon aus, da&#223; die Beschr&#228;nkung auf maschinenschriftlichen Text die Kommunikation versachlicht, entsinnlicht und damit auch entmenschlicht. Das <I>Filter-Modell<\/I> beschreibt Enthemmung, die sich sowohl in verst&#228;rkter Aggression als auch in beschleunigter Intimit&#228;t ausdr&#252;cken kann, als typischen Effekt der CvK, da diese identifizierende und hierarchisierende soziale Hintergrundinformationen herausfiltert. Das <I>Modell der rationalen Medienwahl<\/I> postuliert, da&#223; f&#252;r bestimmte Kommunikationsaufgaben CvK trotz ihrer Beschr&#228;nkungen optimal geeignet ist. Das <I>Modell der sozialen Informationsverarbeitun<\/I>g bestreitet, da&#223; CvK eine defizit&#228;re Kontaktform ist und weist darauf hin, da&#223; wir fehlende nonverbale Informationen sehr gut verbal explizieren k&#246;nnen. <I>Simulations-<\/I> und <I>Imaginations-Modelle<\/I> betonen die kreativen und projektiven Potentiale, die mit rein textbasierter Selbstdarstellung und Personenwahrnehmung verbunden sind und die (kontr&#228;r zur Kernannahme des Kanalreduktions-Modells) gerade eine verst&#228;rkte Emotionalisierung und Erotisierung bewirken. Diese und weitere CvK-Modelle akzentuieren jeweils einzelne Aspekte der CvK und stehen deswegen eher in einem Erg&#228;nzungs- als in einem Konkurrenzverh&#228;ltnis. - W&#228;hrend die CvK-Modelle prim&#228;r auf die psychosozialen Implikationen einer computerbasierten <I>Text<\/I>kommunikation abheben, ist das <I>Triple-A-Modell<\/I> ein Beispiel f&#252;r ein allgemeines Modell der Netznutzung. Es benennt <I>access, affordability<\/I> und <I>anonymity<\/I> als zentrale Kennzeichen von Netzaktivit&#228;ten, die von der Mehrzahl der Menschen konstruktiv zur Exploration genutzt werden, in bestimmten F&#228;llen jedoch zur Problemeskalation f&#252;hren. Da&#223; die Auseinandersetzung mit Netznutzung ganz neue theoretische Schulen hervorbringen kann, zeigt das Beispiel des <I>Cyberfeminismus<\/I>.<\/P>"}